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LOCKJAW - Die deutsche Emocore-Hoffnung im Interview!

Sie sind eine feste Größe im anspruchsvollen deutschen Emocore, sie tourten mit so verschiedenen Bands wie Samiam, International Noise Conspiracy und Kettcar, und At The Drive-In schliefen früher in ihrem Wohnzimmer. Lockjaw aus Solingen haben als fleißige Bienchen bis heute nicht den Durchbruch, den sie verdienen, machen mehr denn je alles selbst und schenken uns mit dem selbstbetitelten dritten Album ein starkes Stück. Ein Gespräch mit Bassist und Vielmusiker Frederik Groborsch über das Musikgeschäft, Ethos und unmissionarischen Vegetarismus.

Wer über Lockjaw spricht, spricht immer über die Band, die mehr Erfolg verdient hätte. Seht ihr das auch so? Gibt es einen Hauch von Verbitterung?
Nein. Wir wissen, dass es schwer ist, Gehör zu finden, und wir können uns nicht beschweren. In der Presse finden wir statt und dass es schwer ist, heute noch Platten zu verkaufen und live die Hütte voll zu kriegen, haben wir akzeptiert. Wir gehen es ja auch sehr gelassen an und spielen nicht 100 Konzerte im Jahr, um überall präsent zu sein.

Ihr lebt wahrscheinlich nicht von der Band, oder?
Wir haben alle studiert oder Ausbildungen gemacht oder tun das gerade. Phillip (Schlemper, Gitarrist) ist Mediziner, Marius (Goetze, Drums) Grafikdesigner. Ich habe evangelische Theologie und Deutsch auf Lehramt studiert, lebe aber momentan von der Musik, weil ich auch produziere oder bei anderen mitspiele, so etwa bei der Tour von Emirsian. Wir erlauben uns eine lockere Herangehensweise. Große Labels wollen, dass man im Jahr 200 Mal auf der Bühne steht, aber das haut einfach nicht hin.

Daran ist wohl auch der Deal mit einem großen Label gescheitert, so dass ihr weiterhin bei eurem Indie-Stammlabel Consolidate veröffentlicht. Wollte euch wirklich ein Major?
Ja, schon. Wir hätten das auch gemacht, wenn es hätte sein sollen. Es ist ja nicht so, dass wir nicht nach vorne sehen, wachsen und uns neue Ziele setzen wollen.

Viele Hardcore-Bands bleiben aus Prinzip bei den kleinen Firmen oder sehen für sich andere Grenzen, die sie nicht überschreiten wollen. Habt ihr gewisse ethische Punkte, die unverhandelbar sind.
Da fällt mir nur ein, dass wir alle Vegetarier sind, Felix (Knappertsbusch, Gitarre) sogar Veganer. Wir würden niemals Werbung für McDonalds machen. Das ist das einzige, was wir jemals fest verabredeten.

Seit wann bist du Vegetarier?

Seit 15 Jahren, also seit meinem 12. Lebensjahr.

Das ist früh!
Es war keine politische Entscheidung. Es hatte mir ohnehin nie richtig geschmeckt, ich bemerkte, dass ich darauf verzichten kann und zudem hielt ich es für unnötig, dass für mich Tiere sterben.

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Gekonnter Indierock: LOCKJAW.


Wie haben deine Eltern reagiert, als du ihnen das mit 12 aufgetischt hast?
Die fanden das echt okay. In der Familie wurde wenig Fleisch gegessen, mein Bruder war eine Zeit lang Vegetarier, es schockte niemanden.

Dann hast du recht alternative Eltern?

Sie sind schon bürgerlich, aber nicht auf diese stumpfe Art. Es findet ein intellektueller Austausch statt.

Mögen sie eure Musik?

Sie hören sich Lockjaw durchaus an, ja, lediglich die Konzerte sind ihnen zu laut. Mein Vater spielt Klarinette, meine Mutter Klavier und Gitarre. Ich glaube, mein Papa wäre heimlich gerne selber Rockmusiker und mit Bands unterwegs gewesen.

Gerade im Punk- und Hardcore-Bereich gehört es heute zum guten Ton, für Tierrechte einzutreten. Rise Against drehen ein Video wie ?Ready To Fall?, das aufgrund seiner Drastik nicht auf MTV gespielt wird, Good Riddance legen ganze Filme bei. Begrüßt du diese Entwicklungen?
Ich respektiere das Engagement, finde aber ganz ehrlich, dass ein vegetarischer Lebenswandel nichts ist, mit dem man allzu missionarisch umgehen sollte. Ich habe es noch nie als cool empfunden, wenn derart damit nach vorne gegangen wurde, dass ich mich auf Konzerten oder Veranstaltungen bevormundet und belehrt fühlte. Gerade die Vegan Straight Edge-Szene hat da Blüten getrieben, die man belächeln darf.

Machst du denn auch Unterschiede bei den verschiedenen Radikalitätsgraden des Tierschutzes?

Die Tierschutzbewegung ist ohne Frage ein Muss, und ich finde auch die Aktionen von PETA cool, weiß aber, dass sie draußen nicht als cool, sondern als recht aggressiv wahrgenommen werden. Im besten Falle tragen sie zum Nachdenken bei. Dabei sind besonders die ökologischen Gründe für Tierschutz hörenswert, die in der allgemeinen Wahrnehmung völlig unter den Tisch fallen. In der Ansprache an den Normalbürger sollte man diesen ökologischen Beipackzettel immer mitkommunizieren. Ansonsten halte ich es so, dass ich niemanden bekehre. Jeder, wie er mag.

