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STRIKE ANYWHERE - Sänger Thomas im Interview

Auch im Kreis der Punkrock-Szene darf man Erfolgsgeschichten erleben, lesen und schreiben. Eine dieser Erfolgsgeschichten schrieben und schreiben nach wie vor STRIKE ANYWHERE aus Richmond, Virginia. Die fünfköpfige Band um den charismatischen Sänger Thomas Barnett hat seit ihrem ersten Album ?Change Is A Sound? einen respektablen Aufstieg absolviert. Von einer kleinen, vornehmlich in Jugendzentren und selbst organisierten Clubs auftretenden Band ist das Quintett durch unendliches Touren zu einer sehr respektierten und gefragten Band in der Punkszene geworden. Barnett, seines Zeichens einer der charmantesten Gesprächpartner, die man sich vorstellen kann, wuchs in Richmond auf und lebt nun zeitweise an der Westküste Amerikas. Anlässlich des neuen und dritten STRIKE ANYWHERE-Albums ?Dead FM?, das in Deutschland am 01. September 2006 auf Fat Wreck Chords erscheint, bot sich ein Telefonat mit dem veganen lebenden Thomas an.

Was macht ?Dead FM?, euer neues Album in deinen Augen aus und in wie fern unterscheidet es sich von seinen beiden Vorgängern ?Exit English? und ?Change Is A Sound??
Es gibt einige Unterschiede zwischen den drei Alben. In erster Linie ist ?Dead FM? kein so explizit politisches Album wie ?Exit English? und ?Change Is A Sound? es waren. Verstehe mich bitte nicht falsch, jeder Song auf ?Dead FM? hat auf die eine oder andere Weise einen politischen Hintergrund. Jedoch haben wir mit unseren 14 neuen Songs versucht, politische Eindrücke und Gefühle auf eine sehr persönliche Weise zu explizieren. Auf diesem Album findet man in den Songs also mehr erzählte Geschichten, deren Vordergründe oft persönlich wirken, deren Hintergründe aber meist politische Gedanken sind. Ein weiterer Unterschied zwischen ?Dead FM? und unseren ersten Alben liegt im Songwriting. Denn für dieses Album haben wir schnellere Songs als für ?Exit English? und ?Change Is A Sound? geschrieben. Dies passt sehr gut zu der Aufnahmetechnik, die wir angewandt haben und die zu einem recht rauen Sound auf dem Album geführt hat. Die Drums haben wir beispielsweise live aufgenommen, so dass Eric, unser Drummer, alle Songs ganz und vor allem richtig spielen musste, um sie aufzunehmen. Viele Drummer spielen dieser Tage ja nur einzelne Songparts ein, die sukzessive mittels Computerverarbeitung zu einem Song zusammengefügt werden. Das wollten wir nicht.

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Richmond Punks! STRIKE ANYHWERE.


Der Ansatz, politische Gedanken in persönlichen Geschichten auszudrücken und so Songs entstehen zu lassen ? wie kam es dazu?
Nun, ?Dead FM? ist unser drittes Album und dieses Album sollte keinesfalls eine Neuauflae von ?Change Is A Sound? oder ?Exit English? werden. Deswegen nahmen wir uns vor, gerade bei den Texten einmal etwas Neues auszuprobieren und uns der Herausforderung zu stellen, politisches Gedankengut persönlich zu äußern. Jeder Song auf diesem Album behandelt ein eigenes kleines Unterthema und alle 14 Songs schließen sich, so denke ich, gemeinsam wieder zu einem ganzen, in sich zusammenhängenden Bild zusammen.

War es schwierig, mit diesem Album Texte auf eine neue Art und Weise zu schreiben?
Schwierig ist das falsche Wort, um unsere Songwriting-Situation zu beschreiben. Denn wirklich Schwierigkeiten hatten wir beim schreiben der einzelnen Songs nicht. Uns plagte eine andere Lage: Wir hatten ca. zehn Songs geschrieben, sie passten aber nicht richtig zueinander. Sie wirkten so, als hätte man jeweils zwei von ihnen auf verschiedenen Singles veröffentlichen, aus ihnen aber keine gut klingende Songsequenz für ein Album erstellen können.

