
SAMARAH - Die Rocknewcomer im Interview mit PETA2!!
Leute, es ist mal wieder Zeit, Euch eine Newcomeband vorzustellen! SAMARAH aus Bremen und Saarbrücken sind vielleicht noch nicht Germanys next Popstars, sie sind aber eine der Bands, auf die diejenigen von Euch ein Auge werfen sollten, die sich für Rock interessieren. Und zwar für Rock, der mind open ist, der keine musikalischen Grenzen kennt und der zwischen Funk, Pop und krachigen Gitarren alles ausprobiert. Ihr seht, musikalisch haben SAMARAH definitiv keine Scheuklappen auf! Ethisch übrigens ebenso wenig, wie der Fall von Bassist Michael klar macht. Er lebt seit Jahren vegan und ist deswegen einer unseren besten und neuen Freunde. Die Canadians-Kampagne hat er natürlich auch schon tatkräftig auf Myspace unterstützt und deswegen war es für uns völlig klar, dass wir uns einmal mit ihm über die Kampagne, aber natürlich auch über Veganismus im Allgemeinen und über SAMRAH unterhalten würden. Also: lets go!

Hi Michael, Du lebst ja vegan, was hat Dich bewogen, Dich komplett tierproduktfrei zu ernähren?
Ehrlich gesagt war das eine Entscheidung von heute auf morgen, eine Übergangszeit als Vegetarier gab es nicht. Die eigentliche Bitte, sich mal eingehender mit dem Thema Tierrechte und Ernährung zu beschäftigen kam von der Schwester meiner Freundin, die Vegetarierin ist. Daraufhin haben wir das Internet nach Informationen durchkämmt, Artikel gelesen, Videos angesehen. Nachdem uns relativ schnell bewusst wurde, dass tierische Produkte für eine gesunde und ausgewogene Ernährung nicht notwendig sind und angesichts der unglaublichen Vorgänge in der Fleisch-, Milch- und Eiergewinnung, die am Otto Normalverbraucher ja geschickt vorbeigeschifft werden, war die Entscheidung schnell gefallen.
Am nächsten Tag beim Einkaufen war klar: Tierische Produkte kommen nicht mehr in die Tüte. Egal wie man es dreht und wendet, der Tod eines Tieres zum Zweck der Nahrungsmittelgewinnung ist nicht zu rechtfertigen. Von der Grausamkeit, mit der Fleisch-, Milch- und Eierindustrie vorgehen, ganz zu schweigen. Das Leid, das sogenannte Nutztiere ertragen müssen, ist unbeschreiblich. Die wenigsten Leute wissen, was alles passieren muss, bis sie ihr Steak auf dem Teller, ihren Kakao im Glas oder ihren Joghurt im Becher haben. Und diese unbequeme Seite der Nahrungsmittelgewinnung wird geschickt vor dem Endverbraucher verborgen. Wer weiß schon, dass Legehennen die Schnabelspitze, die voller Nervenende ist, bei vollem Bewusstsein abgeschnitten wird, dass in einer einzigen deutschen Brüterei pro Tag 90.000 Küken vergast oder zermust oder männliche Ferkel wie am Fließband ohne Betäubung kastriert werden oder dass Kühe nur Milch geben, wenn sie vor kurzem gekalbt haben, ihnen die Kälber aber direkt nach der Geburt weggenommen werden, um keine Milch zu verschwenden und die Kuh wegen des unablässigen Kinderkriegens und Milchgebens gerade mal ein Fünftel ihrer natürlichen Lebenserwartung erreicht, bevor der Körper kollabiert. Und das alles nur, weil der Mensch gerne Schnitzel isst, Käse mag und jedem zweiten Lebensmittel Eier untermischt.
