
Walter Schreifels - Man, Myth, Legend...und einfach nett.
Der Mann ist eine Legende. Aber keine protzige mit Rockstar-Attitüde, sondern eine bescheidene, sogar eher stille und dennoch lustige und alberne. Dennoch: eine Legende. Wir reden über Walter Schreifels, den Mann, der in mehr bedeutenden Hardcore-Bands mitgewirkt hat, als Ihr wahrscheinlich Schallplatten im Schrank stehen habt, na ja: fast ;)
Der New Yorker und einst vorübergehender Wahl-Berliner kommt nun auf Deutschland Tour. Mit im Gepäck hat er sein neuestes Solo-Album "Open Letter To The Scene". Und da wir hier bei peta2 schon immer auf seine Musik standen und er auch mal bei mir um die Ecke gewohnt hat, supporten wir ihn natürlich! Immerhin: Er ist eine Legende!

Walter im Görli hier in Berlin.
Im Gespräch mit Walter
Hey Walter, musikalisch bist Du einen ziemlich weiten Weg gegangen. Du hast in Bands gespielt, für die sich viele Leute wohl ohne drüber nachzudenken den kleinen Finger absäbeln würden, hätten sie Deinen Platz einnehmen können: YOUTH OF TODAY, GORILLA BISCUITS oder CIV - einfach legendäre Bands, die wohl nie in Vergessenheit geraten werden. Danach hast Du eher ruhigere Töne angeschlagen mit Bands wie RIVAL SCHOOLS, THE WALKING CONCERToder jetzt auf Solo-Pfaden. Wie fühlt sich diese Entwicklung heute für Dich an, wenn Du zurückblickst?
Ich habe einfach echt Glück gehabt, die Chance zu bekommen mich als Songwriter entwickeln zu können und das über eine relativ lange Karriere hin. Meine Anfänge im Hardcore-Bereich haben mir definitiv sehr dabei geholfen, meinen persönlichen Stil und Einstellung zu entwickeln, aber ich arbeite auch heute aktiv daran, unbeschrittene Pfade zu erkunden und einfach neue Dinge auszuprobieren.
Wir wissen, dass Du kein Fleisch isst. Was würdest Du als Deine Hauptgründe dafür nennen?
Ehrlich gesagt habe ich mich mittlerweile einfach daran gewöhnt und es für mich zu einer Normalität geworden. Ganz zu Beginn war es sogar relativ schwer für mich, weil ich in punkto Essen einfach so unkreativ war und total auf McDonalds stand. Ich bekam dann aber sehr viel Support von Freunden von mir, die ebenfalls Vegetarier waren. Zurückblickend denke ich, dass es mir schon sehr geholfen hat, eine starke moralische Komponente zu haben, wie man sie in der Hardcore-Szene oft finden kann, um meiner Einstellung diesbezüglich treu zu bleiben. Außerdem habe ich Ray Cappo (YOUTH OF TODAY, SHELTER) extrem viel zu verdanken, was meine fleischlose Ernährung angeht!

Die neue Platte: Wir sind gespannt!
Erzählst Du uns ein bisschen was über die Themen auf Deiner neuen Platte "Open Letter To The Scene"?
Die Songs handeln vor allem über meine Erlebnisse als Musiker, als New Yorker, als Mensch der sehr viel reist, und über meine Liebe zu Filmen, Musik, Kultur. Außerdem geht es um Liebe, Hoffnung, Tod und Verlust.
Während Deiner Zeit in Berlin hast Du quasi um die Ecke von mir gewohnt. Einmal saßen wir uns in der U-Bahn direkt gegenüber und plötzlich klingelte mein Handy mit nem selbstgemachten Gorilla Biscuits-Klingelton. Zum Glück hast Du es irgendwie nicht mitbekommen, haha. Wie is Deine Beziehung zu Berlin heute? Bist Du immer noch regelmäßig hier?
Wow, geil! Ich vermisse Berlin und vor allem Neukölln sehr! Das mit dem Klingelton ist echt lustig, ich hab´s damals anscheinend wirklich nicht gehört! Aber ich finds super, gute Wahl! ;) Ich habe mich damals gleich bei meinem ersten Berlin-Besuch in die Stadt verliebt. Damals stand die Mauer noch und ich, als Kind des Kalten Krieges, hatte den Eindruck, dass die Menschen in Berlin so ein gefährliches und spannendes Leben führten. Außerdem gab es damals in Berlin meiner Meinung nach die mit Abstand beste Hardcore-Szene in ganz Europa. Ich war auch in Berlin kurz nachdem die Mauer dann letztlich fiel und es war einfach unglaublich. Irgendwo habe ich immer noch ein Fun-Shirt von Erich Honnecker. Richtig nach Berlin gezogen bin ich dann 2006 als gerade die Fußball-Weltmeisterschaft abging und die gesamte Atmosphäre in der Stadt war einfach Wahnsinn. Ich habe einfach so viele gute Freunde in Berlin, so dass sich die Stadt wie ein 2. Zuhause für mich anfühlt.
Wo werden wir die Möglichkeit haben, Dich live in Deutschland zu sehen, großer weiser Mann des Hardcores? ;)
Ich werde im Mai wieder in Deutschland sein und mein neues Album "Open Letter To The Scene" vorstellen. Ich kann´s kaum abwarten!
Wir danken Dir, Walter!
Das Gespräch führte unser Kollege Hendrik



