
SAMSAS TRAUM: Fleisch ist (Selbst)Mord!
Wo fängt man an, über eine Gothic-Metal-Legende wie SAMSAS TRAUM zu erzählen? Vielleicht ein ganz kurzer Ritt durch die Geschichte der Band: 1996 - Gründung; 1999 - erstes Studio-Album "Die Liebe Gottes"; 2003 - die Gothic Oper "Tineoidea Oder: Die Folgen Einer Nacht Eine Gothicoper In Blut-Moll"; 2004 - Album "Ura und das Schnecken.Haus": 2007 - Alben "Heiliges Herz - Das Schwert Deiner Sonne" und "Wenn schwarzer Regen" (beide steigen in die deutschen Charts ein).
Jetzt liegt das neue Album mit dem passenden Titel "13 Jahre lang dagegen - Anti bis zum Tod" vor und liess uns quasi sprachlos vor dem CD-Player sitzen. Die Platte rockt ohne Ende und wir können sie allen von Euch nur wärmstens empfehlen. Und ganz ehrlich: Das liegt nicht nur daran, dass SAMSAS TRAUM Mastermind Alex seit einigen Jahren bekennender Veganer ist!
Aber das war für uns natürlich ein Grund mit ihm zusammen das aussagekräftige Motiv "Fleisch ist (Selbst)Mord" zu realisieren, dass auf der anstehenden Tour an die Fans verteilt wird. Die Message ist deutlich: Fleischessen ist nicht nur Tierquälerei, sondern zerstört auch unser Klima. "Als Mensch hast Du die Wahl. Wer Tiere isst, vernichtet den Wald, die Luft, das Wasser und die Zukunft unserer Kinder. Sei kein Idiot. Schneid Dich nicht ins eigene Fleisch."
Alex zog schon vor Jahren die Konsequenzen und lebt vegan. Deswegen hat er auch eine klare Message an seine Fans: "Informiert Euch. Macht Euch schlau. Eignet Euch Wissen über relevante Themen an und setzt dieses Wissen als Waffe ein - immer und immer wieder. Die Wahrheit wird Euch weh tun - aber sie wird Euch auch die Stärke geben, über Euch selbst hinaus zu wachsen und im Kampf um Gerechtigkeit, im Kampf für das Leben niemals aufzugeben. Go vegan!"
Klare Worte, die wir nur unterstreichen können.
Wollt Ihr noch mehr von Alex hören und dann checkt das Interview oder zieht Euch SAMSAS TRAUM live an. Beides lohnt sich auf jeden Fall!
Alex von SAMSAS TRAUM im Interview

Alex live on stage!
Du bist bekennender Veganer. Weißt Du noch wann und warum Du aufgehört hast Fleisch zu essen? Gab es da ein oder mehrere Ausschlag gebende Ereignisse?
Ich wurde vor über fünf Jahren Vegetarier auf Grund eines Schlachthof-Videos, das ich später auf unserer ersten DVD "Einer gegen alle" einer breiten Öffentlichkeit zugängig gemacht habe. In dieser Zeit habe ich auch begonnen, mir viel Hintergrundwissen über die Themen Vegetarismus, Veganismus, Umweltschutz, Globalisierung etc. anzueignen - nach nur drei Monaten als Vegetarier war ich mir selbst nicht mehr konsequent genug und wurde Veganer. Unterstützt wurde diese Entscheidung durch den Tod meines Katers Champ - die Trauer über den Verlust war so groß, dass ich Trauer fortan in anderen Lebewesen aktiv verhindern wollte; wozu auch gehört, dem Massenmord an Tieren entgegen zu treten.
Wie hat Dein Umfeld damals darauf reagiert?
Ich habe damals sehr isoliert gelebt - außer Katzen und einer Hand voll Menschen gab es niemanden, der auf mich hätte reagieren können. Die wenigen Leute, die mit meiner Entscheidung konfrontiert wurden, haben aber keine anderen Reaktionen an den Tag gelegt als die vielen andere Menschen, denen ich in der Zwischenzeit begegnet bin: man wird gefragt was einem Veganer überhaupt zum Essen bleibt, ob diese Ernährungsweise nicht schädlich und ungesund ist - außerdem wird man einer absurden Weltanschauung und einer übersteigerten Moralvorstellung verdächtigt... als ob Mitgefühl mit Tieren gleichbedeutend mit Schwachsinn wäre.
Als Veganer ruft man ja manchmal komische Reaktionen bei Menschen hervor. Kannst Du da einige Anekdoten erzählen? Wie reagiest Du normalerweise darauf?