Neben dem moralischen und ethischen Aspekt spielen zwei schwerwiegende globale wie sozialpolitische Probleme eine große Rolle: die globale Erwärmung und der Hunger in der Welt. Tierische Produkte wie Fleisch, Milch und Eier verbrauchen ein Vielfaches an Ressourcen als vergleichbare Mengen pflanzlicher Nahrung, je nach Produkt und Statistik das sechs- bis zehnfache. Daraus ergeben sich zwei Konsequenzen: Es gehen Unmengen an Ackerflächen und Ressourcen wie Wasser für den Anbau von Futterpflanzen verloren, die stattdessen für den Anbau von für den menschlichen Verzehr bestimmten pflanzlichen Produkten genutzt werden könnten. Dabei stünde auch das sechs- bis zehnfache an Endprodukten zur Verfügung als bei dem Umweg über Fleisch, es könnten also wesentlich mehr Menschen ernährt werden. Gleichzeitig produziert z.B. die Fleischindustrie 40% mehr Abgase als alle Kraftfahrzeuge, Schiffe und Flugzeuge zusammen und ist damit die größte Bedrohung für das Klima.
Ganz ehrlich, ich bin fest davon überzeugt, dass eine Umstellung auf eine vegane Ernährung die einzige annehmbare und ausreichend weitgreifende Möglichkeit ist, die Klimakatastrophe abzuwenden und eine Eskalation des Nord-Süd-Konfliktes zu vermeiden.
Wie wir hörten, gefällt Dir unsere Canadians-Kampagne recht gut, manche argumentieren ja aber trotz der Kampagne damit für die Robbenjagd in Kanada, dass die Jagd eine Tradition sei und so weiter. Wie stehst Du zum diesem Traditionsargument?
Die Canadians-Kampagne halte ich wirklich für eine super Sache. Und soweit ich das als Außenstehender beurteilen kann, scheint sie auch ordentlich Früchte zu tragen und gut anzukommen. Das Traditionsargument halte ich persönlich für groben Unfug. Nur weil etwas seit Ewigkeiten so gemacht wird, ist es noch lange nicht richtig. Sklaverei und Rassendiskriminierung waren auch über Jahrhunderte Tradition, bis man erkannt und eingesehen hat, dass es falsch ist. Heutzutage sind solche Dinge gesetzlich verboten und gesellschaftlich verpönt und genau da müssen wir hin, was die Rechte von Tieren angeht.
Zumal alleine die diesjährige Größenordnung von über einer Viertel Million mit Knüppeln mit Metallhaken totgeprügelten Robben in keinem Verhältnis zu irgendeiner Tradition stehen kann.
Wieder andere argumentieren gerade in Bezug auf Veganismus, dass es viel zu schwer sei, sich vegan zu ernähren? Wie siehst Du das, würdest Du sagen, dass es in den letzten Jahren in Deutschland vielleicht sogar schon extrem leicht geworden ist, vegan zu leben?
Das ist definitiv so. Ich gehe inzwischen in Supermärkte und sogar Discounter einkaufen und kann mich ohne Probleme mit gesunden und abwechslungsreichen veganen Lebensmitteln versorgen. Und wenn es mal etwas ausgefalleneres sein muss (veganer Fleischsalat oder Parmesan z.B.), besteht ja immer noch die Möglichkeit, bequem in den diversen veganen Versand-Shops im Internet zu bestellen.
Für mich persönlich bedeutete die Umstellung auf eine vegane Ernährung eine Umgewöhnung von wenigen Tagen, bis man eben wusste, was sich nun eignet und was nicht, wo ich was herbekomme und welche Ersatzprodukte es gibt. Im Nachhinein war die Umstellung deutlich unkomplizierter, als ich damals gedacht habe. Jeder, der mit dem Rauchen aufhören will, steht vor einer ungleich größeren Herausforderung.

Konfrontieren Dich häufig Leute mit dem Argument, dass vegane Lebensweise ungesund sei?
