
WEAKERTHANS, THE - Empathische Jungs im PETA2 Spotlight!
Liebe Freunde, zwar schickt sich der Herbst an, eine musikalisch eher ruhige Jahreszeit zu werden. Dass dies aber nichts schlechtes ist, dass ist uns schon lange und Euch doch hoffentlich auch klar?! Mit THE ROBOCOP KRAUS kennt Ihr ja schon eine der Bands, die Euch und uns den Herbst mit gelungenem Indie versüßen werden. Und heute stellen wir Euch schon die nächste Band vor, die einen mehr als deutlichen Tierrechtsbezug hat und wirklich tolle Musik spielt: die WEAKERTHANS aus Winnipeg, Kanada!

Sympathis und empathisch: John von den WEAKERTHANS.
Natürlich - das wissen auch wir - werden die aufmerksamen Musikbeobachter unter Euch die Band um Sänger John K. Samson schon lange kennen. Schließlich veröffentlichte Band kürzlich ihr viertes Album, das durch und durch begeistert. "Reunion Tour", so der Titel des Longplayers, beeindruckt durch seine wunderschönen Songmomente; Indie-, Pop-, Folk- und Rockeinflüsse fesseln den Hörer ein ums andere Mal und machen klar: Die WEAKERTHANS zementieren ihren Ausnahmestatus hier mehr als gelungen. Neben dem beeindruckenden Sound der Band begeistert uns aber vor allem die Tatsache, dass WEAKERTHANS-Kopf John K. Samson seit 15 Jahren überzeugter Vegetarier ist. Da konnten wir die Gelegenheit natürlich nicht ungenutzt lassen, einmal mit ihm über seine Überzeugung und natürlich über seine Musik zu plaudern.
John, du bist ja schon seit 15 Jahren ein engagierter Vegetarier. Was hat Dich damals bewogen Vegetarier zu werden?
Dass ich Vegetarier wurde, das war eine politische Entscheidung. Damals war ich 19 Jahre alt und ich versuchte immer wieder, mich in andere Menschen und andere Lebewesen hinein zu versetzen, die von politischen Maßnahmen oder auch einfach nur vom alltäglichen Leben, wie wir Menschen es lebten, betroffen waren. Im Zuge dessen habe ich mich auch wiederholt in Tiere hinein versetzt. Es ist ja kein Geheimnis, dass Tiere dem Menschen sehr ähnlich sind: sie empfinden ebenso wie Menschen Freude, Ängste und haben ebenso wie Menschen gewisse Lebensgewohnheiten. Dies hatte ich im Hinterkopf, als ich versuchte, mich in Tiere hineinzuversetzen und nachzuempfinden, wie es ihnen wohl gehen muss, wenn ihnen für die menschliche Ernährung und für die Befriedigung menschlicher Luxuswünsche Leid zugefügt wird. Schnell war mir klar, dass das den Tieren zugefügte Leid völlig unnötig ist, was die politische Basis für eine klar Entscheidung war: Ich wurde Vegetarier. Aus diesem Grund bin ich auch gegen Tierversuche, von denen ich denke, dass sie ein unglaublich respektloses Vorgehen sind. Besonders vor dem Hintergrund, dass schon mehrfach bewiesen wurde, dass Tiere nicht einmal die beste Grundlage sind, um wahrheitsgetreue Ergebnisse aus den Tests zu gewinnen. Denn alternative Testverfahren liefern ja in der Regel viel verlässlichere Ergebnisse, als Tierversuche.
Versuchst du denn oft, dich in die Lage anderer hineinzuversetzen?
