
PROMOE - Europas bester Rapper im exklusiven Talk!
Dass Hip Hop alles andere sein kann als Musik, mit der Gewalt verherrlicht, beleidigt, Frauen erniedrigt und allgemein materieller Reichtum zelebriert wird, dass haben europaweit schon zahlreiche Bands bewiesen. Und auch in Deutschland ist es kein Geheimnis, dass es Künstler gibt, deren Attitüden positiv und aufgeschlossen sind und deren Horizont weiter reicht als bis zur nächsten (verbalen) Auseinandersetzung mit Angehörigen anderer Crews. Eine der erfolgreichsten europäischen Hip Hop-Bands sind LOOPTROOP aus Schweden, deren politischer Hip Hop in der Vergangenheit sehr viele Anhänger fand und die von ihrem letzten Album ?Fort Europa? in Deutschland mehr als 10.000 Einheiten verkauften. Ihr Frontmann PROMOE ist neben LOOPTROOP auch als Solokünstler tätig und veröffentlicht Ende September sein drittes Soloalbum ?White Man?s Burden?, auf dem er in zwölf Songs Hip Hop mit Reggae, Dancehall, Ragga, Dub und einer Vielzahl anderer Stile mischt. Nicht nur seine Musik, auch die teils sehr politischen und tiefgehenden Texte des sympathischen Veganers zeichnen ihn als wohltuenden Gegenpart geläufiger Hip Hop-Musiker, die man täglich auf MTV sieht. An einem schönen Septemberabend nahm sich PROMOE die Zeit, um mit PETA2 zu sprechen. Außerdem hat PROMOE PETA2 drei Songs von seinem neuen Album zur Verfügung gestellt, die hier im exklusiven Vorabstream gehört werden können!
Du bist mit sechs Alben, drei mit LOOPTROOP und drei als PROMOE und weltweiten Touren zu einem sehr respektierten Hip Hop-Musiker geworden. Kannst Du Dich noch an die Anfangstage von LOOPTROOP bzw. deiner Musikerkarriere erinnern?
Ja (lacht)! Weißt du, was wirklich witzig ist? Wir als Band und ich als Solokünstler hatten stets dieses Selbstvertrauen darein, dass unsere Musik gut klingt, von Anfang an. Selbst von unseren ersten Demoaufnahmen dachten wir, dass sie gut klingen würden. Und wenn ich mir das heute vor Augen führe, frage ich mich, wie in aller Welt wir überhaupt den Mut aufbringen konnten, diese Songs irgendjemandem vor zu spielen. Denn, nein, sie klingen überhaupt nicht gut! 1995 begannen wir Tapes raus zu bringen und sie zu vertreiben. Damals bin ich auf einem Konzert von THE ROOTS sogar zu Black Thought (MC von THE ROOTS) gegangen und habe ihm unser Tape in die Hand gedrückt. Zu allem Überfluss sagte ich ihm auch noch: ?Hey, das musst Du Dir anhören, das ist meine Band und wir sind richtig gut?. Mensch, dafür würde ich heute im Boden versinken!
Wann war denn der Punkt erreicht, an dem LOOPTROOP für Euch zur Vollzeitbeschäftigung wurde?
Obwohl ich gerade die Situation aus 1995 beschrieb, war sie nicht der Punkt, ab dem die Band professioneller wurde. Damals begannen wir viele Shows auf Jams oder Graffiti-Veranstaltungen zu spielen, für ein Leben von der Musik reichten diese aber nicht aus. Danach brachten wir immer mehr Vinyle und EPs selber raus, bis wir 1998 schließlich einen Namen für unser Label fanden. Dies war die Geburtsstunde von David vs. Goliath, unserer eigenen Plattenfirma, wo bis heute alle LOOPTROOP- und PROMOE-Alben erschienen sind. Auch wenn wir einige von ihnen an Burning Heart Records lizenzierten. 2000 schmiss ich schließlich mein Studium, was der Zeitpunkt war, an dem die Musik nicht nur mein Leben, sondern auch meine Lebensunterhaltsquelle wurde.