Das kommt durchaus vor. Den direkten Vorwurf, dass es ungesund sei, musste ich mehr bisher allerdings noch nicht anhören, viel eher die Frage ob einem dann nicht etwas fehlt beziehungsweise was man dann überhaupt noch essen darf. Das entsteht aber einfach aus Unwissenheit heraus. Die CMA erzählt uns seit Jahrzehnten, dass Milch gesund sei, dass Fleisch für eine ausgewogene Ernährung unumgänglich ist und dass der Kuchenteig ohne Eier nichts werden kann. Das ist natürlich genauso unwahr wie die Behauptung, das QS-Siegel würde einwandfrei hergestellte Lebensmittel garantieren, aber es hat sich eben in den Köpfen der breiten Masse festgesetzt. Dass ich mit Vollkorn- und Getreideprodukten, Hülsenfrüchten und Produkten aus Hülsenfrüchten, frischem Obst und Gemüse und ein paar Nüssen und Samen alles abdecken kann, was zu einer gesunden Ernährung gehört, und dass meine Blutwerte mit hoher Wahrscheinlichkeit besser sind als die meines Gegenübers, scheint für viele auf den ersten Blick nicht nachvollziehbar. Wer sich aber auch nur ein wenig genauer mit dem Thema Ernährung auseinander setzt, wird schnell auf eine Vielzahl von Studien treffen, die das untermauern. Und nicht zuletzt ist es so, dass ich mich selbst wesentlich besser fühle, natürlich was den moralischen Aspekt angeht, aber eben auch auf körperlicher Ebene. Ich bin fitter und seltener krank.
Denkst Du, dass die gegenwärtigen Diskussionen um Klimawandel sowie um biologisch bewusste Ernährung dazu führen werden, dass sich mehr Menschen auch damit auseinander setzen werden, vegetarisch oder gar vegan zu leben?
Die aktuelle Diskussion ist definitiv eine Chance, die Menschen für Vegetarismus und Veganismus zu sensibilisieren. Man muss sich das mal vorstellen: Alle Autos, LKWs, Schiffe und Flugzeuge der Welt können es nicht mit den Abgasen der Fleischindustrie aufnehmen. Wenn bei einer Mahlzeit auf Fleisch verzichtet wird, ist das wesentlich effektiver, als wenn man statt dem Auto das Fahrrad nimmt. Notwendig ist aber natürlich sowohl das eine als auch das andere. Angesichts der bedrohlichen Lage durch den Klimawandel ist es absolut erforderlich, möglichst viele zu einem Umdenken, aber auch zum Handeln zu bewegen und die mit Abstand effektivste Möglichkeit, etwas zu ändern, ist der Verzicht auf Fleisch. Gleichzeitig ist diese Tatsache den meisten Leuten gar nicht bewusst. Selbst Al Gore der für sein Engagement in Sachen Umweltschutz und den Film über die globale Erwärmung Eine unbequeme Wahrheit so gelobt wurde, ignoriert einfach, dass Fleisch der Klimakiller Nr. 1 ist und isst weiterhin munter und bequem Chicken Wings. Das ist in etwa so konsequent, wie wenn ich überall zum Energiesparen aufrufe und dann bei offenem Fenster heize.
Beliebte Statements sind ja personal is political und think globally, act locally würdest Du sagen, beides trifft auf Veganismus/Vegetarismus zu?
Auf jeden Fall. Veganismus/Vegetarismus ist eine Kopf- und Überzeugungssache, es steckt eine Ideologie dahinter, eine politische Umsetzung und eine gesellschaftliche Anwendung ist natürlich wünschenswert. Aus dem gleichen Grund kann so etwas aber nur im Kleinen beginnen und nicht etwa von oben herab bestimmt werden. Im persönlichen Umfeld tätig zu sein, ist sicherlich die effektivste und erfolgversprechendste Methode, um auf die Problematik aufmerksam zu machen. Gerade beim Veganismus/Vegetarismus steht jedem einzelnen ein mächtiges Instrument zur Verfügung, das auch noch automatisch eingesetzt wird: der Verzicht. Angebot und Nachfrage regeln den Markt und je weniger tierische Produkte gekauft werden, desto weniger werden produziert.

Siehst Du Deinen Veganismus daher auch als politisches Statement?
Bei der Entscheidung zum Veganismus war es jetzt nicht mein Ziel, irgendein politisches Statement abzugeben. Es ist aber natürlich so, dass Veganismus ja nicht nur der Verzicht auf tierische Produkte ist. Veganismus ist unter anderem auch eine klares ja zu Tierrecht, Tierschutz und Tierversuchsfreiheit. Damit ist in etwa klar, wo man politisch steht. Und das ist auch gut so ;)
Wie machst Du das, wenn Du auf Reisen gehst? Checkst Du vorher online, welche Orte sich besonders gut eignen, um dort vegan zu essen? Oder fährst Du auf gut Glück, und schaust vor Ort, was sich machen lässt?
