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Tiere essen? Ein Plädoyer für Vegetarismus

Jonathan Safran Foer ist kein unbeschriebenes Peta-Blatt. In einem exklusiven Interview bezog er schon 2006 klare Stellung gegen Massentierhaltung und koscheres Schlachten. Nun hat er mit "Tiere essen" ein bewegendes, ein persönliches Sachbuch geschrieben, das nicht anders kann, als die Gesellschaft zu verändern.

Jonathan Safran Foers Romane

Der Geschichtenerzähler

Jonathan Safran Foer schreibt Geschichten. Feinsinnige, meist traurige Geschichten. In seinem ersten Roman „Alles ist erleuchtet“ (verfilmt mit dem vegetarischen Elija Wood in der Hauptrolle) erzählte er ein bisschen fiktional einen Teil seiner eigenen: Eine (durch seine vegetarische Ernährung etwas erschwerte) Spurensuche durch die Ukraine nach der vom Holocaust geprägten Familiengeschichte. In seinem zweiten Buch "Extrem laut und unglaublich nah" erzählt er die Geschichte des kleinen Oskar – neunjähriger Veganer und Sohn eines Vaters, der bei einem weltbewegenden Attentat stirbt und auf dessen Spurensuche durch New York Oskar sich begibt.
In 36 Sprachen wurden Foers Geschichten bisher übersetzt. Er ist ein internationaler jüdischer Bestseller-Autor, verheiratet mit der internationalen jüdischen Bestseller-Autorin Nicole Krauss (zum Beispiel "Geschichte der Liebe") und als er und Krauss Eltern werden, beginnt diese Geschichte: Foer überlegt sich, was er seinem Sohn zu essen geben soll. Und macht sich wieder auf Spurensuche.

Jonathan Safran Foer. © Jerry Bauer

Dabei stößt er oft auf verschlossene Türen und wortkarge Institutionen und Firmen. Trotzdem gelingt es ihm immer wieder, die persönliche Warte aus zu dokumentieren. Er erzählt von seinem eigenen Dilemma, als ihm Schinken angeboten wird, den er nicht essen möchte, weil er nur Minuten zuvor gesehen hat, wie Artgenossen des toten Schweines, das vor ihm auf dem Teller liegt, geschlachtet worden sind – gleichzeitig fällt es ihm aber schwer, die freundlichen Farmer, die ihm den Schinken anbieten vor den Kopf zu stoßen. Er lässt eine vegetarische Viehzüchterin über ihren Job und ihre Werte erzählen, genau wie Bruce Friedrich, der Vizepräsident von PETA in den USA über seine Sicht der Dinge. Eine Aktivistin, die beim nächtlichen Einstieg einer Massentierfabrik (in den USA stammen 99% des Fleischkonsums aus Massentierhaltung - in Deutschland 98%) in Foers Gegenwart einem krepierenden Putenküken einen schnellen Tod schenkt, kommt zu Wort und ein Schlachthof-Mitarbeiter, frustriert von seiner Hilflosigkeit, erzählt von einer Kuh, der im Schlachtgang stehend das Kalb heraushängt, das sie gerade dort gebiert.

Neben den persönlichen Berichten und Eindrücken ist "Tiere essen" detailliert recherchiertes, journalistisches Sachbuch, das Zahlen und Auskünfte gibt, die selbst für informierte Aktivisten interessant sein dürften.

Foer behauptet in seinem Vorwort, kein Plädoyer für den Vegetarismus geschrieben zu haben – und doch ist es genau das: Es ist ein Überzeugen durch Fakten und Gefühl, ein Ans-Herz-Legen, aber auch ein gegenseitiges Versöhnen; wenn man nach einem radikalen Manifest oder dem erhobenen Zeigefinger sucht, wird man nicht fündig; kein Fleischesser findet sich hier verurteilt. Trotzdem wird man dieses Buch nicht lesen können, ohne sein Verhalten und Ernährungsgewohnheiten in Frage zu stellen.





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