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THE ROBOCOP KRAUS - Bassist Peter im Interview mit PETA2!

Freunde, der Herbst kann kommen! Musikalisch werdet Ihr jedenfalls aller bestens dafür gewappnet sein, ihn unbeschadet zu überstehen! Denn eine der sympathischsten Bands der Republik hat just ihr neuestes Album veröffentlicht: THE ROBOCOP KRAUS! Hinter dem zugegebenermaßen etwas exotischen Bandnamen verstecken sich fünf unglaublich sympathische Menschen, die durch eifriges Touren und durchweg gute Alben zu einer der hoffnungsvollsten Bands aus Europa wurden. Schließlich haben die Jungs nicht nur in Deutschland getourt, sondern waren auch schon in den USA, Russland und Japan unterwegs. Kein Wunder also, dass sie die Aufmerksamkeit des Epitaph-Sublabels Anti Records auf sich lenken konnten. Diese verliebten sich ebenso fix wie wir in die fünf Schlawiener, signten THE ROBOCOP KRAUS auf der Stelle und veröffentlichten kurz darauf das Album ?They Think They Are The ROBOCOP KRAUS?. Zwei Jahre sind seit dem vergangen und die Band ist weiter fleißig getourt und hat mit ?Blunders And Mistakes? schon jetzt ein Nachfolgealbum vorgelegt, das wieder allen Grund zur Freude bietet. Die Band wickelt den Hörer mit zwölf wunderbar abwechslungsreichen Indie-Popsongs ein, die bemerkenswert fröhlich und leicht klingen. Wer sich also an Independent-Größen wie den WEAKERTHANS oder HOT HOT HEAT erfreuen kann, der sollte ebenso großen Spaß mit THE ROBOCOP KRAUS haben, wie wir. Ebenso begeisternd wie die Musik von THE ROBOCOP KRAUS ist die Tatsache, dass Bassist Peter Tiedeken seit Jahren Vegetarier ist. Wie viele andere Musiker kam er durch Hardcore-Musik und den Straight Edge-Lebensstil zu dieser Ernährungsweise. Diese und weitere Einzelheiten über Peter und THE ROBOCOP KRAUS lest Ihr aber lieber en detail unten. Denn natürlich haben wir uns mit Peter über Vegetarismus und das neue Album seiner Band unterhalten.

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Fleißiger Bassist: Peter Tiedeken für PETA2.


Peter, wie bist Du zu Hardcore-Musik und dem Straight Edge-Lebensstil gekommen?

Gewissermaßen bedingte da eines das andere: als ich 17 Jahre alt war hatten einige meiner Mitschüler diese Sampler-Cds, auf denen Songs allerlei verschiedenen Hardcore-Bands waren. Mit diesen habe ich mich sehr intensiv beschäftigt, habe etwa die Songs der GORILLA BISCUITS sehr intensiv gehört und mich daraufhin erst einmal genauer mit Straight Edge befasst. Da ich sowieso nie geraucht und nie getrunken hatte fand ich die Idee von Straight Edge sehr gut, so dass ich ?offiziell? Straight Edge wurde. Bis heute habe ich diese Einstellung aufrechterhalten, rauche und trinke also nicht. Heute nenne ich mich aber nicht mehr Straight Edge, was daran liegt, dass mir die Musik nicht mehr soviel gibt, wie früher, mir die Ideale von damals aber immer noch sehr wichtig sind. Mir wurde durch die Straight Edge-Bewegung klar, dass man viele Dinge in Frage stellen muss, wovon ich bis heute überzeugt bin. Letztlich und dass ist auch einer der Straight Edge-Aspekte, die mir sehr wichtig sind, bin ich durch Straight Edge auch zum Vegetarismus gekommen.

Wie ist das genau passiert?

Hahaha, aus meiner heutigen Perspektive gesehen, war das zunächst eine absolute Mitläufer-Aktion. Es lief ungefähr so ab: ich wollte in einer Band mitspielen und die Jungs, die die Band gegründet hatten, fragten mich: ?Trinkst du, rauchst du?? ich verneinte, woraufhin sie fragten: ?isst du denn Fleisch?, was ich bejahte. Das war mein Urteil, ich durfte nicht in der Band mitspielen. Da ich aber unbedingt in der Band spielen wollte, bin ich auf der Stelle Vegetarier geworden. Danach habe ich dann begonnen, mich mit der Literatur und den weiterführenden Gedanken zu beschäftigen, die hinter Vegetarismus stehen. So gesehen habe ich diesen Schritt erst im Nachhinein hinterfragt. Aber mir wurde durch die Literatur klar, dass es die richtige Entscheidung war.

