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FAQ Tierversuche

"Verdanken wir Tierversuchen nicht jeden wesentlichen medizinischen Fortschritt?"

Medizinhistoriker haben gezeigt, dass seit 1900 Verbesserungen bei Ernährung und Hygiene und andere Verhaltens- und Umweltfaktoren - und weniger die aus Tierversuchen gewonnenen Erkenntnisse - verantwortlich sind für eine sinkende Todesrate von gängigen infektiösen Krankheiten, und dass Medizin wenig mit einer steigenden Lebenserwartung zu tun hat. Viele der wesentlichen Fortschritte im Bereich der Gesundheitsvorsorge können Studien mit Menschen zugeschrieben werden, die in vielen medizinischen Bereichen zum Durchbruch geführt haben, wie z.B. die Entwicklung der Anästhesie, das Stethoskop, Morphium, Radium, Penicillin, künstliche Beatmung, Röntgenstrahlen, Antiseptika sowie CAT, MRI und PET Scans; das Studieren der Bakteriologie und Keimtheorie, die Entdeckung des Zusammenhangs zwischen Cholesterin und Herzerkrankungen, und der Verbindung zwischen dem Rauchen und Krebs, die Isolierung des Viruses, der AIDS verursacht. Tierversuche spielten bei diesen und anderen wesentlichen medizinischen Errungenschaften keine Rolle.



"Aber wurden nicht Tiere benutzt, um viele der bedeutenden Behandlungen zu entwickeln, die wir heute nutzen, wie beispielsweise der Polio-Impfstoff?"

In Wirklichkeit sieht es so aus, dass zwei unterschiedliche Arbeiten an Polio vorgenommen wurden: die in vitro (im Reagenzglas), für die es den Nobelpreis gab und an der keine Tiere beteiligt waren, und die Tierversuche, für die eine erschütternde Zahl an Tieren getötet wurde. Der Nobelpreisträger Arthur Kornberg merkte an, dass die 40 Jahre an Experimenten, bei denen Affen mit Polio infiziert wurden, "mäßige Fortschritte" in Richtung auf eine Heilung gebracht hätten. Der Durchbruch kam, als Wissenschaftler lernten, wie man den Virus aus menschlichen und Affenzellen züchtet.
Sicherlich sind einige medizinische Weiterentwicklungen auch das Ergebnis grausamer Tierversuche, dies jedoch bedeutet keinesfalls, dass diese Fortschritte nicht auch ohne Tierversuche möglich gewesen wären oder dass die primitiven Techniken aus dem Jahre 19. Jahrhundert heute noch Gültigkeit besitzen. Es lässt sich unmöglich sagen, wo wir ständen, wenn wir nur Forschung ohne Tierversuche durchgeführt hätten, denn während der gesamten Medizingeschichte wurde nur sehr geringe Mittel auf tierversuchsfreie Forschungsmethoden verwendet. Da Tierversuche jedoch häufig ganz irreführende Ergebnisse liefern, wenn es um die menschliche Gesundheit geht, wären wir vermutlich besser dran, wenn wir uns nicht so lange schon auf Tierversuche gestützt hätten.



"Haben Wissenschaftler nicht die Verantwortung, Tiere zu benutzen, um Heilmittel für Krankheiten des Menschen zu finden?"

Menschen aufzuklären und sie dazu anzuhalten, Fett und Cholesterin zu meiden, nicht zu rauchen, Alkohol- und anderen Drogenkonsum zu reduzieren, regelmäßig Bewegung zu haben und die Umgebung sauber zu halten, rettet mehr Menschenleben und vermeidet mehr menschliches Leiden als alle Tierversuche auf Erden. Tierversuche sind primitiv, moderne Technologien und klinische Studien mit Menschen sind viel effektiver und zuverlässiger.
Selbst wenn wir zur Benutzung von Tieren keine Alternativen hätten, was nicht der Fall ist, wären Tierversuche aus ethischen Gründen noch immer inakzeptabel. Wie George Bernard Shaw einst sagte: "Man entscheidet nicht, ob ein Experiment gerechtfertigt ist oder nicht, indem man einfach zeigt, dass es irgendwie von Nutzen ist. Experimente unterscheidet man nicht nach nützlich oder nutzlos, sondern nach barbarisch oder zivilisiert." Schließlich gibt es da vermutlich einige medizinische Probleme, für die nur ein Heilmittel gefunden werden kann, wenn man an unfreiwilligen Menschen testet; solche Tests jedoch führen wir nicht durch, da wir erkennen, dass dies nicht richtig wäre.