Und wie kamt ihr aus der Situation raus?
Es war gewissermaßen magisch, denn die letzten fünf oder sechs Songs, die wir schrieben, wurden zu den fehlenden Gelenken, die wir brauchten, um das Skelett zu verkomplettieren, wenn du so willst. Mit der Metapher will ich verdeutlichen, dass wir mit diesen Songs Stücke schrieben, die unsere bis dahin noch fragmentierten Stücke perfekt zusammenfügten. ?Sedition?, der erste Song des Albums, entstand beispielsweise in dieser Schreibe-Session. Nachdem wir die Songs geschrieben und das Album somit fertig hatten, war uns klar, dass ?Dead FM? anders sein würde als unsere ersten Alben und dass ?Dead FM? wirklich Substanz hat.

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Go, Thomas, go!

Du sprachst von anfänglich ca. 10 und dann noch einmal fünf bis sechs geschriebenen Stücke. Das impliziert, dass ihr mehr Stücke aufgenommen habt als auf ?Dead FM? sind. Wofür werden ihr sie verwenden?
Richtig, wir haben mehr Songs aufgenommen als die Songs, die auf ?Dead FM? veröffentlicht werden. Einen der zusätzlich aufgenommenen Songs werden wir ? und das ist mir sehr wichtig zu betonen ? für eine Support-Compilation verwenden. Diese wird auf die Website www.supportpeter.com aufmerksam machen und die Erlöse aus dem Verkauf werden Peter Young zu Gute kommen, dem die Website gewidmet ist. Er sitzt derzeit in den USA in Haft und sein Prozess wird bald eröffnet werden. Der Grund für seine Inhaftierung war, dass er Tiere befreite und dabei in den Augen der Justiz gegen Gesetzte verstieß. Mit dem Sampler, zu dem auch die BOUNCING SOULS und RISE AGAINST Songs beigesteuert haben, und der Website wird versucht, Geld zu sammeln, um Peter Young bei der Bewältigung der Anwalte- und Prozesskosten zu unterstützen.

Du lebst vegan, wie bist du dazu gekommen und auf setzt du dich neben deiner Ernährungsweise noch auf andere Weise für Tierrechte ein?
Ich muss zugeben, dass ich erst recht spät zum Tierrechts-Gedanken fand. Richmond, Virginia, wo ich aufwuchs, ist eine sehr konservative Stadt im Südosten der USA. Entsprechend zögerlich breitete sich dort alternatives Gedankengut aus. Selbst die zweite große Straight Edge-Welle, die Ende der 80er von Washington D.C. los ging, brachte Straight-Edge- und Tierrechtsgedanken nur zögerlich zu uns. Zudem ist die südamerikanische Küche von der Verwendung von Tierprodukten durchzogen. Diese Gerichte, von denen kaum eines vegetarisch ist, brachten mich zu der Erkenntnis, dass im Essen Tiere wortwörtlich verarbeitet wurden. Dies motivierte mich, Tiere zu retten, woraus wiederum die Erkenntnis erwuchs, dass ich mich in der letzten Konsequenz gänzlich vom Tierproduktkonsum trennen musste. So wurde ich vegan. Und ja, ich versuche mich so gut es eben geht ein zu bringen, wenn es darum geht, Tieren zu einem besseren Leben zu verhelfen. Dies versuche ich auf vielerlei Arten. Einerseits versuche ich den Tierrechtsgedanken durch meine Position als Sänger von STRIKE ANYWHERE in die Welt zu tragen. Daneben habe ich vor einigen Jahren ? wie eben angedeutet ? damit begonnen, ausgesetzte Katzen und Hunde zu retten und ihnen gemeinsam mit meiner Frau neue Herrchen und Frauchen zu suchen. In der Regel haben wir auch Hunde und Katzen von Menschen genommen, die sie schlecht behandelt haben. Sprich, wenn wir über einen längeren Zeitraum beobachtet hatten, dass ein Hund/eine Katze in einem Vorgarten stets angekettet war, nahmen wir das Tier und gaben es an neue Besitzer, denen wir vertrauten. Außerdem bestand eine Herausforderung darin, die lokalen Gangster zu überzeugen, ihre Hundekämpfe sein zu lassen und vor allem von der Praktik abzusehen, zwei Pitbull-Hunde, die gegeneinander kämpften, einen weiteren, hilflosen Nicht-Pitbull zu zerfleischen zu lassen bevor sie aufeinander losgingen. Ferner arbeite ich in der Zeit, die ich nicht mit STRIKE ANYHWERE auf Tour, im Proberaum oder Studio verbringe, in einem veganen Laden, der nur Produkte vertreibt, in deren Produktion keine Tierprodukte eingeflossen sind. Meine Frau graduiert darüber hinaus gerade in Jura und unser gemeinsames Vorhaben ist, eventuell gemeinsame Rechtsarbeit zu leisten und so zu Advokaten der Tierrechtsbewegung zu werden. Ich denke, dass man auf dieser Ebene, auch wenn sie eine gewisse Anpassung an bestehende Systeme verlangt, sehr viel Positives für die Tierrechtsbewegung tun kann.

