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„MEAT IS FOR PUSSIES“

John Joseph sieht nicht gerade aus wie ein Musterknabe. Möchte er auch nicht. Den Körper bis zu den Händen mit Tattoos abgedichtet, den fixierenden Blick eines Cagefighters könnte die ahnungslose Mutti im Supermarkt ihn schnell in die Kiste des stumpfsinnigen Schlägertypen werfen. Da wäre allerdings die Sache mit seinem Einkaufskorb, der durchweg wohl mehr vegane BIO-Produkte als der ihre enthalten würde.



John und seine Tattoos. (Copyright: Isabel Winarsch)

Und die Sache mit seinem Buch. „FLEISCH IST FÜR WEICHEIER“.

Wie jetzt? Verwirrung perfekt.

Scheint also doch mehr hinter der Fassade zu stecken, als Mutti denkt. Oder wie der Ami sagt: Never judge a book by its cover.

Warum gerade die Idee ein Buch über Vegetarismus und Fitness zu schreiben? Das liegt für den überzeugten Vegetarier und Sportler nicht nur daran, dass er gerne ein paar vegetarische Kochrezepte veröffentlichen wollte, sondern auch, weil er überzeugt ist, dass die vegane/vegetarische Lebensweise sowohl gesellschaftliche als auch gesundheitliche Relevanz hat.

"Ich fand es einfach wichtig, ein paar Facts zu vermitteln über die Ursachen von Krankheiten im Zusammenhang mit Fleischkonsum und die falschen Informationen, die von Pharmaunternehmen und der Fleischlobby verbreitet werden."

Seit 28 Jahren ist der fast 47jährige Buchautor, Triathlet, bekennende Anhänger der Hare Krischna Philosophie und Sänger der legendären Cro-Mags, einer der einflussreichsten New York Hardcore Bands, nun schon überzeugter Vegetarier. Und wie könnte es anders sein für einen solchen ungewöhnlichen Typen bekam der den ersten Input Anfang der 80er von den damaligen, ausschließlich aus schwarzen Musikern zusammengesetzten Rastafari Punkband Bad Brains, allesamt strenge Vegetarier. “Ich hing viel mit den Jungs herum, und die predigten immer zu mir: Ey Mann, du musst dich auf diesem Planeten wie ein Prinz des Friedens bewegen und kein Leid verursachen, Bruder.“ Viel Chaos hatte er bis zu jener schicksalhaften Begegnung mit der Band bereits erlebt, als Obdachloser in New York in Pappkisten übernachtet und sein Geld schon mit 14 Jahren als Dealer gemacht. Und nicht selten hat er erlebt, wie einige seiner Freunde von der Straße an Drogen gestorben sind oder aufgrund schlechter Ernährung an Krebs erkrankt sind.



John Joseph im Interview. (Copyright: Isabel Winarsch)

Vor allem in Fitnessstudios spuken immer noch viele falsche Mythen herum, die er in seinem Buch widerlegen will.

"Ich kenne viele Leute die vor 20 Jahren mit dem Pumpen angefangen und sich tonnenweise Proteine rein gefahren haben, und schau sie dir heute an. Alle fett, nicht selten sogar dauerhaft krank. Ich kann noch alles machen, trainiere für den Triathlon, kann einen aktiven Lifestyle leben."

Und so kommen in seinem Buch "MEAT IS FOR PUSSIES", zu Deutsch "FLEISCH IST FÜR WEICHEIER" viele namhafte Sportler zu Wort, neben Ultimate Fighting Kampfsportler wie Mac Danzig über den veganen Bodybuilding Champ Robert Cheeke bis zum Triathlet Brendan Brazier, allesamt überzeugte Veganer., die das Klischee des unterernährten und bleichen Vegetariers/Veganers widerlegen sollen. Denn das ärgert ihn am meisten.

„Typen denken immer, ich muss Fleisch essen, das macht mich zu einem echten Kerl. Alles Bullshit. Fleisch macht dich nicht zu einem Mann, Fleisch macht dich zu einem Weichei, weil du die Umwelt dadurch zerstörst. Und wenn du dann 40 oder 45 Jahre alt bist, machst du nicht das, was ich mache. Ich trainiere gerade für den Iron-Man, weil ich auf mich geachtet habe. Du wirst zum Arzt rennen müssen, weil sie dir die Polypen aus deinem Arsch entfernen müssen.“



John Joseph im PETA2-Shirt. Der Mann hat Geschmack. (Copyright: Britta Oelschläger)

Es geht ihm letztendlich aber um mehr als nur Fitness und gut aussehen.

„Mein Ziel mit dem Buch ist, die ganze Industrie anzugreifen, die den Tieren Leid zufügt, sei es die Fleischindustrie oder auch die ganzen Tierversuche. Natürlich geht es auch um Konzerne wie Monsanto, die versuchen, die Kontrolle über Nahrungsmittel zu bekommen. Ich denke, jeder sollte darüber informiert werden, was diese Leute vor haben und was wir durch unsere Ernährung verursachen bzw. ändern können.“

Zur Zeit tourt der Mann in diesem Jahr nun schon zum zweiten Mal durch Europa und hat gerade eine neue Scheibe mit seiner neuen Band BLOODCLOT herausgebracht. Von Müdigkeit keine Spur. Ob es an der Ernährung liegt oder an der Einstellung?

„Ich versuche einfach alles was ich tue und esse zu Gott zu opfern, dass ist für mich der Weg mein Leben sinnvoll zu gestalten.“

Kann sich Mutti also noch einiges von abgucken, oder?


Interview & Text: Raoul Festante



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