"Wenn wir nicht Tiere benutzen würden, müssten wir dann nicht neue Medikamente an Menschen testen?"

Es geht nicht darum, zwischen Mensch oder Tier zu wählen. Es gibt keine Garantie dafür, dass Medikamente sicher sind - auch nicht, wenn sie an Tieren getestet wurden - denn wegen der physiologischen Unterschiede zwischen Menschen und anderen Tieren können die aus Tierversuchen gewonnenen Ergebnisse nicht exakt auf Menschen übertragen werden. Manche Medikamente, die aufgrund der Tierversuche für den Markt zugelassen wurden, können schwere, unerwartete Nebenwirkungen zeigen. Ein Bericht aus dem Jahre 2002 im Journal of the American Medical Association kam zu dem Schluss, dass in den letzten 25 Jahren mehr als 50 der von der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA für den Markt freigegebenen Medikamente vom Markt genommen oder neu gekennzeichnet werden mussten, da sie "unerwünschte Nebenwirkungen" zeigten. Zu den betreffenden Medikamenten zählten z.B. im Jahr 2000 das populäre, verschreibungspflichtige Medikament gegen Sodbrennen Propulsid (wurde entfernt, da es "tödliche Herzrythmusanomalien" verursachte), das Diabetesprodukt Rezulin ("wurde entfernt, weil es Leberversagen verursachte") sowie das Medikament zur Behandlung von Reizdarm Lotronex ("wurde entfernt, weil es tödliche Verstopfung und Kolitis verursachte"). Nach Angaben des Hauptautors der Studie "[werden] alljährlich Millionen Patienten potentiell unsicheren Medikamenten ausgesetzt." Wenn die Pharmaindustrie also von Tierversuchen auf moderne tierversuchsfreie Forschungsmethoden umsteigen würde, wären wir Verbraucher deutlich besser vor Nebenwirkungen geschützt, und nicht schlechter.



"Wenn wir nicht an Tieren testen würden, wie würden wir dann medizinische Forschung betreiben?"

Klinische und epidemiologische Studien mit Menschen, Studien an Körperspenden sowie Computer-Simulationen sind schneller, zuverlässiger, weniger kostspielig und viel humaner als Tierversuche. Erfinderische Wissenschaftler haben auf der Basis menschlicher Gehirnzellen ein "Microgehirn"-Modell entwickelt, das benutzt werden kann, um Tumore zu studieren; sie haben auch künstliche Haut und Knochenmark entwickelt. Anstatt Tiere zu töten, können wir jetzt die Reizung an Eiermembranen testen, Impfstoffe aus Zellkulturen produzieren und Schwangerschaftstests an Blutproben durchführen. Wie Gordon Baxter, der Mitbegründer von Pharmagene Laboratories, einer Firma, die nur menschliches Gewebe und Computer zur Entwicklung und für Medikamententests verwendet, sagt: "Wenn man Informationen zu menschlichen Genen hat, was macht es dann für einen Sinn, den Schritt zurück zum Tier zu machen?"



"Helfen denn Tierversuche nicht, auch die veterinärmedizinische Wissenschaft weiterzubringen?"

Es geht nicht darum, ob Tierversuche Menschen oder Tieren einen Nutzen bringen könnten. Der Punkt ist vielmehr, dass wir moralisch keinerlei Recht haben, diejenigen, die unserer Gnade ausgesetzt sind, unnötigem Leiden auszusetzen. Zu sagen, es sei akzeptabel, Tierversuche durchzuführen, um die veterinärmedizinische Forschung weiterzubringen, wäre ja, wie wenn man sagt, es sei akzeptabel, an armen Kindern zu testen, damit reiche Kinder davon profitieren.



