
FIRE IN THE ATTIC - Bassist Dennis im Interview mit PETA2!!
Erwähnten wir eigentlich schon, dass wir gerne rocken? Wir meinen nicht einfach nur ein bisschen rumhüpfen, sondern R-O-C-K-E-N! Nein, haben wir nicht? Wir bitten vielmals um Verzeihung und betonen es an dieser Stelle laut, offiziell und nachdrücklich: PETA2s offizieller Sommerauftrag 2008 ist zu R-O-C-K-E-N und Euch alle mit zu reißen! Da trifft es sich doch ganz gut, dass wir Euch heute eine der heißesten deutschen Bands vorstellen, die genau das tut: R-O-C-K-E-N!! FIRE IN THE ATTIC verarbeiten auf ihrem neuen Album Cum Grano Salis vielerlei moderne Einflüsse, die von Punk über Emo und Hardcore bis hin zum modernen Rock reichen. Da wippen wir doch gerne mit, und freuen uns, dass Bassist Dennis Meyer die Zeit fand, ein wenig mit uns zu quatschen. Neben seiner rockenden Band haben wir uns natürlich noch für zwei andere Sachen interessiert: erstens, warum seine Band ihr neues Album via des VISIONS-Magazins veröffentlichte. Zweitens, wie sich Dennis fleischfreies Leben so anfühlt, schließlich ist er seit zwölf Jahren Vegetarier.

Hi Dennis, erst einmal vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, um uns ein paar Fragen zu beantworten. Du lebst ja fleischfrei wie lange schon, und wie kam es dazu?
Bei mir gab es in den 90ern eine Phase, in der sehr viele meiner Freunde Veganer waren und mit denen ich sehr viel über dieses Thema gesprochen habe. Ich selber habe mich dann aber seltsamerweise erst dafür entschieden, fleischfrei zu leben, als viele meiner damaligen Freunde ihr Interesse für Punk und Hardcore und damit auch ihren Veganismus an den Nagel hingen und zum Teil nahtlos wieder zur Ernährung mit Fleisch übergingen. Vegetarimus ist aber bei mir hängen geblieben, da ich das nie als durch die Szene geprägt ansah, sondern es für mich eine persönliche Entscheidung war, kein Fleisch mehr zu essen. Mittlerweile lebe ich seit knapp zwölf Jahren vegetarisch. Mein Bruder Richard, der auch FIRE IN THE ATTIC spielt, ist samt einer kurzen Unterbrechung seit fünf oder sechs Jahren Vegetarier.
Denkst Du, dass Tierrechte ein Thema sind, was immer für die Punk- und Hardcore-Szene wichtig sein wird, unabhängig davon, welche Trends und Bewegungen es gerade in der Szene gibt?
Bei uns in der Band hat da jeder einen unterschiedlichen persönlichen Bezug zu eben jener Szene, wobei wir uns natürlich auch in diesem Umfeld bewegen. Ich zum Beispiel finde, dass Veganismus und Tierrechte in der Szene durchaus noch ein Thema sind, was ja dadurch deutlich wird, dass es innerhalb jeder Größenordnung Bands oder Bandmember gibt, die sich vegetarisch oder vegan ernähren. Populärstes Beispiel sind da sicher RISE AGAINST oder, soweit ich weiß, auch der Schlagzeuger von FALL OUT BOY. Ein Problem, das ich da allerdings sehe, ist, dass es immer wieder Leute gibt, die Veganer oder Vegetarier sind, weil es eben dazugehört. Sobald sie sich von der Musik abwenden, interessieren sie sich auch nicht mehr für Tierrechte. Das ist schade, denn auch wenn es in der Szene viele Veganer/Vegetarier gibt, ist es ja doch eine persönliche Entscheidung, die letztendlich nichts mit irgendeiner Musikrichtung oder Szene zu tun hat.
Was ist eigentlich Dein Lieblingsgericht?
Mein Mitbewohner Christoph ist ein großartiger vegetarischer Koch, ich schnorre mich eigentlich viel zu oft bei ihm durch und koche daher selber eigentlich viel zu wenig. Allerdings bin ich ein großer Fan von dem Möhrencurry aus dem Ox-Kochbuch, zusätzlich werfe ich da übrigens immer noch kleine Sojabrocken mit rein. Das kam auch bei meinen Nicht-Vegetarischen Bandkollegen eigentlich ganz gut an. Für den Sommer empfehle ich die italienische Küche: Pastagerichte im Allgemeinen und die großartige Gazpacho meines Mitbewohners.
Manchmal wird ja das Argument gemacht, es sei ungesund, sich vegetarisch zu ernähren? Wurdest Du auch schon damit konfrontiert?
Ja, klar, das habe ich auch schon gehört. Meistens sage ich diesen Leuten, dass ich in den letzten 12 Jahren so gut wie nie krank war, mein Gewicht immer in Ordnung war und ich auch sonst keine Einschränkungen oder Mangelerscheinungen habe. Außerdem hat sich das auch ein wenig geändert. Viel häufiger bekomme ich Das könnte ich nicht zu hören, was eigentlich albern ist. Aber ich lege da mehr Wert auf ein friedliches Miteinander als auf die ständige Konfrontation. Daher ist es auch überhaupt kein Problem, dass Vegetarier und Nicht-Vegetarier in der Band sind, da respektiert jeder den anderen.

