
NEAERA ? die deutsche Metalcore-Hoffnung im PETA2 Spotlight!
Wenn Ihr dachtet, dass mit CALIBAN und HEAVEN SHALL BURN das Ende der Fahnenstange in Sachen deutscher Metalcore erreicht sei, dann liegt Ihr brutal falsch! Denn schon seit 2003 sind die fünf Jungs von NEAERA aus Münster aktiv, die mit zahlreichen Shows, Touren mit z. B. CALIBAN und ihren ersten beiden Alben ?The Rising Tide Of Oblivion? und ?Let The Tempest Come? Ausnahmestatus in der europäischen Hardcore- und Metalszene erlangt haben und mittlerweile als DIE Metalcore-Hoffnung gehandelt werden. Vollkommen zu Recht, wie wir finden! Denn auch mit ihrem Drittwerk ?Armamentarium?, das am 24. August erschienen ist, hauen uns Gitarrist Tobi und seine Jungs ein energisches Bündel aus Metal und Hardcore um die Ohren, das seinesgleichen sucht. Dass Tobi neben aggressiven Riffs und seiner Vorliebe für harte Sounds aber auch ein großes Herz für Tiere hat, bewies der seit einem Jahr vegan lebende Symphat im Interview mit PETA2.

Tobi mit Avenging Animals T-Shirt.
Tobi, auf Myspace ist ein Foto online, auf dem Du ein Avenging Animals-T-Shirt trägst. Sie stehen PETA2 auch sehr nahe, welche Beziehung hast Du zu ihnen?
Ich bin mit Tobi, meinem Namensvetter, wenn Ihr so wollt, gut befreundet. Er steht ja hinter Avenging Animals und spielt auch bei DEADLOCK mit. Von ihm erhielt ich das Shirt und ich mag es sehr gerne.
Wie hast du ihn kennen gelernt und was verbindet Euch mit DEADLOCK, die ja auch große PETA2-Unterstützer sind?
Wir haben uns irgendwann einmal durch die Musik kennen gelernt und daraus hat sich eine Bandfreundschaft entwickelt, so dass wir heute regen Kontakt miteinander halten. Früher sind wir auch schon einmal mit ihnen zusammen getourt, was ein sehr schönes Erlebnis war. Deswegen freue ich mich auch besonders auf diesen Herbst, wenn wir wieder gemeinsam mit DEADLOCK auf Konzertreise gehen werden.
Sind Dir Touren wichtig?
Auf jeden Fall! Auf Tourneen bin ich richtig heiß, denn bei den Shows können wir alle unsere aufgestauten Energien raus lassen. Ganz besonders freue ich mich aber auf die Herbsttour, weil es unsere erste Headlinertour wird und wir sehen werden, in wie fern sich unsere Support-Touren für CALIBAN und die vielen Einzelshows, die wir gespielt haben, gelohnt haben.
Du lebst ja vegan. Wie lange lebst Du schon vegan und wie kam es dazu, dass Du Veganer wurdest?
Ich bin vor gut vier Jahren Vegetarier geworden, habe mich aber vor einem Jahr dazu entschlossen, Veganer zu werden. Nach der Realschule habe ich eine Lehre zum Koch gemacht, weswegen ein Umgang mit Fleisch zum festen Bestandteil meines Lehralltags gehörte. Während, insbesondere aber nach der Ausbildung habe ich mir viele Gedanken darum gemacht, ob es denn wirklich nötig ist, Fleisch zu konsumieren, da es ja sehr viele leckere Alternativen zu Fleisch gibt, die den Konsum von getöteten Tieren völlig überflüssig machen. Ziemlich schnell stand dann für mich fest, dass ich kein Fleisch mehr essen wollte. Dass ich dann vom Vegetarier zum Veganer wurde, war teilweise eine schleichende Entwicklung, teilweise auch ein bewusster Prozess. Eine schleichende Entwicklung insofern, als dass ich nach und nach einfach immer weniger Milch, Eier und Joghurt zu mir genommen habe. Und ein bewusster Prozess dann insofern, als dass ich mir irgendwann sagte: ?Hey, wenn ich Vegetarier bin, weil ich die Ausbeutung von Tieren zu Ernährungszwecken nicht unterstütze, dann kann ich auch locker noch auf das letzte Bisschen Milch und die letzten wenigen Tierprodukte, die ich noch konsumiere, verzichten, um so ganz und gar konsequent zu leben.? Diese Einsicht führte dazu, dass ich Veganer wurde.