"Müssen Studenten der Medizin nicht Tiere sezieren?"

Nein, müssen sie nicht. Es ist vielmehr so, dass viele Medizinstudenten das Sezieren mittlerweile bewusst ablehnen und es vorziehen, erfahrenen Chirurgen zu assistieren, um zu lernen, anstatt Tiere zum Üben zu benutzen. In Großbritannien verstößt es für Medizinstudenten gegen das Gesetz, chirurgische Eingriffe an Tieren zu üben, und britische Ärzte sind genauso kompetent wie solche, die andernorts ausgebildet wurden. Viele der führenden US-amerikanischen Unis für Medizin, darunter Harvard, Yale und Stanford, setzen jetzt innovative klinische Ausbildungsmethoden ein anstatt grausame Tierlaborverfahren. Harvard beispielsweise bietet ein Herz-Anästhesie-Praktikum, in dessen Verlauf Studenten Herzbypass-Operationen am Menschen beobachten anstatt Eingriffe selbst an Hunden vorzunehmen. Die Experten in Harvard, die dieses Praktikum entwickelten, empfehlen, es auch andernorts einzusetzen.



"Sollte man alle Medikamente, die einmal an Tieren getestet und entwickelt wurden wegschmeißen? Würdet Ihr es ablehnen, die zu nehmen?"

Leider ist so manches in unserer Gesellschaft durch die Ausbeutung anderer entstanden. So wurden beispielsweise viele der Straßen, auf denen wir noch heute fahren, von Zwangsarbeitern gebaut. Wir können die Vergangenheit nicht ändern; diejenigen, die leiden und sterben mussten, sind unwiederbringlich verloren. Aber wir können die Zukunft ändern, indem wir von nun an tierversuchsfreie Forschungsmethoden anwenden.



"Schützt das Gesetz die Tiere nicht vor Tierquälerei?"

„Das deutsche Tierschutzgesetz unterscheidet bei Tierversuchen zwischen Anzeige- und Genehmigungspflicht. Zu den anzeigepflichtigen Tierversuchen zählen vor allem gesetzlich vorgeschriebene Tests, z. B. toxikologische Untersuchungen, also Tests, bei denen Tiere in großer Zahl vergiftet werden, sowie die Prüfung von Impfstoffen. Für diese besonders qualvollen Versuche muss der Experimentator lediglich ein Formular ausfüllen. Andere Tierversuche, vor allem im Bereich der Grundlagen- und Arzneimittelforschung, bedürfen der Genehmigung durch die Genehmigungsbehörde, meist das zuständige Regierungspräsidium. Ihm steht eine sogenannte Tierversuchskommission (auch §15- oder Ethikkommission genannt) beratend zur Seite. Sie besteht zu zwei Dritteln aus Wissenschaftlern und nur zu einem Drittel aus Tierschutzvertretern. Viele Wissenschaftler befürworten Tierversuche oder sind selbst Tierexperimentatoren. Das Drittel Tierschutzvertreter kann ebenfalls durch Tierversuchsbefürworter gebildet werden, denn da der Begriff „Tierschutz“ nicht geschützt ist, gibt es auch Institutionen, die vorgeben, Tierschutz zu betreiben, aber Tierversuche befürworten. Aufgrund der zahlenmäßigen Überlegenheit der Tierversuchslobby in der Kommission werden nur selten Tierversuchsanträge abgelehnt.“ (Gericke et al., 2011, S. 22 f.)

„Die meisten Experimente werden gänzlich ohne Narkose vorgenommen, zum Beispiel der gesamte Bereich der Giftigkeitsprüfungen. Dazu gehören Untersuchungen, bei denen Tiere vergiftet werden. Grausame Berühmtheit erlangte der LD50-Test, bei dem die Dosis einer Substanz so lange erhöht wird, bis 50%, also die Hälfte der Tiere, sterben.“ (Gericke et. al, 2011, S. 16 f.) 