Wie schätzt Du den gegenwärtigen Trend zu einer biologischen Ernährung ein? Denkst Du, dass der Bio-Vormarsch viele Menschen dazu bringen wird, sich auch vegetarisch zu ernähren?
Meiner Meinung nach ist für viele Menschen Bio nicht gleich vegetarisch. Dennoch finde ich diese Entwicklung nicht schlecht, weil sie Menschen dazu bewegt, sich wenigstens Gedanken um die Ernährung machen. Ich könnte mir auch vorstellen, dass einige über Bio auch zum Vegetarismus gefunden haben. Außerdem finde ich es von Vorteil, im normalen Supermarkt vermehrt vegetarische oder sogar vegane Lebensmittel zu finden, was ja hierzulande lange nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit war.
Cum Grano Salis, Euer neues Album, erschien ja nicht nur regulär im Handel, sondern es lag auch dem Visions-Magazin bei. Wie seid Ihr darauf gekommen, einen solch innovativen Weg der Albumveröffentlichung zu wählen? War Euch von vornherein klar, dass Ihr mit Eurem neuen Album angesichts der Veränderungen in der Musikbranche einen neuen Veröffentlichungsweg beschreiten müsst?
Das Ganze war eine Idee von Redfield Records, unserem Label, und wir waren davon direkt begeistert. Uns allen war klar, dass man heutzutage einfach neue Wege einschlagen muss und dass man vor allem einfach mal austesten muss, welche Wege sich da anbieten und was uns als Band einen Schritt nach vorn bringt. Das Album war zu dem Zeitpunkt, als die Entscheidung fiel, schon fertig, wurde also nicht speziell dafür geschrieben.
Wenn Du Cum Grano Salis von seinen Vorgänger-Alben abgrenzen müsstest, wie würdest Du das tun?
Wenn man alle unsere Alben miteinander vergleicht, merkt man schnell, dass wir uns stetig weiter entwickelt haben und das ist auch einer der wichtigsten Aspekt für uns. Der Schritt von "Crush /Rebuild" war schon relativ groß, wahrscheinlich größer als zu "Cum Grano Salis". Natürlich spiegeln sich in den Alben immer unsere persönlichen Vorlieben wieder, wir versuchen da nicht irgendwelchen Trends hinterher zu laufen. Ich denke, gerade textlich haben wir uns sehr weiterentwickelt. Über die Jahre gesehen könnte man FIRE IN THE ATTIC vielleicht mit einem Kind vergleichen, das die Welt für sich entdeckt. Wir lernen eben auch dazu und haben uns als Menschen und Musiker und damit auch als Band weiterentwickelt. Das spiegelt sich natürlich auch in der Musik wieder.
Mancherorts wurde im Vorfeld der Veröffentlichung von Cum Grano Salis ja schon heftig diskutiert, wie man die Veröffentlichung via VISIONS interpretieren sollte, ob als Sellout oder was auch immer.
Gebt Ihr viel auf solche Diskussionen?
Die meisten von denen, die uns oder der VISIONS jetzt den Ausverkauf vorwerfen, hätten uns das so oder so vorgeworfen, oder sich eben andere Gründe gesucht. Letztendlich ist es ja so, dass jede Band selber entscheiden kann, was sie mit ihrer Musik macht oder mit sich selbst vereinbaren kann.
Seht Ihr es denn kommen, dass es Euch viele nach machen werden, Alben auf diese Art zu veröffentlichen
Dass sich diese Art der Veröffentlichungen jetzt häufen werden glaube ich nicht, denn wenn jetzt jeden Monat in jeder Zeitschrift ein Album beiläge, würde dies nach kurzer Zeit auch niemanden mehr interessieren. Es ist einfach als Idee und Denkanstoss gedacht, um zu zeigen, dass es auch noch andere Möglichkeiten gibt, die man eben mal in Betracht ziehen sollte. Wie geht es jetzt für Euch weiter, könnt Ihr Euch vorstellen, zukünftige Alben wieder ganz normal zu veröffentlichen? Für das nächste Album kann ich noch keine Voraussagen machen, ich hoffe nur, dass wir möglichst bald mit den Arbeiten daran beginnen können. Auch würde ich einen ausgefallenen Vertriebsweg durchaus wieder bevorzugen, was aber genau dann passieren wird, kann ich nicht sagen. Vorerst werden wir natürlich in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs sein, in Italien waren wir gerade über Ostern. Andere Länder sind gerade ein wenig in Planung, aber auch da müssen wir erst einmal abwarten.
Dennis, Vielen Dank Dir für Deine Zeit und Deine Antworten! Hast Du noch letzte Worte an unsere User?
Tofu ist Liebe! ;)
Fotos: Katja Kuhl