Früher habe ich versucht, auf Fragen aufklärend und geduldig zu antworten. Leider trifft man aber verhältnismäßig mehr Kleingeister und Ignoranten als aufgeschlossenen Menschen - mittlerweile bin ich bezüglich der Reaktionen meiner Mitmenschen abgestumpft und lasse mich auf Diskussionen erst gar nicht richtig ein oder beende sie sobald ich merke, dass das Gespräch keinen Wert hat. Meine Musik transportiert meine Anschauungen und Standpunkt, in den richtigen Ohren wird sie die richtigen Reaktionen hervorrufen. Jeder Mensch muss schlussendlich für sich selbst wissen, was gut oder schlecht ist - und wer nicht hören will, der hört auch nicht. Anekdoten? Hier ist eine einzige: im Vorfeld eines Black Metal-Festivals in Dortmund-Schwerte wurden die Festival-Besucher im Internet dazu aufgerufen, uns während unseres Konzertes mit Fleisch zu bewerfen. Was soll man dazu noch sagen?
Welche Rolle spielt Veganismus für Dich und in Deinem musikalischen Umfeld?
Nach fünf Jahren ist Veganismus für mich eine Selbstverständlichkeit geworden - was auch bedeutet, dass ich mich darüber nicht mehr so stark definiere wie früher. Im musikalischen Umfeld hingegen stellt Veganismus für Bands in meiner Größenordnung des öfteren ein Problem dar. So mancher Veranstalter von Konzerten ist immer noch der Meinung, dass veganes Catering zwangsläufig "anstrengender" zuzubereiten und teurer in der Herstellung und Anschaffung sei. Mein Wunsch nach ausschließlich veganem Catering - den ich immer äußere - wird mir oft nicht erfüllt. Wenn ich nicht so großen Respekt vor den Opfern hinter den "Produkten" hätte, hätte ich einige Cateringbereiche in Clubs schon längst mit Kuhmilch überschwemmt oder mit Aufschnitt tapeziert. Ich habe einmal darüber nachgedacht, Wurstbrötchen vor Konzerthallen zu beerdigen - eine absurde Idee, die von vielen bestimmt weder abstrahiert noch interpretiert werden könnte.
Denkst Du, dass Aufklärung über Tierrechte bei Deinen Fans auf offene Ohren stößt? Hast Du da besondere Erfahrungen?
Ja, es stößt zumindest bei manchen Fans auf offene Ohren - von anderen ernte ich Kritik, viele schimpfen mich einen "Weltverbesserer" oder bezeichnen mich als "unmännlich". Die Fans, die wegen mir Vegetarier oder Veganer geworden sind, machen all den Ärger und die Schelte aber mehr als wett. Es lohnt sich also, weiter zu machen.

Das neue Album "13 Jahr lang dagegen - Anti bis zum Tod" von SAMSAS TRAUM!
Das neue Album heißt 13 Jahre lang dagegen Anti bis zum Tod wie ist der Titel zu verstehen?
Das Album wurde anlässlich unseres 13. Geburtstags komponiert und aufgenommen. Der Titel transportiert die Haltung, die meine Band an den Tag legt: wir sind Widersacher, Antihelden, wir streuen Salz in jede Wunde und vertreten kontroverse Meinungen und Standpunkte, um zur Meinungsbildung beizutragen. So war es in den letzten 13 Jahren - und so soll es auch in den nächsten 13 Jahren sein. Weiters sind das Album und sein Titel ein ausgestreckter Mittelfinger an alle Neider, Lästermäuler und passionierte Feinde, die SAMSAS TRAUM vom Anfang bis heute ein schnelles Ende vorausgesagt und uns die Pest an den Hals gewünscht haben - ihr werdet uns nie los, ihr werdet an uns ersticken.
Das neues Album ist deutlich härter als Teile des Vorgänger-Werks. War das eine bewusste Entscheidung?
Das neue Album ist vielleicht härter als meine ersten Alben, aber es ist aber auf keinen Fall härter als unser vorletzter Output, der Black Metal-Orkan "Heiliges Herz - Das Schwert Deiner Sonne". Trotzdem kann ich Deine Frage beantworten: ja, es war eine bewusste Entscheidung, den Fuß etwas vom Gaspedal zu nehmen. Passend zum Anlass sollte das neue Album der passende Soundtrack für eine Geburtstagsparty sein, und was eignet sich da besser als der auf "13 Jahre lang dagegen..." vertretene Arsch tretende Crash-Kid-Rock?
Hast Du nach 13 Jahren noch große Pläne mit der Band?
Selbstverständlich - ich bin ein wandlungsfähiger Musiker und habe viele Ideen und Ziele, die ich in meinem Leben noch verwirklicht wissen will respektive mit meiner Band oder als Einzelperson erreichen möchte. Ich betrachte mich nicht als Teil einer bestimmten Szene oder einem einzigen Genre zugehörig, Schubladendenken ist mir fremd. Ich würde z.B. auch gerne mal ein Trip Hop-Album machen, ein Musical konzipieren oder eine Oper schreiben.



