Das Interview mit Sänger Sascha
Hey Sascha, danke erstmal, dass du dir Zeit für uns und unsere Fragen nimmst. Mir wurde gezwitschert, du seist vegan. Stimmt das? Ja, das ist richtig. Angesichts von Transit-Poetry-Songs wie 'Vegan Revolution' von unserem letzten Album 'Evocation Of Gaia' liegt die Vermutung ja auch nahe :-)
Wie lange bist du denn vegan und aus welchen Gründen bist du es geworden? Ich lebe nun seit über fünf Jahren vegan und war zuvor über zehn Jahre meines Lebens Vegetarier. Irgendwann stellte sich mir jedoch die Frage, ob ich da wirklich konsequent genug bin, da es mir neben dem gesundheitlichen Aspekt immer auch um die ethische Seite ging. Ich fand den Gedanken seit jeher widerwärtig, dass andere Kreaturen ihr Dasein auf diesem Planeten nur erleiden müssen, damit Menschen sie essen können. Schließlich können wir uns auch problemlos rein pflanzlich ernähren. Genauso widerwärtig ist es, dass die Menschen in der westlichen Welt die Grundnahrungsmittel der armen Länder über den 'Umweg Tier' verschwenden und so indirekt für den Hunger dort verantwortlich sind. Was für andere normal ist, ist für mich krank. Daher habe ich für mich irgendwann die Entscheidung getroffen, die Augen nicht mehr zu verschließen, da ich nicht möchte, dass Tiere oder Menschen für mich leiden oder sterben müssen."
War es schwer für dich, Lebensmittel wie Milch und Eier zu ersetzen? "Nein, ich hatte aufgrund meiner starken Überzeug den unabdingbaren Willen das durchzuziehen und es hat gut geklappt. In meinen Vegetarierzeiten habe ich dies auch nicht für möglich gehalten und Veganismus unbewusst immer mit Askese gleichgesetzt. Aber je besser ich mich informiert habe, desto einfacher wurde es. Man muss nur sein Einkaufs- und Kochverhalten ändern und mehr selber zubereiten – dann bedeutet es eigentlich gar keinen großen Verzicht. Daher kann ich Fleisch essenden Menschen immer guten Gewissens erzählen, dass ich mich keineswegs nur von Gras ernähre, sondern dass mein Speiseplan ganz ähnlich aussieht wie der ihrige – nur dass ihm andere Zutaten zugrunde liegen. Mir geht es gut und mir fehlt nichts. Mittlerweile ist diese Lebensweise für mich absolute Normalität und ich finde es eher unnormal, dass andere Leute Fleisch essen. Nur im Gespräch mit solchen Menschen muss ich mich doch hin und wieder wundern, wie ungewöhnlich sie mich finden. Dann kommen natürlich immer die üblichen Fragen nach Mangelerscheinungen und Pseudoargumente à la 'der Mensch isst schon seit jeher Fleisch und braucht es'. Aber ich glaube die meisten Leute sind einfach nur schlecht informiert und in ihren Konventionen gefangen.

Sänger Sascha im interview
Was müsste denn deiner Meinung nach als erstes passieren, um den Tieren ein besseres Leben zu garantieren? Ganz klar, der Wandel müsste in den Köpfen der Menschen passieren. Es müsste eine tiefgreifende 'spirituelle Revolution' geben, damit wir wieder realisieren, dass wir uns nicht dauerhaft über die Natur erheben können, ja, dass wir keine Könige sind, denen alle anderen Lebewesen und dieser Planet zur Ausbeutung dargereicht wurden, sondern ebenfalls ein – zugegeben recht intelligenter – Teil der natürlichen Kreisläufe. Daher ist ein Menschenleben nicht mehr wert als das Leben jedes anderen Lebewesens. Ich glaube, die meisten Menschen befinden sich in einer Art Schlaf und sind zutiefst unbewusst. Sie leben zwar irgendwie vor sich hin, aber sie haben den Kontakt zu ihrem inneren Selbst und ihren Ursprüngen verloren. So erscheint das Leben sinnlos und leer und man versucht, diese Leere mit maßlosem Konsum, materiellen Gütern, Geld und Macht zu kompensieren. Das übermäßige Essen von Fleisch, ohne sich selbst die Finger schmutzig zu machen und über die Herkunft desselben nachzudenken, passt mir da nur zu gut in diese Reihe von Ersatzbefriedigungen. Ich glaube, dass vorher alle Aktionen, wie z.B. meine Lieder, nur Tropfen auf den heißen Stein sind, jedoch durchaus notwendige Tropfen, denn steter Tropfen höhlt den Stein und ich glaube an die Theorie einer kritischen Masse. Diese besagt: Es bedarf nur einer gewissen, gar nicht so großen Menge an Menschen, die ein bestimmtes Ideal haben, dann wird es auf viele andere ebenfalls übergehen. Ähnlich wie bei Tieren, die sich eine Verhaltensweise aneignen, die von ihren Artgenossen auf anderen Kontinenten ohne direkten Kontakt plötzlich übernommen wird. Das gibt mir Hoffnung auf eine bessere Zukunft ...
Irgendein Lieblingszitat zum Abschluss? Ein schönes Zitat aus dem Zitatkalender hier an meinem Schreibtisch:
'Utopien sind nicht Träumereien, sondern sie sind die Voraussetzung für eine kreative Gestaltung der Zukunft.' (Hans-Peter Dürr).