Das Tierschutzgesetz bietet also derart viele Schlupflöcher, dass beinahe jedes noch so grausame und sinnlose Experiment genehmigungsfähig ist. Schutz wird hier nur den Wissenschaftlern gewährt, nicht aber den Tieren.
(Auszüge aus: Gericke et. al., 2011: „Was Sie schon immer über Tierversuche wissen wollten“, Echoverlag)
(siehe www.peta.de/faqtierversuche)


"Liegt den Wissenschaftlern denn nichts an den Tieren, mit denen sie die Versuche machen? Hängt denn der Erfolg ihrer Forschung nicht auch vom Wohlbefinden der Tiere?"

Ermittlungen selbst bei den renommiertesten Instituten haben ergeben, dass dies leider nicht der Fall ist. Viele Experimentatoren stumpfen nach Jahren der Forschung ab und sehen das Leiden der Tiere überhaupt nicht mehr. Sie behandeln die Tiere wie Wegwerfartikel und sind der Ansicht, ordentliche Tierhaltung sei zu kostspielig.


“Verhindert denn nicht die sogenannte Ethikkommission Tierquälerei an den Einrichtungen?”

Die sogenannte Ethik-oder Tierversuchskommission besteht nur zu einem Drittel aus Tierschützern. Zwei Dritteln sind Wissenschaftler, die oft selbst Tierversuche durchführen, teil der Tierversuchsindustrie sind, und kein Interesse an einer Reduktion von Tierversuche haben. Da sie zahlenmäßig überlegen sind, stimmt die Kommission nur selten gegen einen Tierversuchsantrag. Außerdem trifft die eigentliche Entscheidung die Genehmigungsbehörde, die Kommission hat lediglich beratenden Charakter. „Zu kritisieren ist weiterhin, dass die Kommissionsmitglieder der strikten Schweigepflicht unterliegen, d.h., durch das Genehmigungsverfahren wird noch nicht einmal die Transparenz der zu großen Teilen durch unsere Steuergelder subventionierten tierexperimentellen Forschung erhöht. Fehlentscheidungen gelangen so nicht an die Öffentlichkeit. Mitunter gelingt den Kommissionen, bei einzelnen Genehmigungsanträgen die Anzahl der Tiere zu reduzieren oder das Leid der Tiere zu verringern. Letztendlich ist die derzeitige Genehmigungspraxis aber nur eine kleine bürokratische Hürde, durch die so gut wie kein Tierversuch verhindert wird.“ (Gericke et. al., 2011, S. 23)
(Auszüge aus: Gericke et. al., 2011, „Was Sie schon immer über Tierversuche wissen wollten“, Echoverlag)



"Würdet Ihr Euch für ein Experiment aussprechen, für das man 10 Tiere opfert, dass aber 10.000 Menschen das Leben rettet?"

Nein. Sieh es mal so: Nehmen wir mal an, man könnte 10.000 Menschen retten, wenn man an nur einem geistig behinderten Waisenkind experimentieren würde. Wenn das erklärte Ziel ist, Menschen zu retten, wäre es das dann nicht wert? Die meisten Menschen sind sich wohl einig darin, dass es falsch wäre, einen einzigen Menschen für "höhere Wohl" anderer zu opfern, denn das würde die Rechte des Einzelnen verletzen. Wenn es jedoch darum geht, Tiere zu opfern, wird einfach davon ausgegangen, Menschen hätten Rechte, Tiere aber nicht. Jedoch gibt es keinen logischen Grund dafür, Tieren dieselben Rechte vorzuenthalten, die einzelne Menschen davor schützen, dem Allgemeinwohl geopfert zu werden.



"Wie steht es mit Experimenten, in denen Tiere lediglich beobachtet, nicht jedoch verletzt werden?"

Wenn sie wirklich keinen Schaden nehmen, haben wir dagegen keine Einwände. Aber "keinen Schaden nehmen" bedeutet auch, dass die Tiere nicht in vergitterten Einzelkäfigen isoliert werden, denn auch diese Beengtheit verursacht Stress und Angst, wie man aus dem unterschiedlichen Blutdruck ersehen kann, den Tiere in Freiheit bzw. Tiere in Käfigen haben. Tiere in Käfigen leiden auch darunter, dass sie ihr normales Verhalten nicht ausleben und ihre Sozialkontakte nicht pflegen können.
 
 
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