Diese Anekdote weißt auf die Zeit hin, als Straight Edge-Dasein und Vegetarismus noch Hand in Hand gingen.

Richtig, damals war es eigentlich normal, dass wenn du Straight Edge warst, du auch kein Fleisch gegessen hast. Das ist ja heutzutage nicht mehr so, da ich den Eindruck habe, dass sehr viele Straight Edge-Bands mittlerweile auch Fleisch essen.

Wie bewertest Du diese Entwicklung?

Grundsätzlich ist es immer schade, wenn eine Bewegung, für die Vegetarismus und tierrechtliche Gedanken wichtig waren, diese Werte fallen lässt. Das meine ich erstmal ganz generell und nicht nur im Bezug auf Straight Edge, weil ich der Überzeugung bin, dass die Welt eine bessere wäre, wenn jeder Mensch Vegetarier wäre. Deswegen ist es positiv, wenn Jugendbewegungen diesen Gedanken aufgreifen. So finde ich es auch schade, dass Straight Edge heutzutage nur noch wenig von der tierrechtlichen Prägnanz hat, die früher dazu gehörte. Allerdings ist mir Straight Edge heutzutage etwas, nun ja, egal, da ich mich mit der Musik nicht mehr identifizieren kann und finde, dass sich die Bewegung teilweise wirklich weit von ihren Werten entfernt hat. Beispielsweise habe ich mal von einer Band gelesen, wie sie sich stolz gebrüstet hat, dass sie mit einer anderen Band Hamburger-Wettessen war. Da habe ich mir wirklich an den Kopf geschlagen.

Wie stehst du denn zu dem Argument, dass Menschen aufhören sollen tierrechtliche Aufklärungsarbeit zu leisten, weil manche meinen, sie würden sich wie Priester aufführen?

Das halte ich für völligen Quatsch, weil die Grundlogik des Arguments viel zu kurz greift. Wenn dein Arzt dir sagt, dass du dich gesünder ernähren sollst, dann tust du das doch auch und stempelst ihn nicht als ?Priester? ab. Und wenn dir nun jemand anders von Vegetarismus als gesunde Ernährungsweise erzählt, dann ist er auf einmal ein Priester? Das macht keinen Sinn. Diejenigen, die meinen, dass Aufklärungsarbeit Priesterei ist, die haben in meinen Augen ein schlechtes Gewissen.

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ROBOCOP KRAUS beim Gruppenfoto.

Ein anderer Vorwurf gegen pro-tierrechtliches Engagement ist, dass Tierrechte gegenüber Menschenrechten ein Anliegen niederen Ranges ist. Wie siehst Du das?

Diese Meinung teile ich überhaupt nicht. Denn ich finde, dass Menschenrechte und Tierrechte ein Anliegen gleichen Ranges sind und es deswegen absolut lobenswert ist, dass sich Organisation wie PETA und mit ihr PETA2 für die Verbreitung pro-tierrechtlichen Gedankenguts einsetzen. Wie schlimm wäre es denn, wenn sich niemand mehr für Tierrechte einsetzen würde?! Dann würde doch niemand mehr über dieses Thema informiert werden, was alles andere als gut wäre. Schließlich sind es Broschüren von unter anderem PETA gewesen, durch die beispielsweise ich sehr viele sinnvolle Informationen erhalten habe. Informationen, die mir klar gemacht haben, dass meine Entscheidung kein Fleisch zu essen, eben keine vorübergehende Mitläuferaktion war. Sondern dass es sinnvoll war, diesen Schritt zu tun. Zu diesen Informationen zählte zum Beispiel, dass ich durch die Lektüre von PETA-Broschüren erfuhr, wie viel Getreide zur Aufzucht von Schlachttieren angebaut wird und wie vielen Menschen dieses Getreide das Leben erleichtern oder gar retten könnte, würde es nicht zur Aufzucht der Schlachttiere verwendet, sondern zur Ernährung notleidender Menschen angebaut.

Siehst du also eine gewisse Verbindung zwischen dem Einsatz für Tier- und dem für Menschenrechte?


