
Hardcore-Punk als Lebensentwurf - das Buch von TRUST-Macher Dolf!
Wir müssen mal etwas Grundsätzliches klären. Natürlich gratulieren wir jeder Band zu ihrem Erfolg und freuen uns, wenn engagierte PETA2-Supporter wie AFI, RISE AGAINST oder MAROON nach und nach in größeren Hallen spielen. Und freuen tun wir uns natürlich auch, wenn Stars wie P!NK, Morrissey, Thomas D. oder Kool Savas die ganz großen Läden rocken und dabei der Masse ein wenig Consciousness bei bringen.
Ebenso wie wir diesen Künstlern aber zu ihrem wachsenden Bekanntheitsgrad gratulieren, fühlen wir uns aber natürlich auch jeder kleinen Szene verbunden, in der Tierrechte von Anfang an eine Rolle gespielt haben, und in der dieser Gedanke ungeachtet von Erfolgen nach wie vor hoch gehalten wird. Eine solche Szene ist natürlich die Punk- und Hardcore-Szene, aus der ja unter anderem auch ANTI-FLAG, RISE AGAINST und MAROON hervor gegangen sind, und in der Tierrechte nach wie vor ein Thema sind, das man nicht wegdenken kann. Ebenso wie diese Tierrechtsethik ist in der Punkszene aber auch die Ethik verwurzelt, sich nicht selber zu verkaufen, sondern das zu tun, was man selber für richtig hält, ganz gleich, ob es einem zu Durchbruch verhilft oder nicht.

Dolf, Herausgeber des TRUST-Fanzines
Heute stellen wir Euch jemanden vor, der in dieser Szene von Anfang an dabei war, und der sich niemals darum gekümmert hat, zu welchen Erfolgen sein Handeln führt. Dolf Hermannstädter hat mit dem TRUST-Fanzine nicht nur eine der einflussreichsten Publikationen der ganzen deutschen Szene gegründet, sondern er blieb seiner Arbeitsweise und seinen Wertvorstellungen bis heute treu. Das TRUST war nie ein Populärschriftstück, sondern ein Fanzine, das von Ehrlichkeit und Offenheit lebt. Und in dem geschrieben wird, was man denkt. Nicht, was andere von einem erwarten. Allein das verdient schon eine Menge Respekt. Umso erfreulicher ist aber auch, dass Dolf seit 25 Jahren Vegetarier ist, und während wir noch nach einer Gelegenheit suchten, um mal mit ihm zu sprechen, lieferte der Bremer gleich selber den Anlass: Sein Buch "Got Me? Hardcore-Punk als Lebensentwurf" ist gerade erschienen und ein mehr als unterhaltsamer Schmöker geworden.

Hi Dolf, schön Dich zu sprechen, gib uns doch einen kurzen Überblick darüber, um was in Deinem ersten Buch geht.
?Got Me? Hardcore ? Punk als Lebensentwurf?ist eine Kolumnensammlung aller jemals im TRUST veröffentlichten Kolumnen, die ich zwischen 1986 bis 2007 geschrieben habe.
Du hast die HC/Punk-Szene in Deutschland ja von Anfang an mitbekommen und mitgeprägt. In welcher Hinsicht hat sich die Szene Deiner Meinung nach verändert?
Von "Veränderung" kann man da eigentlich gar nicht sprechen, so wie die Szene damals existierte, gibt es die heute nicht mehr. Die größte Veränderung ist wahrscheinlich, dass aus einer Handvoll Leuten, die das Gelände gefunden und sondiert haben, jetzt Hundertausende geworden sind, die das Terrain belegt haben, und meinen, sie wären tatsächlich Punk oder Hardcore oder Alternativ.
Du bist selbst schon lange Vegetarier, warum eigentlich?
Richtig, ich lebe seit gut einem viertel Jahrhundert (also 25 Jahre) vegetarisch. Am Anfang war es wegen den toten Tieren, die man nicht Essen muss, also die klassischen Tierrechtsgründe. Heute ist das auch noch so, aber ich denke auch schon lange, dass es viel gesünder ist. Und zumindest hier in der westlichen Welt gibt es für Leute, die nicht Teil des Problems sein wollen, eigentlich keine Alternaive zum Vegetarismus beziehungsweise Veganismus.
Woher kommt Dein Interesse an Tierrechten und welche Bedeutung hat das Thema für Dich?
Mein Interesse wurde davon stimuliert, dass ich mich sehr intensiv mit diversen Punkbands beschäftigt habe, die das Thema in ihren Texten behandelten. Darauf folgend habe ich mich dann immer mehr mit der Thematik beschäftigt, und dadurch immer neue Aspekte des Themas Tierrechte kennen gelernt. Wobei es da gar nicht so viel drüber zu lernen gibt. Man muss hier keine Tiere töten, um zu überleben. Auch deswegen finde ich das Thema noch immer sehr wichtig und halte deswegen keine Haustiere.
Würdest Du sagen, dass Punk und HC moralische Werte vermitteln sollten?
Ja, die "Standardmoral". Also folgende Werte und Verhaltensweisen gehören da meiner Meinung nach definitiv dazu: vegetarische Ernährung, atheistisch und fair sein, ehrlich sein (denen gegenüber, die es "verdienen"), Kritikfähigkeit haben, bewusst bzw. gar nicht konsumieren, Wiederbenutzen bzw. Wiederverwerten, Autos vermeiden, Rad fahren, Leute nicht nach ihrer Herkunft, ihrer "Rasse" ihres Geschlechts, oder gar ihres Aussehens beurteilen. Sondern an ihren Handlungen/Denkweisen, also was sie tun oder glauben. Den Umweltschutz praktizieren, eigenen Geschmack in jeder Hinsicht haben bzw. zu entwickeln und bei all dem den Spaß nicht vergessen!
Hast Du noch eine abschließenden Message an die Kids?
Lest das Buch, da steht alles drin!