In letzter Zeit lief es eher so ab, dass ich mich vor Ort um etwas zu essen bemühen musste und eine Notration in Reserve hatte. Ich habe mir aber fest vorgenommen, mich in Zukunft vorab im Internet abzusichern, wo was geht.
Was würdest Du jemandem raten, der überlegt, Vegetarier oder Veganer zu werden, aber meint, es würde zu schwer für ihn werden, so zu leben?
Einfach ausprobieren, verlieren kann man dabei nichts. Eines dieser tollen PETA-Starter-Kits bestellen und loslegen. Wenn möglich den Kontakt zu anderen Vegetariern/Veganern herstellen, im Internet gibt es jede Menge Foren und Communities, die einem bei Rückfragen oder ähnlichem tatkräftig zur Seite stehen und man wird feststellen, dass es überhaupt nicht schwer ist.
Im März erschien Euer Album Leaving The Underground wie ist der Titel zu verstehen? Ist das Album gewissermaßen Euer Versuch, in die Top-Liga deutscher Rockbands aufzusteigen, oder unterliegt dem Titel eher eine gewisse Ironie?
Der Titel ist natürlich nicht ganz ernst zu nehmen. Leaving the Underground ist der Song auf dem Album, der die Band an sich und das, was uns ausmacht, am ehesten repräsentiert und von daher fanden wir es nur logisch, das Album so zu nennen. Im Song ist die Zeile Leaving the Underground anders zu verstehen und zwar auf einer wesentlich persönlicheren und emotionaleren Ebene.
Wie würdest Du das Album und den Sound von SAMARAH generell beschreiben?
Worauf es uns bei unserem Sound ankommt ist eine druckvolle und tighte Rhythmusfraktion, brachialer Gitarrensound, cleaner Gesang und niemals die Melodie aus den Augen verlieren. Was dabei herauskommt balanciert irgendwo zwischen Metal, Rock und Alternative. Ein genaueres Bild kann man sich auf unserer Homepage oder bei MySpace machen, ein recht eigenes Cover von Whiskey in the Jar gibt es übrigens umsonst zum Download.
Würdest Du Euch selber noch als Newcomerband sehen?
SAMARAH existiert erst seit gut anderthalb Jahren, in der vollen Besetzung erst seit einem Jahr. Wir sind definitiv eine Newcomerband, alles andere wäre vermessen zu behaupten.
Wie geht Ihr mit den stärkeren Digitalisierungstendenzen in der Musikwelt um? Habt Ihr in ihnen schon eine ernsthafte Gefahr für SAMARAH gesehen, oder begreift Ihr sie eher als Herausforderung, auf die man als Band kreativ reagieren muss? Und was würdest Du sagen, ist die schlimmste Konsequenz der Digitalisierung für die Musik?
Ich persönlich sehe in der Digitalisierung eine Chance. Die Vertriebsmöglichkeiten sind wesentlich einfacher und direkter, auch kleinere Bands haben jetzt die Chance ihre Musik unter die Leute zu bringen und das nicht nur lokal sondern weltweit. Man erreicht mit weniger Aufwand mehr Leute. Außerdem ist es doch einfach super, seinen individuellen Soundtrack immer und überall auf dem MP3-Player dabei zu haben. Als Konsequenz befürchte ich aber eine indirektere Beziehung zwischen Künstler und Hörer. Für die Zusammenstellung einer persönlichen Playlist sind oft nur einzelne Songs von Bands notwendig und nicht das ganze Album. Die Songs werden also gekauft, weil man die Songs gut findet und nicht die Band als ganzes. Allerdings wird es den Fan, der sich das Album als CD mit Booklet kauft, weil er sich mit der Band identifiziert, vermutlich immer geben. Die Frage ist eben nur, in welche der beiden Richtungen die Tendenz geht und da sehe ich die Unpersönlichere im Moment klar vorne.
Michael, vielen Dank, dass Du Dir Zeit genommen hast, um sie zu beantworten! Hast Du noch letzte Worte an unsere User?
Geht mit offenen Augen durch das Leben, benutzt euren Verstand. Und rockt.