Wie das Beispiel eben zeigte: ja. Denn würde man die Tiere nicht essen, müsste das Getreide nicht für sie angebaut werden und könnte die Menschen ernähren, die es wirklich brauchen. Damit steht jeder Einsatz für Tierrechte auch im Lichte eines gewissen Menschenrechtsgedankens. Ganz gleich, ob man sich nun mit Demonstrationen und Infoständen engagiert oder sich dadurch für Tierrechte einsetzt, dass man kein Fleisch isst.

Ernährst Du Dich denn sehr bewusst?

Ganz ehrlich gesagt stelle ich meine Ernährung gerade dahingehend um, dass ich mich bewusster ernähre als zuvor. Bisher habe ich mich nämlich nicht besonders bewusst beziehungsweise besonders gesund ernährt. Das lag daran, dass ich aus einer sehr konservativen Metzger-Familie aus Ostfriesland komme. Bei uns gab es früher wirklich nur Fleisch, in jeder Mahlzeit war irgendwie Fleisch drin, so dass es wortwörtlich unmöglich war, bei uns zu essen, ohne auch Fleisch zu sich zu nehmen. Als ich Vegetarier wurde, bedeutete dies für mich natürlich eine radikale Abkehr von den Ernährungsgewohnheiten, die bei uns zu Hause normal waren. Ehrlich, ich musste ganz neu lernen zu essen und kehrte mich zunächst von allen Gerichten ab, die bei uns zu Hause serviert wurden. Da unter diesen aber viele Essen waren, bei denen Fleisch mit allerlei Gemüse kombiniert wurde, verzichtete ich auch lange auf einige Gemüsesorten, zum Beispiel Gurken. Denn irgendwie brachte ich mit ihnen Fleisch in Verbindung, weil es bei uns zu Hause eben zu jedem Essen und jedem Gemüse Fleisch gab. Erst jetzt taste ich mich wieder langsam da ran, mehr Gemüse zu essen. Und dass ich es lange nicht as, führte dazu, dass ich nicht besonders gesund lebte. Mittlerweile gehe ich aber auch wieder öfter ins Reformhaus, um einzukaufen. Reformhäuser sind ja mittlerweile auch sehr viel besser aufgestellt, als noch vor sieben, acht Jahren. Zudem sind Reformhäuser ja heute auch sehr viel billiger, als damals. Neben verschiedenen Gemüsesorten, die ich mittlerweile esse und sie dadurch gewissermaßen neu entdeckte, finde ich aber auch, dass gewisse Tofu-Produkte sehr viel besser schmecken, als noch Ende der Neunziger. Ich meine, hey, die heute angebotenen Tofu-Würste sind wirklich gut und mit denen von vor zehn Jahren nicht vergleichbar. Von daher: ich ernähre mich zwar nach und nach bewusster, als vorher. Da ich dies aber erst seit einer gewissen Zeit tue, kann man nur schwerlich sagen, dass ich mich schon immer durch und durch bewusst ernährt hätte.

Zu Beginn sagtest Du ja, dass es wichtig ist, viele Dinge in Frage zu stellen. Auf welche Lebensbereiche erstreckt sich dieses in-Frage-stellen bei Dir?

Ach, das erstreckt sich eigentlich auf alle Lebensbereich. Ich denke, dass wenn man wie ich aus ethischen Gründen Vegetarier ist, dann stellt man automatisch sehr viele Dinge in Frage, die einem im Alltag so präsentiert werden. Im Musikgeschäft muss man zum Beispiel sehr viel in Frage stellen.

Wie meinst du das?


Na ja, es ist im Musikgeschäft oft so, dass dir etwas vorgeschlagen oder präsentiert wird. Das klingt dann meist alles ganz toll und gut. Wenn man sich aber näher damit beschäftigt oder gar den Fehler macht, sich auf gewisse Dinge unhinterfragt einzulassen, dann merkt man oft, dass all? die tollen Worte nur heiße Luft waren und nichts dahinter steckt. Oder schlimmer noch: du wirst über den Tisch gezogen von jemandem, der dir eine ganz bestimmte Sache vorher als das beste überhaupt verkauft hat.

Welche Konsequenzen zieht ihr als Band THE ROBOCOP KRAUS daraus?

Wir versuchen alle geschäftlichen Dinge, die die Band betreffen, entweder selber zu machen oder sie von jemandem machen zu lassen, den wir gut kennen. So ist auch derjenige, der unsere Konzerte bucht, ein sehr guter Freund von uns und auch die Leute bei unserem Label Anti Records kennen wir gut. Uns allen ist die D.I.Y-Attitüde sehr wichtig, weswegen wir uns auch nicht von irgendjemandem in unsere Musik oder das Bandgeschehen hinein reden lassen.

