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DAS ICH – supporten PETA2 mit coolem Fotomotiv!

Wir sind ja ziemlich stolz, an dieser Stelle gewissermaßen eine Premiere ankündigen zu dürfen. Denn so eine richtige Gothic-Band hatten wir bisher eigentlich noch nie im Feature. Umso toller, dass die erste Gothic-Band, die wir featuren, gleich zu den wichtigsten des ganzen Genres gehört: DAS ICH!

Die Jungs sind nicht nur locker die wichtigste Band in der europäischen Gothic-Szene. Sie sind auch allesamt Vegetarier. Deswegen haben sie unser „Meet your Meat“-Video mit auf Tour genommen und es allabendlich vor ihrem Gig gezeigt. Und auch die Besucher ihrer kommenden Tour werden das Video zu Gesicht bekommen, weil DAS ICH „Meet your Meat“ natürlich wieder mitnehmen und bei den Shows zeigen werden. Das freut uns natürlich sehr, es ist aber noch lange nicht alles, was DAS ICH für die Rechte der Tiere tun. Passend zu ihrer neuen EP „Cannibale“ hat die Band gemeinsam mit PETA2 ein cooles Fotomotiv gemacht, dass Ihr unten findet. All das war natürlich Grund genug einmal mit DAS ICH-Sänger Bruno (im Bild hier unten links zu sehen) zu quatschen. Lest selbst, was er zu Vegetarimus, Tierrechten und Musik zu sagen hat!



Hi Bruno! Erst einmal vielen Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst, ein paar Fragen für PETA2 zu beantworten! Du lebst ja schon lange vegetarisch – seit wann genau und wie kam es dazu?
Vegetarier wurde ich während meines Zivildienstes vor zwanzig Jahren. Ein sehr tierschutz- und umweltaktiver Mitziwi fand bei mir schnell Zugang, zumal ich schon immer ein sehr tierlieber Mensch war. Danach entdeckte ich dann Peter Singers Bücher zum Tierrechten und schnell hatte ich meine ganze Familie inklusive Band überzeugt.

Damals als Du vegetarisch geworden bist, in wie fern waren Tierrechte da ein Thema in der Gothic-Szene?
Die Gothicbewegung stammt ja von der New Wave/Punk Bewegung der 80er ab und ist insofern gegenüber politischen, sozialen und alternativen Belangen schon immer offen gewesen. Ich behaupte jetzt auch einfach mal frech, dass es in der Gothic Szene weit mehr Vegerarier/Veganer als in der normalen Bevölkerung gibt und gab. Statistiken gibt es sicher keine, aber alleine unsere Fanpost spricht Bände davon. Und auch auf den entsprechenden Gothic-Festivals gibt es weit mehr Vegetarierfood als auf ähnlichen Festivals anderer Szenen. Und, was die Entwicklung dieses Bewusstseins betrifft: Es gibt doch einige Bands neben uns die das immer wieder zum Thema machen, z.B. SKINNYPUPPY, SAMSAS TRAUM, METALLSPÜRHUNDE, ASP oder auch TRANSIT POETRY. Veränderung gibt es schon seit damals. In den 80ern und 90ern musste man sich als Vegetarier/Veganer konstant rechtfertigen, obwohl es ja eigentlich anders herum sein sollte. Heute ist der Vegetarismus weit ausgeprägter und die Großkonzerne versuchen die Allgemeinheit durch geschickte Kampagnen davon zu überzeugen, es wäre ja schon alles besser geworden, wie z.B. Mc Donalds mit seinem Alibi „Countryburger“, was ja nur noch zynisch ist.

Was ist Dein absolutes veganes Lieblingsessen?
CousCous, Tofu in allen Variationen, besonders gerne in indischer Spinat, Parika und Tomatenvariation. Ohne Schlechwerbung zu machen: In Bayreuth gibt es ein herrliches alternatives Kneipenrestaurant.