Findest Du, dass es leicht ist, in Deutschland vegan zu leben?
Oh, definitiv! In jedem Supermarkt bekommst Du doch mittlerweile vegane Fleischersatzprodukte, so dass man seine alltäglichen Einkaufsgewohnheiten nicht mal groß umstellen muss, um vegan zu leben. Nach tierproduktfreien Produkten zu suchen, das ist mittlerweile kinderleicht.

Guitar!
Hehe, da muss ich wieder über meinen Kumpel und Namensvetter Tobi sprechen. Neben DEADLOCK und Avenging Animals betreibt er ja auch einen veganen Essenstand, mit dem er bei manchmal bei Shows dabei ist und die Leute mit veganem Essen versorgt. Er hatte neulich ein veganes Gyros mit Zaziki zubereitet, das ich extrem lecker fand. Daneben mag ich aber auch Pasta sehr gerne und bereite mir zu Hause gerne allerlei Nudelgerichte zu. Mit ein wenig Sojasahne und Zutaten wie zum Beispiel leckerem Spinat bekommt man da ja richtige Köstlichkeiten zustande. Ehrlich gesagt habe ich das Gefühl, dass ich mich fast wie jeder andere Mensch ernähre. Nur, dass ich eben auf einige Produkte verzichte.
NEAERA sind eine Band, die man der Schnittmenge aus Metal und Hardcore zu ordnen kann. In welcher der beiden Szenen ist Tierrechte ein wichtigeres Thema?
Tierrechte sind definitiv in der Hardcore-Szene ein wichtigeres Thema, als in der Metalszene. Allein schon wegen der Wichtigkeit des Straight Edge-Gedankens in der Hardcore-Szene haben sich ja schon viele Menschen in der Community mit Tierrechten auseinander gesetzt. Und dadurch, dass Tierrechte in der Szene eine solche Relevanz haben, bin ja auch ich, als ich meiner Zeit in die Hardcore-Szene kam, mit dem Thema in Berührung gekommen. In der Metalszene sind Themen wie Vegetarismus und Veganismus hingegen und leider unwichtiger. Ich meine, klar, da gab es schon immer Bands, die vegetarisch lebende Mitglieder hatten, etwa NAPALM DEATH oder CARCASS. Aber eine ähnliche Konjunktur wie im Hardcore hat das Thema dort leider nie gehabt.
Wie schätzt du den gegenwärtigen Trend zu einer ?bewussten Ernährung? ein ? denkst Du, dass der Trend zur Ernährung mit Bioprodukten dazu führen wird, dass mehr Menschen eine fleischlose Ernährung in Betracht ziehen werden? Oder denkst Du, dass für viele das Bewusstsein beim ?Bio?-Stempel aufhört und es ihnen egal sein wird, was sie essen, Hauptsache es steht ? wie auch bei ?Bio?-Fleisch ? eben ?Bio? drauf?
Leider denke ich, dass für viele das Bewusstsein tatsächlich beim ?Bio?-Stempel aufhört und die Idee einer fleischlosen Ernährung nicht unbedingt von der momentanen Mode einer ?bewussten Ernährung? profitiert. Ehrlich gesagt stehe ich dem Trend von ?Bio?-Produkten auch ein wenig skeptisch gegenüber, denn in meinen Augen ist nicht alles, was ?Bio? ist, auch gleich ?Topp?.
Das musst du erklären.
Es ist doch so, dass ?Bio?-Produkte dir als Käufer suggerieren, dass Du durch den Kauf der Produkte einen biologisch bewussten und auf Nachhaltigkeit gerichteten Umgang mit der Umwelt unterstützt. Aber wenn eine ?Bio?-Aubergine nun in Israel geerntet wird und mit einem Laster zu uns nach Münster transportiert wird, dann zehrt die durch den Transport verursachte Umweltbelastung alle Argumente für den Kauf der Aubergine auf. Deswegen bin ich nicht der größte Fan von ?Bio?-Produkten bzw. ich stehe ihnen nicht mit derselben Begeisterung gegenüber, wie viele andere Menschen es im Moment gerade tun.