Dann lass uns doch ein wenig über eure Musik sprechen. ?Blunders And Mistakes?, euer viertes Album, ist ja gerade erschienen und klingt trotz seiner lieblichen Poppigkeit überraschend rauh.

Richtig. Wir wollten mit ?Blunders And Mistakes? anders klingen, als die anderen Bands da draußen. Viele Bands achten ja heutzutage auf eine extrem tighte Produktion ihrer Alben, die alle Songs absolut glatt poliert klingen lässt. Das wollten wir nicht. Das kam daher, dass wir Proberaumaufnahmen der Songs gemacht hatten. Sie alle hatten diesen Proberaum-Charme, diese gewisse Ungeschliffenheit einer unprofessionellen Aufnahme. Diesen Vibe der Songs fanden wir alle sehr, sehr gut und wollten ihn auch unbedingt auf das Album bringen. Selbiges haben wir dann sehr simpel aufgenommen. Sprich wir haben alle Songs live im Studio eingespielt und beim letzten Mix, den Adam Lasus in Los Angeles gemacht hat, auch darauf geachtet, dass das Album nicht zu glatt klingt. Er hat die Platte sogar noch einmal etwas rauer gemischt, als sie eigentlich war.

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Spaßvögel: ROBOCOP KRAUS.

Wo siehst Du denn die Hauptunterschiede zwischen ?Blunders And Mistakes? um den Vorgänger ?They Think They Are THE ROBOCOP KRAUS??

Ich denke, dass ?They Think They Are ?? fast eine klassische Rockplatte ist: sie ist sehr viel weniger verspielt, als ?Blunders And Mistakes? und ein Album, dass sehr viel mehr auf den Punkt kommt, als ?Blunders And Mistakes?. Zudem ist ?They Think They Are ?? weniger zeitlos, als unser neues Album. Denn damals traf das Album einen gewissen musikalischen Zeitgeist, was gar nicht mal gewollt war, sondern einfach so passierte. Dennoch sollte ?Blunders And Mistakes? ein Album werden, das weniger in eine bestimmte Phase rein passt, sondern ein Album, das sich von allen möglichen Strömungen löst und das man in fünf Jahren vielleicht noch einmal hervor holt und hört. Bei der Entstehung des Albums haben wir uns deswegen so gut es ging von allen Trends losgemacht.
Und ein Album geschrieben, das überraschend fröhlich und verspielt ist.
Die Platte ist in der Tat ein sehr fröhliches Album. Sie transportiert sehr wenig Melancholie, was daran liegt, dass wir alle keine melancholischen Tagträumer sind, weswegen wir auch keine guten melancholischen Songs schreiben können. Bei dem Album hat und sollte jeder von uns ungezwungen seine individuellen Einflüsse einbringen. Wir haben überhaupt nicht darauf geachtet, ob ein Song durch einen Vorschlag noch tighter oder noch energetischer wurde und darauf basierend beschlossen, ob wir den Vorschlag annehmen, oder nicht. Im Gegenteil: jeder hat das probiert, was er wollte und seine Ideen eingebracht, so dass daraus der verspielte Charakter des Albums entstand.
Sprich ihr habt das Album auch als Selbstverwirklichung begriffen?
Definitiv. Unsere ganze Band basiert zum großen Teil auf dem Gedanken der Selbstverwirklichung. Das hat mich auch irgendwann an Punkrock und Hardcore genervt, dass die Idee der Selbstverwirklichung immer mehr in den Hintergrund geriet: alles, was du gemacht hast, musste irgendwie die ?Kids? befriedigen. Du musstest immer die ?Szene? im Hinterkopf haben und wurdest schräg angesehen, wenn du gesagt hast, dass du Musik oder irgendetwas anderes einfach für dich machst und nicht, weil du dieses oder jene Klientel damit glücklich machen willst. Genau darum geht es aber bei ROBOCOP KRAUS: um den Spaß, den wir an der Sache haben, ohne Rücksicht darauf, wem es gefällt, oder nicht. Uns stört es auch überhaupt nicht, wenn bei einem Konzert nur 20 Zuschauer da sind und sie nicht mitgehen. Das ist eben ihre Sache. Solange wir auf der Bühne unseren Spaß haben, ist doch alles super.

Peter, das waren auch schon unsere Fragen. Vielen Dank für das Interview!

Fotos: Anja Lubitz und Majid Moussavi

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