Viele denken ja, dass es so schwer sei, vegan/vegetarisch zu leben. Was würdest Du vor diesem Hintergrund jemandem raten, der überlegt, vegan/vegetarisch zu leben, aber nicht weiß, wie er das machen soll?
Sicher, das größte Problem für Gewohnheitstiere wie den Menschen ist immer die Umstellung. Aber sind wir doch mal ehrlich, wer noch nie gekocht hat, wird auch nicht mit einem vegetarischen Kochbuch zurechtkommen. Wer aber sowieso gerne kocht, kennt die phänomenalen Geschmacksrichtungen, die gerade die fernöstliche, asiatische und auch indianische vegetarisch und vegane Küche bieten. Und die Ausrede, der Geschmack von Fleisch sei nicht zu ersetzen, ist so unglaublich lahm und unwahr. Auch wenn es bei mir 20 Jahre her ist und ich mich jetzt vor der Vorstellung ekle: Fleisch hat keinen wirklichen Geschmack, macht träge und aggressiv. Der Geschmack kommt immer durch die Gewürze und wenn es dann noch um das Visuelle geht. Sieh Dir all die Pflanzen an, die diese Schöpfung zu Tage gebracht hat.All jene herrlichen Gerüche, Formen und Farben und daneben dieses anklagende Stück zerschmetterte Form, genannt Fleisch. Jedes Kind sagt Dir sofort was es essen würde. Bestimmt nicht das Fleisch.



Was würdest Du sagen ist das bescheuerteste Gerücht, dass es über Vegetarier/Veganer gibt?

Zu den dämlichsten Gerüchten gehört sicher der Spruch, man würde Gewicht verlieren. Wer mich kennt, weiß, dass ich seit jeher Jahr für Jahr mit den Pfunden kämpfe. Und Mangelerscheinungen sind das zweite dämliche Gerücht. Letztendlich lebst Du vegan/vegetarisch weit gesünder, denn das Fleisch ist ein regelrechter Kollektor für sämtliche Umweltgifte und Hormone.

Haben Dich schon oft Fans von DAS ICH auf Tierrechte angesprochen und Dich nach Deinen Beweggründen, tierlieb zu leben, gefragt?
Scher, das kommt automatisch zur Sprache und wir empfehlen dann immer die Bücher Peter Singers. Es geht einfach darum, die Sphäre der Mitmenschlichkeit über alle Lebewesen zu halten. Dieser Speziezismus ist eine der ältesten Krankheiten des menschlichen Miteinanders, der im dritten Reich auch erst den Nationalismus möglich gemacht hat. In regelrechten Bannkreisen definieren Menschen von der Familie, über Freunde, zu Bekannten, zur gesellschaftlichen Kaste, zur Nation, zur Volkszugehörigkeit, zur Spezies und Gattung hinunter ihr egoistisches Wohlwollen oder Verderb. Erst wenn wir lernen, den Tieren die gleichen Rechte zuzugestehen wie uns, dann werden wir uns endlich auch über die schrecklichen gesellschaftlichen Probleme unserer Zivilisation erheben können. All der Wahnsinn zwischen erster und dritter Welt, zwischen Ost und West, zwischen Arm und reich liegt im Samenkorn des Speziezismus verborgen.

Wie wichtig sind Künstler für den Aufbau eines Bewusstseins für Tierrechte? Denkst Du, dass sie durch Kommunikation mit ihren Fans wirklich etwas erreichen können? Und wie stehst Du zu dem Vorwurf der „Priesterei“ – manche sagen ja, man solle aufhören, anderen seine Meinung aufzudrücken…

Ja in der Tat, Priesterei bekommt man oft zu hören und dann hab ich auch noch so eine Kutte auf der Bühne an, haha. Aber sind wir mal ehrlich, gerade in den letzten Jahren wurde es unpopulärer denn je, seine Meinung auf der Bühne zu äußern. Das Motto war immer: Politik und Soziales gehört nicht in die Freizeit. Bewusstseinsbildung ist Privatsache. Genau deshalb nimmt das soziale Bewusstsein wieder ab, Resultat unter dem alle zu leiden haben: Die Gesellschaft wird kälter. Deshalb ist es auch wirklich Zeit, jene Podien zu nutzen, die sich einem eröffnen.

Was war Deiner Meinung nach die tierrechtlich gesehen relevanteste Verbesserung der Zustände in Deutschland in den letzten Jahren?
Die Schritte sind hier nach wie vor mikroskopisch und lächerlich. Das Problem ist einfach, das meine Wunschvorstellung in keiner Form mit dem Koordinatensystem übereinkommt, in welchem es als Erfolg gewertet wird, wenn jedes Mastschwein jetzt zehn Quadratzentimeter mehr Platz erhält. Das klingt bitter ,ist aber wahr. Solange wundervolle, intelligente Tiere, fühlende Lebewesen wie Du und ich in die Tötungskammer der modernen Kzs gejagt werden um andere so genannte vernunftbegabte Menschen zu ernähren, läuft alles falsch. All jene Darwinisten, die in uns Menschen den großen Unterschied zum Tier im mitfühlenden Wesen fest machen, seien gefragt: Wie kann ein mitfühlendes Wesen vor all jenen Greuel die Augen schließen und behaupten Gefühle zu haben? Natürlich gehen alle Veränderungen immer kleine Schritte, aber wir sind noch so weit vom Ziel entfernt.