Was uns noch mal zu eurer Band zurück bringt. Die kehrt das Verhältnis von Text und Musik ein wenig um. Wo viele Bands sehr eingängige Songs verwenden, um agitatorische Texte loszuwerden, spielt ihr einen fordernden, schrägen Sound zu Texten, die eher persönlich als politisch sind.
Ich denke, dass Tobi (Clauberg, Gesang) einige Texte schon gesellschaftskritisch angelegt hat, aber es ist schon richtig, dass wir keine politische Band sind. Wir haben auch nie eine klar umrissene Szene bedient, wobei es ?Szene? ja generell heute nicht mehr gibt. Wir haben damals in Solingen noch selber die Konzerte von At The Drive-In veranstaltet, Tobi ist ganz gut mit den Leuten befreundet. Sie schliefen bei uns im Studio oder im Wohnzimmer. Auch die CD-Bauchläden bei Konzerten, bei denen man CDs von Münchener Bands bekam, die es in keinem deutschlandweiten Laden gab, die ganzen alternativen Strukturen ? das ist sehr stark dem Kommerz anheim gefallen, was ich aber auch verstehen kann. Es ist okay, wenn die Bands von ihrer Musik leben wollen.

Bis auf wenige sehr eingängige Ausnahmen wie ?Black Into Red? sind auch die Songs eurer neuen Platte so gestaltet, dass die Melodie an sich zur Nebensache wird, die sich in einem Sturm aus hektischem, raffinierten Gehuddel an dich ranschleicht. Ist das Konzept oder Intuition?
Das einzige Konzept, das wir haben, besteht darin, dass wir die klassische Rollenverteilung von Lead- und Rhythmusgitarre vollkommen aufgelöst haben. Dadurch entsteht dieses ?Gehuddel?, wie du sagst und das inszenieren Phillip und Felix schon sehr ausgeklügelt. Ansonsten haben wir uns um eine direkte, schnelle Aufnahme und das Weglassen von allem Unnötigen bemüht. Nicht nur die Aufnahme haben wir zudem selber gemacht, auch das Artwork. Wir sind dazu gezwungen, nahezu nichts mehr an Dritte rauszugeben, wenn wir als Band überleben wollen. An Platten verdient man nichts, nur an Konzerten, und die sind bei uns immer wieder von neuem überraschend. Kommen 400 oder 40 Leute? Man weiß es nicht. Das, was wir hier gerade machen, das klassische Interview- und Presseding, das ist schön, hilft aber in diesen Dingen überhaupt nicht weiter.

Was ist die Alternative?

Die Supporters-Idee der Einstürzenden Neubauten, die ihre Aufnahmen von einem harten Kern online vernetzter Fans vorfinanzieren lassen, die dann danach exklusive Versionen des Werkes bekommen: Das ist ein innovativer Lichtblick! So etwas könnte auch für uns ein Modell für die Zukunft sein.

Ihr selbst habt euch aber auch zumindest künstlerische Alternativen geschaffen...
Ja, ich habe wie gesagt bei der Tour von Emirsian mitgespielt, dem ruhigen Soloprojekt des Harmful-Sängers. Außerdem habe ich die International Friendship Society veröffentlicht, ein Projekt, für das ich mit Sakiyo ? der Frau des Gitarristen von Envy ? über sieben Jahre Sounds ausgetauscht habe. Ich habe sie in den 90ern kennen gelernt, als ich mit meiner alten Band Leary in Japan mit Envy auf Tour war. Marius und Philipp toben sich nebenher mit Sport aus, nicht der Indie-Band von den Kante-Leuten, sondern einer simplen Hardcore-Band, ein Spaßding. Tobi hat mal einen Ausflug zu Tube & Berger gemacht, einem House-Duo aus Solingen.

Das klingt alle sehr überlegt und gediegen, als sei Zorn ? trotz des Labels ?Hardcore? überhaupt kein Antrieb für euch.
Ist er auch kaum. Wir gehen in der Tat recht besonnen an jede Musik heran, weil sie für uns eine Möglichkeit ist, sich besser zu fühlen.

Oliver Uschmann


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Das atkuelle Album von LOCKJAW.

Lockjaws dritte ist ein Grower. Eine Pflanze, die man mit Aufmerksamkeit gießen muss, damit sie wächst und gedeiht. Nur wenige Songs gehen sofort beim ersten Durchgang ins Ohr und zeigen das Talent der Solinger für eine harte Indierock/Hardcore-Mischung, die zugleich so melodisch und euphorisch rüberkommt, dass strubbelige Männer dazu in romantischen Komödien auf dem Moped ihrer flüchtenden Frau durch den Verkehr von San Francisco nachrasen könnten. Das Gros der Songs allerdings ist vertrackt und schlägt Haken als träfen sich At The Drive-In, Quicksand und Thursday zum Squash. Am Ende kippen sie aber genug Zucker drüber, um es genießbar zu halten. Eine Gewächs, bei der man getrost auffordern darf, einmal die heimische Fauna zu unterstützen.







Dich interessiert, warum Thomas D., Kool Savas, Morrissey, Eva Briegel von JULI, Mike Ness von SOCIAL DISTORTION, Andy von CALIBAN und die Jungs von RISE AGAINST überzeugte Vegetarier sind? Warum sich MY CHEMICAL ROMANCE und Ben von BILLY TALENT Gedanken über Tierrechte machen? Warum sich P!nk für die Tiere einsetzt und AS I LAY DYING gegen Pelze sind? Dann check doch mal unsere FAQS zu den Themen Vegetarismus, Pelze und Tierrechte. Leckere vegetarische Rezepte findest Du hier. Wenn Du weitere Fragen hast, schreib' uns einfach fix an: admin@peta2.de.

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