alttext

Heidi Minx - Tue Gutes mit Punkrock Domestics

Heidi Minx kennt keine Ruhe. Sei es eine Schule in Indien, die sie gerade mit Hilfe ihrer Initiative Built on Respect und zusammen mit tibetischen Flüchtlingen aufbaut oder, Shows buchen in New York, eine Klamottenfirma und jetzt ihr Buch Punkrock Domestics. Hätte der Tag 48 Stunden, es wäre immer noch zu wenig für Heidi.



Heidi Minx in Tibet

Nachdem sie in den letzten Jahren die Werbetrommel für ihre Initiative BUILT ON RESPECT getrommelt hat, soll nun ein Buch erscheinen. "Punkrock Domestics startete 2005. Ursprünglich ging es darum, alle möglichen Tipps zu Einrichtung, Rezepten und Kleidung, etc. zu machen, z.b. wie presse ich meine Shirts selbst, wie entwerfe icch bestimmte Einrichtungsgegenstände selbst ohne dafür viel Geld auszugeben, etc.. Einfach ein Forum, wo sich Leute aus der Punkszene Tipps und Inspiration für Kreativität holen können. Irgendwann wurde es aber immer konkreter, so dass mich immer mehr Leute pushten, das ganze auch als Buch raus zu bringen."

Neben den Sektionen Home und Fashion gibt es auch eine Abteilung zu vegetarischen/veganen Rezepten. Da Heidi mittlerweile mehr als bekannt ist in der Hardcore/Punk Szene, wollte sie, dass vor allem bekannte Musiker deren Lieblingsrezepte im Buch verewigen. So findet man dann neben den die kulinarischen Spezialitäten von Roger Miret von AGNOSTIC FRONT auch das Lieblingsrezept John Joseph/CRO-MAGS oder Freddy Crizien von MADBALL, u.a. auch Rezepte von Bands wie FLOGGING MOLLY, BOUNCING SOULS u.s.w. Schwer war es überhaupt nicht an die Rezepte zu kommen auch wenn einige über Umwege in das Buch gelangten.



Heidis neues Buch

"Roger Miret sendete mir sein kubanisches Bohnen Rezept direkt aus dem Tourvan über das Handy, als er gerade unterwegs war. Von Freddy MADBALL gibt's ebenfalls ein leckeres Bohnen Rezept, Lou von SICK OF IT ALL hingegen sendete mir ein relativ einfaches, aber sehr leckeres Sandwich Rezept. All diese Leute, die schon so lange in der Szene unterwegs sind, waren total begeistert davon, mir ihre Rezepte zu senden."

Das Besondere an dem Buch ist, dass nicht alle der Beteiligten überzeugte Vegetarier sind, aber trotzdem ein vegetarisches Rezept spendeten, wie z.B. Roger Miret. Ganz wichtig ist ihr beim Thema Ernährung Toleranz. "Ich persönlich mag es überhaupt nicht, wenn Leute mir ihre Meinung, sei es zu Themen wie Religion oder Ernährung, aufzwingen wollen. Ich denke, dass es eine rein persönliche Entscheidung sein sollte, wie man sich ernähren will. Ich selbst war immer wieder on-off Fleischesserin seit dem ich 15 bin. Oft hatte es auch mit Beziehungen zu tun. Mittlerweile koche immer vegetarisch und wenn mein Freund zu mir sagen würde, schon wieder Gemüse, dann sage ich, Ey, mach was du damit willst und pack dein Steak drauf, aber ich esse es nicht. So halte ich es damit."

In der Punkrock Szene scheint es sich vor allem unter den älteren Veteranen der Szene immer mehr der Trend in Richtung fleischloser Ernährung abzuzeichnen. Der Buchautor und Ex-Sänger der CRO MAGS, John Joseph, mit seinen mittlerweile 47 Jahren ist da nur ein Beispiel. Wie kam es be ihr dazu? "Ich fing mit dem Vegetarismus an, um meine Eltern anzupissen, weil es einfach Anti und Mainstream war. Mittlerweile sind es aber auch immer mehr gesundheitliche Gründe, die für mich zählen, kein Fleisch mehr zu essen. Ich kenne viele Leute aus der Szene, die in ihrem Mittdreißigern stecken und sich mittlerweile fast vegetarisch ernähren, da es einfacher ist, ein paar Pfunde zu verlieren. "



Heidis eindrucksvolles Backpiece.


Vor allem in der Großstadt New York zeigt sich, dass dieser Trend über die Szene hinaus geht. An jeder Ecke gibt es ein vegetarisches Restaurant, in den Supermärkten gibt es mittlerweile immer mehr Tofuzeug. Ein neuer Boom im Land der Hamburger-Liebhaber? "Hell Yeah. In Amerika gibt es mittlerweile in fast jeden Restaurant ein vegetarisches Gericht. Das hat auch viel damit zu tun, dass unsere Regierung in den letzten Jahren das Thema Überfettung sehr stark angegangen ist. Low calorie ist heute mittlerweile Standard. Ich lebe im East Village in New York und hier ist fast jedes Restaurant vegetarisch. Ich muss nur vor die Tür gehen und kann auswählen, wo ich essen will. Es ist einfacher als einfach, sich hier vegetarisch zu ernähren. Veggieburger, Veggie Chicken Nuggets, mittlerweile dominiert es schon fast die anderen Küchen."

Neben den gesundheitlichen Gründen kommt hinzu, dass Heidi überzeugte Buddhistin ist und daher auch ethische Gründe hat-- Stichwort Gewaltverzicht.

"Fleisch brauche ich nicht um am Leben zu bleiben, ich will keine Tiere töten um ein schlechtes Karma haben. Ich will nicht, dass irgendwann jemand ein Sandwich aus mir macht im nächsten Leben."
Wollen wir es hoffen. Bei so viel Gutem wird das Personal bei Karma Incorporated sicherlich leicht zu überzeugen sein, dass Heidi kein Sandwich wird.

Das Buch Punkrock Domestics ist für den einen oder anderen Fan sicherlich eine interessante Lektüre, die eure Lieblingsmusiker mal von einer ganz anderen Seite zeigt.

Text & Interview: Raoul Festante



Teilen und weitersagen