Wie siehst Du Dinge wie die Verbreitung „biologisch bewusster Ernährung“ oder die Aufnahme des Tierschutzes in das Grundgesetz?
Biologisch bewusste Ernährung ist richtig, solange sie nicht als Etikett missbraucht wird, wie es z.B. diverse perfide MC Donalds Kampagnen versuchen. Es geht darum, Bewusstsein zu erzeugen und Zusammenhänge zu erkennen. Sowohl im biologisch ökologischen Sinne als auch in den großen geopolitischen Zusammenhängen. Biofood, welches tausende von Kilometern entfernt auf den Feldern hungerleidender Bauern für uns angebaut wird, dann über riesige Strecken transportiert wurde, um hier als besonders „biologisch wertvoll“ angepriesen zu werden, sollte dieses Etikett nicht tragen dürfen. Was den Tierschutz anbelangt: Natürlich gehört er ins Grundgesetzt einer jeden Demokratie, die sich menschlich nennt, denn erst dann haben viele Tierschutzaktivisten die Möglichkeit eben auch dieses dann verbriefte Recht einzufordern. Dem „beruhigten“ Gewissen muss man so oder so permanent und penetrant mit den Bildern aus den Tötungsfabriken entgegentreten.

Ihr habt ja schon mehrfach das PETA-Video „Meet your Meat“ vor Euren Konzerten gezeigt. Was hat Euch dazu motiviert und wie waren die Reaktionen darauf? Hattet Ihr vor den Konzerten die Befürchtung, die Leute würden Euch vielleicht dafür anfeinden?
Das Video werden wir jetzt im Rahmen der kommenden Tour unmittelbar vor unserem Auftritt, durch eine bedrohliche Subbassatmosphäre ergänzt aufführen. Wir rechnen auf alle Fälle mit ein paar wütenden Gästen. Aber wir sind schon immer für unsere provokante Art bekannt.



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Passend zu Eurer neuen EP „Cannibale“ habt Ihr ja ein cooles Fotomotiv für PETA2 gemacht. Was hat Euch dazu bewogen? Und was würdest Du sagen, ist die größte Hoffnung, die ihr im Zusammenhang mit dem Fotomotiv habt?
Das Nachdenken, das Begreifen von Zusammenhängen. Man sieht einen Menschen der stellvertretend für das Tier geschlachtet wird und im Hintergrund steht die immer nach oben blickende Pseudoheiligket unserer christlichen Moralgesellschaft. Provoziert fühlen sich vor allem Menschen, die nicht einsehen möchten, dass sich Mensch und Tier nur in menschlich speziezistischer Sichtweise unterscheiden. Fleisch ist gleich Fleisch und in diesem speziellen Falls gilt sogar „Fleisch isst Fleisch“ – statt dem Schwein (dem horizontalen Mensch) gibt es eben Mensch (das vertikale Schwein). Über diesen Kannibalismus empören sich vor allem Fleischfresser, wahrscheinlich, weil sie unterbewusst gegen ihre eigene Schuld rebellieren. Schrecklich ist aber vor allem die Tatsache, das ein mitfühlendes wesen ein anderes mitfühlendes frisst. Peter Singers Philosophie konsequent zu Ende gedacht, macht da übrigens keinen Unterschied.

„Cannibale“ – in wie fern hattet Ihr Tierrechte im Kopf, als Ihr an diesem Song gearbeitet habt?
Das ist einer von vielen Aspekten, denn bei Kannibalismus denken viele vordergründig sofort an Rothenburg und jenen in Literatur, Film und Musik schon oft interpretierten Menschenfresser. Doch so widersinnig diese Tat auch wirken mag, sie ist nur die vordergründigste Variante des Kannibalen. Kannibalisitsch ist die Menschheit von Anbeginn, seien es die Gefangenen besiegter Stämme oder ganze Völker im Genozid von Rassenwahn oder religiöser Allmachtsfantasie. Besonders die westliche Welt, die sich selbst allzugerne als zivilisatorische Elite betrachtet, watete im Blut der Völker. Das christliche Dogma als Kodex vorgeschützt wurde bereits in der Zeit des Kolonialismus alles gefressen, was sich nicht unmittelbar unterwarf. So wurden ganze Kontinente samt ihren Naturreligionen und Weltanschauungen kannibalisiert, der christlichen Kultur unterworfen und zu guter Letzt ausgelöscht. Das wirtschaftliche Ungleichgewicht, die globale Umweltproblematik und das Fehlen sind sicher nicht nur der westlichen Welt zuzuschreiben, fanden hier jedoch ihren Ursprung und stützen bis heute unseren Wohlstand, während unser Hunger auf schnellen und billigen Konsum die Ressourcen unseres Planeten ausplündert, als gäbe es kein Morgen. Kannibalismus üben wir aber eben auch an unseren nächsten Verwandten aus. Und das in bestialischer Präzision. Im Räderwerk der modernen Tötungsmaschinen sterben für die menschliche Gier auf Fleisch und Kosmetik täglich Millionen von Existenzen einen qualvollen Tod. Zu gerne schließen wir unsere Augen vor dieser alltäglichen Form des Kannibalismus. Zu gerne reduzieren wir Tiere auf eine niedere Stufe, klassifizieren so Leben in Kasten. Das Tier als Sache, der Mensch als Individuum – um unser eigenes Gewissen angesichts der blutigen Wahrheit zu beruhigen.