Oh ja, das versuche ich sehr oft. Seit jeher lese ich viel und versuche, mich möglichst umfassend über alles zu informieren, was auf der Welt passiert und auch darüber zu lernen, was in der Vergangenheit bereits passiert ist. Hierbei kam ich immer wieder mit verschiedenen Sichtweisen in Kontakt, was denke ich dazu geführt hat, dass ich irgendwann von alleine anfing über Dinge, die ich wahrnahm, aus mehreren Perspektive nachzudenken. Dieses Vorgehen, diese Empathie, wenn ihr so wollt, ist die Basis meines kompletten politischen Bewusstseins und Handelns. Denn durch sie wird mir ein wenig klarer, wie andere Menschen bzw. Lebewesen von meinem Handeln betroffen sind.

In jungen Jahren: John.
Definitiv, so gut wie alles, was man tut, hat einen politischen Aspekt. Auch, wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint oder man die politische Komponente des eigenen Handelns zunächst nicht sieht. Aber auf dieser Welt sind doch so viele Dinge miteinander verbunden, dass dein heutiges Tun fast immer eine Konsequenz an einer anderen Stelle der Welt auslöst. Deswegen ist Vegetarismus für mich auch ein sehr politisches Statement. Denn dadurch unterstützt du gewisse Mechanismen nicht. Eben die, die Tieren Leid zufügen. Dadurch wird Vegetarismus sogar zu einer sehr wichtigen Komponente des täglichen politischen Lebens.
Sprich du stimmst uns zu, wenn wir sagen, dass Vegetarismus eine Interpretation des Statements "Think globally, act locally" sein kann?
Ja, dem stimme ich zu.
Wie schätzt Du denn die Entwicklung von Vegetarismus in den letzten zehn Jahren ein. Denkst Du, dass Vegetarismus heute populärer ist, als 1997?
Sicher, als ich Vegetarier wurde war es ziemlich schwer, Plätze zu finden, wo du gutes Essen bekommen hast, was 1997 wohl immer noch so war, sich bis heute aber stark geändert hat. Ganz generell habe ich das Gefühl, dass sehr viel mehr Menschen als zuvor sich mit dem Gedanken auseinander setzen, Vegetarier zu werden. Oder zumindest, dass sich mehr Menschen als zuvor generell mit tierrechtlich-politischen Fragen beschäftigen, sich infolgedessen bewusster ernähren und z.B. erkennen, welche klimapolitischen Konsequenzen ihr Handeln und ihre Ernährung haben. Dies hat dazu geführt, dass man in meinen Augen überall auf der Welt und auch in eigentlich jedem Mainstream-Restaurant sehr gutes vegetarisches Essen bekommt, was vor zehn Jahren nicht der Fall war. In dieser Hinsicht hat man es heutzutage mehr als leicht, vegetarisch zu leben. Eine andere Entwicklung, die ebenso wertvoll ist, ist die, dass ich auf der Welt immer mehr D.I.Y.-Einrichtungen gefunden habe, die wirklich tolles fleischfreies Essen anbieten. In Winnipeg, wo ich wohne, gab es schon länger solche netten kleinen Höfe. Mittlerweile finde ich sie aber auch in den USA und Europa, was großartig ist.

Nett aufgelegt: John.
Ja, das habe ich. Von Anfang an war ich der Überzeugung, dass sich nach und nach mehr Menschen mit politischen Fragen und damit auch mit Fragen einer vegetarischen Ernährung auseinandersetzen würden. Außerdem bin ich der Meinung, dass dies nicht unbedingt nur eine populäre Strömung der letzten Jahre ist. Sondern, dass Vegetarismus schon immer ein gesellschaftliches Thema war, das sich in einem konstanten Popularitätsaufschwung befindet. Deswegen denke ich auch, dass der heutige Status, wo sich viel mehr Menschen als zuvor mit Vegetarismus beschäftigen, nur ein Zwischenstadium ist. Es wird weitergehen und das Thema wird immer mehr an Wichtigkeit gewinnen, da bin ich mir sicher.
Du sprachst ja bereits klimapolitische Probleme an. In wie fern siehst du eine Verbindung zwischen dem Klimaschutz und Vegetarismus?