Tierlieber Reimer: PROMOE!
Werden auch in Zukunft alle Eure Alben auf David vs. Goliath erscheinen, oder kannst Du Dir vorstellen LOOPTROOP- oder PROMOE-Veröffentlichungen gänzlich in die Hände eines anderen Labels zu legen?
Als wir das Label gründeten, hatten wir einen klaren D.I.Y.-Anspruch. Das Label war und ist ein Independent-Label. Unsere Vorstellung war, unsere Musik in unseren eigenen, unabhängigen Händen zu behalten, um die volle Kontrolle über unser Schaffen zu wahren. Diese Dinge selber zu tun ist schön, keine Frage. Man darf aber nicht vergessen, dass diese Arbeit auch sehr zeitintensiv ist. Und die Zeit, die ich in die Labelarbeit steckte, fehlte mir für das Schreiben von Songs, das Aufnehmen von Alben und das Proben für Touren. Deswegen habe ich mich entschieden, meine Alben zwar selber heraus zu bringen, durch den Lizenzdeal mit Burning Heart wird mir aber die Promotion- und Vertriebsarbeit abgenommen, was ich sehr angenehm finde. Um aber direkt auf deine Frage zu antworten: Früher wäre es für mich undenkbar gewesen, mein Schaffen aus der Hand zu geben. Heute denke ich, dass weder LOOPTROOP noch ich uns an derartige Vorstellungen klammern müssen. Sprich es besteht die Möglichkeit, dass wir eines Tages ein Album ohne Mitwirkung von David vs. Goliath auf einem anderen Label veröffentlichen. Es ist aber unwahrscheinlich, dass das passiert. Denn der Deal müsste uns sehr viele Freiheiten geben und die haben wir auch, wenn wir Alben via David vs. Goliath machen und dann lizenzieren. Aber wer weiß schon genau, ob in wenigen Jahren Formate wie Cds und Lps überhaupt noch gefragt sind.
Wie meinst du das?
Die Musikindustrie ist doch sehr dynamisch, legale Downloads befinden sich auf dem Vormarsch und die Downloadzahlen haben in vielen Ländern schon Relevanz für eine Erfassung eines Albums in den Charts. Daher kann ich mir vorstellen, dass in wenigen Jahren die Hauptaufgabe eines Labels darin liegt, Downloads, aber keine klassischen Formate mehr zu verkaufen.
Denkst du, dass sich daraus weitere Konsequenzen für Musiker und Plattenfirmen ergeben werden?
Es wird schwerer werden, von der Musik zu leben, weil man weniger Geld, das man nun mal zum Leben braucht, verdienen wird. Ich denke, dass beispielsweise Sponsoring eines Künstlers in Zukunft eine Rolle spielen wird. Und ehrlich gesagt fürchte ich, dass auch wir Deals machen müssen, die wir früher nicht gemacht hätten, einfach, um weiter von unserer Musik leben zu können. Sponsoring mag ich nicht, weil die Firmen, die sich Sponsoring leisten können, große, international operierende Konzerne sind, deren Geschäftspraktiken ich ablehne. Dennoch kann ich heute nicht sagen, ob ich als Musiker in Zukunft ohne finanzielle Unterstützung eines Sponsors leben kann.
Aus allem, was du bisher gesagt hast, kann man heraus lesen, dass du ein sehr unkonventioneller Hip Hop-Musiker bist, der wenig auf Image und materiellen Reichtum gibt. Auf ?White Man?s Burden? sagst du sogar wörtlich, das du kein Repräsentant eines für Gewalt und Sexismus bekannten Musikgenres sein willst. Stört es dich, wenn Hip Hop in der Öffentlichkeit als ein solches Musikgenre wahrgenommen wird?