Wie schätzt Du denn die derzeitige Klimawandel-Debatte ein? Siehst Du das derzeitige Klimabewusstsein und die daraus resultierenden Umweltschutzgedanken eher als Modeerscheinung, oder meinst, dass sich die Menschen tatsächlich nachhaltiger mit den Themen Klima- und Umweltschutz auseinandersetzen werden?
Das Zwiespältige an der Beliebtheit von Klimaschutz ist, dass im Moment viele Menschen laut aufschreien, weil die Medien Horrorszenarien aufgrund des Klimawandels entwerfen. Gleichzeitig sehen viele von denen, die derzeit aufschreien, nicht, dass jeder einzelne von uns in seinem eigenen Leben etwas ändern muss, um tatsächlich etwas gegen den Klimawandel zu tun. Du musst doch selber anfangen, in deinem Leben, dem Bereich, den Du beeinflussen kannst, etwas zu ändern. Einfach nur laut rumschreien, dass der Klimawandel so unglaublich schrecklich ist, das wird den Klimawandel nicht aufhalten. Wenn jeder aber seinen kleinen Beitrag leistet, dann kann man gemeinsam vielleicht wirklich etwas gegen den Klimawandel tun. Die Nötigkeit dieser Veränderungen im Kleinen sieht aber kaum jemand bzw. die meisten sind zu bequem, in ihrem eigenen Leben etwas zu ändern. Genau aus diesem Grund bin ich ja Veganer geworden, um durch eine Umstellung meiner Lebensweise einen Beitrag zur Veränderung zu leisten.

NEAERA: die komplette Band.
Nein, das Album ist eigentlich so entstanden, wie alle unseren anderen Alben auch. Sofern wir nicht auf Tour sind oder am Wochenende Shows gebucht haben, dann proben wir zwei Mal die Woche. Und bei den Proben spielen wir dann eben ein Bisschen rum und probieren diverse Sachen aus, aus denen dann nach und nach die Songs entstehen. So war es eigentlich auch bei ?Armamentatrium? und der Erfolg der Vorgängerplatte ließ uns da eigentlich weitestgehend unberührt. Wir haben ein Jahr lang in aller Ruhe und mit viel Spaß an der Sache an den Ideen gebastelt und waren dann irgendwann soweit, die Songs aufzunehmen. Die ganze Entstehung von ?Armamentarium? war daher völlig entspannt.
Du sagtest, dass Ihr in aller Ruhe an den Songs gearbeitet habt. Würdest Du sagen, dass sich das in einem besonderen Detailreichtum der Songs niederschlägt?
Ich denke ja, denn auf ?Armamentarium? gibt es meiner Ansicht nach Momente, die man entdecken muss, die sich dir nicht gleich beim ersten Hören erschließen. Zum Beispiel haben wir versucht, auf diesem Album Melodien eher dezent einzusetzen. Die Melodien, die wir aber eingesetzt haben, sollen aber auch ihre volle Wirkung entfalten und den Songs tolle Momente geben. Da das Album aber zunächst sehr hart wirkt, eben weil wenige Melodien zu hören sind, weiß ich nicht, ob man gleich beim ersten Hören die Intensität spürt, die wir mit den ausgewählten Melodien bezwecken wollen.
Schreibt Ihr Songs eher aus dem Bauch heraus, oder eher verkopft?
Auf dem Bauch heraus. Für mich muss ein Song rollen, dich als Hörer mitreißen ? dann ist er gut. Und klar, hier und da überdenken wir die Parts natürlich und doktern ein wenig an ihnen rum. Die grundsätzliche Ausrichtung eines Songs kommt aber direkt aus unseren Emotionen und ist insofern nicht verkopft und baut auch auf keinem bewussten Konzept auf.
Und was ist Dein wichtigstes Kriterium dafür, dass ein Song aufs Album kommt?
Die Livetauglichkeit! Daran entscheidet sich bei mir alles. Wenn wir ein Stück live mit Gesang, zwei Gitarren, Bass und Drums nicht genauso umsetzen können, wie auf Platte, kommt es nicht auf das Album.
Tobias, das ist ein Schlusswort! Vielen Dank für das Interview!
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