Eine Verbindung zwischen beidem besteht insofern, als dass die massive Aufzucht von Rindern zu Schlachtzwecken schon seit je her ein Umweltproblem darstellt, da dadurch eine Menge CO2 freigesetzt wird. Wenn man sich vegetarisch ernährt, dann unterstützt man diese Zuchten nicht, was insofern also auch ein Statement ist, um den Konsequenzen des Klimawandels entgegen zu wirken und sich für Klimaschutz einzusetzen. In meinen Augen kommt man nicht darum herum, Vegetarismus und Klimaschutz zu verbinden. Ich sagte ja schon vorher, dass heutzutage sehr viele Dinge miteinander in Verbindung stehen, was persönlichem Handeln einen politischen Ton gibt. Vegetarismus und Klimawandel sind nun zwei dieser Dinge.
Was ist denn Dein liebstes vegetarisches Essen?
Puuh, das ist eine schwer zu beantwortende Frage. Das ist wie die Frage nach meinen Lieblingsbands: in dem Moment, wo ich antworten muss, fällt mir gar nichts ein. Danach fallen mir aber etliche ein. Aber, wartet mal, hmhh, ich würde sagen, dass ich italienisches Essen sehr gerne mag. Eine einfache, aber frische Pasta, finde ich lecker. Aber mexikanisches Essen - am liebsten mit Kidney-Bohnen - esse ich auch mit Vorliebe, weil Kidney-Bohnen sehr erfrischend sind.
Ganz zu Beginn sprachen wir darüber, dass du versuchst, dich in andere Menschen und auch in Tiere hineinzuversetzen. In wie fern ist diese Empathie eigentlich für die Musik der WEAKERTHANS relevant?
Empathie ist eines der zentralen Themen auf "Reunion Tour", unserem neuen Album. Denn in jedem Song versuche ich, mich in einen anderen Menschen hinein zu versetzen und nachzuvollziehen, wie Ausschnitte seines Lebens wohl auf ihn gewirkt haben.
Was war der Reiz daran?
Ganz einfach: ich kannte kaum einen dieser Menschen. Dadurch aber, dass ich mich mit ihnen beschäftigte, versuchte ich, sie näher kennen zu lernen und ihr Wesen zu erforschen, bevor ich einen Song über sie oder aus ihrer Sicht schrieb. Ich sagte ja schon, dass es für mich ein politisches Statement ist, die Welt aus der Sicht der Tiere zu sehen und daraufhin Vegetarier zu werden. Genauso war es bei der Arbeit an "Reunion Tour" ein politisches Statement für mich, mich in die Sicht anderer Menschen hinein zu versetzen und ihre Weltsicht zu verarbeiten. Hier besteht insofern eine Verbindung zur Politik, als dass ich denke, dass viele Probleme auf dieser Welt nicht existieren würden, wenn Personen, die wichtige Entscheidungen treffen, sich nur einmal in die Lage anderer versetzen würden.
Versetzt Du Dich beim Songwriting denn eher in Menschen, mit denen Du sympathisierst, oder in Menschen, die Du nicht magst?
Oh, ich versuche mich in beide Arten von Menschen zu versetzen. Sprich ich schreibe sowohl aus der Warte derer, die ich mag. Als auch aus der Warte derer, die ich nicht so gerne mag.
Aber steuert Deine Sympathie für einen Menschen nicht ganz stark die Art, wie Du letztlich den Song schreibst?
Ihr habt Recht, man neigt dazu, eher gnädig über diejenigen zu schreiben, die man mag und die, die man nicht mag, eher schlecht zu stellen. Ich versuche aber, das zurück zu drängen. Die Charaktere sollen ein Eigenleben entfalten, das zunächst nicht von meinem Gefühl gegenüber der Person geprägt ist. Sondern das neutral von mir die Qualitäten jedes einzelnen Charakters betont und so in den Songs deutlich werden lässt.
Auf "Reconstruction Site", dem Vorgänger-Album von "Reunion Tour", ist ja der Song "Plea from a Cat named Virtute". Nun setzt Du die Geschichte dieser Katze auf "Reunion Tour" mit dem Song "Virtute the Cat explains her Departure" fort.