Dass Hip Hop ein von Sexismus und Gewalt durchzogenes Genre ist, wird den Kids von sehr vielen Musikern vorgelebt, die man tagtäglich auf MTV sehen kann. Ich sage dir ganz ehrlich: Nein, es stört mich heute nicht mehr, dass Menschen Hip Hop als sexistisch und Gewalt verherrlichend ansehen. Denn der populäre Hip Hop ist sexistisch und Gewalt verherrlichend. Somit ist der Eindruck vieler Menschen kein falscher. Vor fünf, sechs Jahren, damals hat mich dieser Eindruck gestört. Damals war mir die Musik Hip Hop aber auch noch wichtiger als heute. LOOPTROOP und PROMOE sind aus dem Einfluss früher Hip Hop-Bands wie PUBLIC ENEMY geboren. Wir haben uns aber weiter entwickelt und musikalisch wie mental neue Szenen geschaffen, in die zwar Hip Hop Musik und Attitüde einfließen, die aber nicht auf Hip Hop beschränkt sind. Deswegen sehe ich mich selber auch nur begrenzt als jemand, der von einem solchen öffentlichen Urteil über Hip Hop, wie du es aufbrachtest, betroffen ist. Ich selber habe etwas gegen den Hip Hop, der auf MTV läuft. Deswegen habe ich kein Problem, wenn andere Menschen ihn ebenfalls kritisieren und als das nehmen, was er ist.
Der Song ?Eurotrash? auf ?White Man?s Burden? handelt hiervon, oder?
Ja, der Song kritisiert die sexistischen und gewalttätigen Tendenzen im Hip Hop, im Song werden ja sogar 50 CENT und Juelz Santana von DIPSET namentlich erwähnt. Die Intention ist aber weniger gegen diese beiden Rapper bzw. ihr Genre im Allgemeinen zu fronten. Vielmehr soll ?Eurotrash? jungen Leuten, die gerne Hip Hop hören und sich mit der Szene aus einander zu setzen beginnen, zeigen, dass es noch eine andere Hip Hop-Welt gibt als die, die sie auf MTV sehen.
Der Song ?Fast Food World? von deinem 2004er Album ?The Long Distance Runner? geht um Veganismus und deine vegane Ernährungsweise. Fiel es dir leicht, diese Thematik in einem Song zu verarbeiten?
Bei mir ist es immer so, dass ich einen Einfluss erst nach einer gewissen Zeit in einen Song einbaue. Sprich Reggae musste ich erst einige Jahre lang hören, ehe ich begann Reggae-Elemente in meine Songs ein zu bauen. Genauso war es mit Veganismus. Nachdem ich jahrelange Vegetarier war, wurde ich 2001 Veganer. Dann brauchte es drei Jahre vegane Ernährungsweise, ehe ich dies einmal in einem ganzen Song verarbeitete, nachdem ich in einzelnen Textphrasen immer wieder über das Thema gesprochen hatte. Daher würde ich nicht sagen, dass es mir schwer fiel, Veganismus in einem Song zu verarbeiten. Ich hatte es vor ?Fast Food World? nur noch nicht hart genug versucht.
Und auf ?White Man?s Burden? findet das Thema in der Phrase ?The hottest vegan course on your Hip Hop menue? im Song ?Time travellin?? Berücksichtigung. Entstand die Zeile im Affekt oder bewusst?
Wie sehr viele andere Zeilen in meinen Songs und Hip Hop-Songs im Allgemeinen entstand die Phrase im Affekt. Ich erinnere mich recht gut an das Entstehen des Songmoments, ich hatte bereits den Reim mit ?LOOPTROOP.nu?, die LOOPTROOP-Website, als ersten Vers und suchte nach Etwas, was sich auf ?nu? reimt. ?Menue? kam fast automatisch, da ich dauernd an essen denke.
Was ist denn deine Leibspeise?
Ich bin ein Essensfreak und liebe frische Früchte, Nüsse, gut gemachten Tofu und derlei. Tofuburger und ?Würste mag ich hingegen nicht gerne, da mein Herz für Nahrung schlägt, die direkt aus der Natur kommt.
PROMOE, vielen Dank für Deine Zeit und das Interview.
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