Wann gibt es von Euch denn ein ganzes neues Album zu hören, arbeitet Ihr vielleicht schon dran?
Das nächste Album ist schon fast fertig und wird „Ritual“ heißen. Trotzdem geht es jetzt erst mal mit der EP im Gepäck auf Tournee. Wir haben dieses Jahr noch knapp 40 Konzerte, die uns bis ins tiefste Russland führen.

In der Gothic-Szene ist Schminken ja sicher auch ein wichtiges Thema. In wie fern hat sich in der Szene schon ein Bewusstsein für tierversuchsfreie Schminke entwickelt?

Es gibt schon sehr, sehr viele Gothics, die tierversuchsfreie Schminke verwenden. Das tun wir in den Band seit Anfang an und haben manches Mal auch schon Zigarettenasche und ähnliches verwendet. Zum Beispiel ist das beste Haarspray aller Zeiten von Spinnrad – ein Haarspray zum selber mischen. Es gibt ja auch glücklicherweise die entsprechenden Positivlisten im Netz, die immer wieder geupdatet werden.

Neben DAS ICH sind ja auch das Label Danse Macabre sowie das Magazin Negatief von Dir betrieben. Wie findest Du eigentlich Zeit, so viele Dinge gleichzeitig zu machen? Und in wie fern hast Du a) bei Danse Macabre neben DAS ICH weitere tierrechtsaffine Bands gesingt und in wie fern bietet Dir b) NEGAtief den Raum, Tierrechte zu promoten?
Na ja, es ist schon eine Menge Arbeit. Aber diese Arbeit erfüllt mich. Und ich habe tolle Mitarbeiter. Ich freue mich jetzt besonders über die gemeinsame Kampagne mit PETA, wir natürlich auch im NEGAtief unterstützen. Eine meiner tierrechtsaffinen Bands sind jene Industrialrockkünstler aus der Schweiz, die das ja bereits im Namen mitführen. Die METALLSPÜRHUNDE haben sich nach den Minenspürhunden benannt und haben bereits einige Songs mit diesem Themenhintergrund geschrieben. Sind ebenfalls Vegetarier. Spontan fällt mir noch mein finnisches Neusigning BEATI MORTURI ein, welche allesamt Vegetarier sind. Die Frontfrau der Band ist eine fast schon militante Tierschützerin.

Wie stehst Du zum Tragen von Pelzen und von Leder?
Ich selbst habe Plastikmäntel und plastik Lack-Schuhe und bin immer wieder entsetzt, mit welcher Borniertheit so manches Weibchen den gestohlenen und ermordeten Pelz zur Schau trägt. Gerade in diesem Bereich kann man durch massive Provokation und dem „aus der Reserve locken“ dieser Menschen ein Umdenken erzeugen, denn bei den meisten aufgeklärten Menschen ist Pelztragen ein geächtetes Tabu. Leider nicht in Ländern wie Russland, in denen wegen des frisch erlangten Kapitalismus gerade Statussymbole eine große Rolle spielen.

Momentan läuft von PETA ja auch die „Canadians“-Kampagne – wie findest Du sie und was hältst Du von den Argumenten, die zum Beispiel die kanadische Regierung vorbringt, dass die Jagd „Tradition“ sei?
Blöder geht’s nicht. Es gab schon immer Traditionen, die es galt zu brechen, weil sie unrechtens waren. Würden wir auf Traditionen hören, dann sollten sich diese Kanadier in Goldgräberzelten von annodazumal ganz traditionell ihren Arsch abfrieren, anstelle in modernen Behausungen solchen Blödsinn von sich zu geben.

Bruno, vielen Dank für das Interview!

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