Richtig, Virtute ist eine Katze, in die ich mich hinein versetzt habe und versucht habe, ihre Geschichte in diesen zwei Songs nach zu zeichnen. In "Plea from a Cat named Virtute" stellt die Katze ja eine Bitte an ihren Besitzer: Virtute bittet ihn, ihr mehr Beachtung zu schenken und auch die großartigen Dinge zu erkennen, die für Virtute und ihr Leben relevant sind. Nachdem der Song fertig und das Album erschienen war, dachte ich darüber nach, wie die Geschichte wohl weiter gehen würde und wie sich das Verhältnis von Virtute und ihrem Besitzer wohl weiter entwickeln würde. Es war ja unklar, ob und wie der Besitzer auf Virutes Bitte reagiert. Ich kam zu dem Gedanken, dass er die Bitte wahrscheinlich nicht erhören würde. Daraufhin verlässt ihn Virtute und führt ein eigenes Leben. Sie versorgt sich fortan selber und lebt in einer ihr würdigen Weise.
Hast Du denn auch versucht, Dich in den menschlichen Mitbewohner von Virtute zu versetzen?
Ja, das habe ich getan. Allerdings würde ich sagen, dass ich definitiv auf der Seite der Katze stehe und nicht auf der ihres "Besitzers". Was daran liegt, dass der Besitzer eine Person ist, die sich gar nicht anpassen, die nicht auf Veränderungen im Leben reagieren kann. In meinen Augen ist es aber sehr wichtig, dass man sich verändern und unter anderen, als den bisher bekannten Bedingungen, zurechtfinden kann. Genau das tut ja Virtute, wenn sie ihn verlässt.
In wie fern ist denn das Verhältnis zwischen Mensch und Tier generell Thema der Songs?
Insofern als dass ich denke, dass Menschen Tiere oftmals nicht in der richtigen Weise behandeln. Viele meinen, Tiere könne man wie Menschen behandeln und suchen deswegen in ihnen auf gewisse Weise einen Ersatz, mit dem sie genauso kommunizieren können, wie mit anderen Menschen. Das halte ich nicht für die richtige Herangehensweise, weil Tiere mitunter eine ganz andere Art von Hinwendung und Behandlung brauchen, als Menschen.
Du hast einen eigenen kleinen Verlag, der "Arbeiter Ring" heißt. Magst Du noch kurz etwas dazu sagen?
Sicher, ich habe "Arbeiter Ring" 1997 zusammen mit einem Freund gegründet. Wir sind ein Verlag, der linkspolitische Bücher und Schriften veröffentlicht und um den ich mich immer dann kümmere, wenn ich nicht mit den WEAKERTHANS unterwegs bin oder mich anderweitig um die Band kümmern muss. Arbeiter Ring baut auf dem Prinzip der "Partizipativen Ökonomie" auf. Dies ist ein Modell, das in den USA entwickelt wurde und in vielen Kollektiven angewendet wird. Es baut auf der Idee auf, dass die Arbeit der Angestellten würdigend ist und vor allem fair bezahlt wird.
John, vielen Dank für das Interview!
Dich interessiert, warum Thomas D., Kool Savas, Morrissey, Eva Briegel von JULI, Mike Ness von SOCIAL DISTORTION, Andy von CALIBAN und die Jungs von RISE AGAINST überzeugte Vegetarier sind? Warum sich MY CHEMICAL ROMANCE und Ben von BILLY TALENT Gedanken über Tierrechte machen? Warum sich P!nk für die Tiere einsetzt und AS I LAY DYING gegen Pelze sind? Dann check doch mal unsere FAQS zu den Themen Vegetarismus, Pelze und Tierrechte. Leckere vegetarische Rezepte findest Du hier. Wenn Du weitere Fragen hast, schreib' uns einfach fix an: admin@peta2.de.
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