Diese Anpassung an bestehende Systeme ? siehst du dies als Segen oder Fluch an, wenn es darum geht für politische Zwecke ? die Tierrechtsbewegung sei eingeschlossen ? zu kämpfen?
Als wir damals versuchten, gegen den Missbrauch von Katzen und Hunden vor zu gehen, war ich mir nicht sicher, ob ich es gut oder schlecht heißen sollte, mittels Polizeihilfe Leute an zu zeigen, die Tiere missbrauchten. Denn letztlich habe ich heute wie damals ein anarchistisches Selbstverständnis und sehe bzw. sah all die Ungerechtigkeiten, die die Autoritätsorgane gegenüber Menschen zeigten. Warum also, fragte ich mich, sollten sie Tieren helfen? Dazu kam meine grundsätzliche Abneigung gegenüber Polizisten und dem Staatssystem, so dass ich mich nicht sicher war, ob ich die Hilfe dieser Arme des Systems überhaupt in Anspruch nehmen wollte. Heute denke ich, dass ein hybrider Ansatz zum Zwecke der Förderung einer jeden, alternativ-politischen Idee förderlich ist. Einerseits ist die Grasswurzel-Bewegung extrem wichtig und sie darf in meinen Augen keinesfalls vernachlässigt werden. Denn sowohl in Tier- als auch in der Menschenrechtsbewegung sind Graswurzel-Bewegungen meist die Quelle des Kampfes für eine gute Sache. Sie gehen in der Regel vor, bevor der Mainstream von einer Sache etwas erfährt. Andererseits ist es auch wichtig, über den Tellerrand einer Graswurzel-Bewegung hinaus zu schauen und andere, neue Anhänger für eine Idee zu begeistern. Deswegen denke ich, dass politische als auch jede andere Bewegung bzw. Organisation, die versucht an bestehenden Zuständen etwas zu ändern, auch das Recht haben sollte Maßnahmen zu ergreifen, die von verschiedenen Kreisen als unpopulär klassifiziert werden. Eben weil sie den Mainstream ansprechen bzw. sich Mainstream-Medien zu Nutze machen.

Thomas, vielen Dank für das Gespräch!


Dich interessiert, warum Thomas D., Kool Savas, Morrissey, Eva Briegel von JULI, Mike Ness von SOCIAL DISTORTION, Andy von CALIBAN und die Jungs von RISE AGAINST überzeugte Vegetarier sind? Warum sich MY CHEMICAL ROMANCE und Ben von BILLY TALENT Gedanken über Tierrechte machen? Warum sich P!nk für die Tiere einsetzt und AS I LAY DYING gegen Pelze sind? Dann check doch mal unsere FAQS zu den Themen Vegetarismus, Pelze und Tierrechte. Leckere vegetarische Rezepte findest Du hier. Wenn Du weitere Fragen hast, schreib' uns einfach fix an: admin@peta2.de.

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