Geflügel und Eier: Industrieller Missbrauch von Hühnern

Allein in Deutschland gibt es rund 116,7 Millionen Hühner. 71 Millionen sind sogenannte „Masthühner“, 35,3 Millionen sind „Legehennen“ und 10,4 Millionen davon sind Junghennen, die später als „Legehennen“ ausgebeutet werden sollen (1).

Allein für 2009 wurde der Pro-Kopf-Jahresverbrauch an Eiern auf 214 geschätzt. Immer mehr dieser Eier stammen inzwischen aus dem Ausland. 2009 wurden 7 Milliarden Eier importiert, was bedeutet, dass bereits jedes dritte Ei aus dem Ausland kommt (2).

Käfige trotz Käfighaltungsverbot
Seit dem 1. Januar 2010 gilt das Verbot der Käfighaltung bei Hennen. Die neue sogenannte Kleingruppenhaltung ist dennoch eine Käfighaltungsform. Solche Verbote führen dazu, dass die Tiere einfach unter dem Deckmantel einer anderen Bezeichnung unter ähnlichen Bedingungen weiter so gehalten werden. Am 2. Dezember 2010 hat das Bundesverfassungsgericht die Gesetzgebungsabläufe im Bereich der Kleingruppenhaltung von sogenannten „Legehennen“ als verfassungswidrig erklärt. Dabei urteilte das Gericht zum einen gegen die staatliche Förderung der Geflügelwirtschaft und zum anderen gegen die in der Praxis seit Anfang 2010 in Deutschland neu zugelassene Kleingruppenhaltung von „Legehennen“. Beides verstoße gegen die demokratischen und verfassungsrechtlichen Abläufe der Bundesrepublik Deutschland. Die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e.V. fordert jetzt das sofortige Ende der Kleingruppenhaltungen. Auch in der Kleingruppenhaltung können die Hühner natürliche Verhaltensweisen nicht ausleben.

Die Eier aus einer qualvollen „Lege“-Hennenhaltung konsumieren wir meist unbewusst durch Kuchen, Eiernudeln oder andere verarbeitete Produkte. Darin nehmen wir die Eier oftmals nicht wahr.

Männliche Küken sind unbrauchbar
Da nur weibliche Tiere Eier legen können, werden etwa 50 Millionen männliche Küken pro Jahr „entsorgt“, indem man sie vergast, erstickt oder zerhäckselt. Sie können nicht zu „Suppen“-Hühnern oder „Grill“-Hähnchen werden, weil sie nicht dahingehend gezüchtet wurden, viel Muskelfleisch anzusetzen. Da das Hauptinteresse der modernen Hühner-Intensivtierhaltung darin besteht, ein profitables Huhn zu züchten, leiden die „Masthühner“ an zahlreichen gesundheitlichen Problemen, die auch die Knochen und die Beine angreifen, weil die Tiere so schwer und „fleischig“ sind. Hennen, die als „Super-Legehennen“ gezüchtet wurden, stehen so dermaßen unter Stress, dass ihre extensive Legedauer nur eineinhalb oder allerhöchstens zwei Jahre beträgt, während die normale Lebenserwartung einer Henne, die unter natürlichen Bedingungen Eier legt, immerhin bei 15-20 Jahren liegt. Aufgrund der Intensivtierhaltung legen die Hennen von heute etwa zweimal so vieler Eier wie die Hennen vor einigen Jahrzehnten, nämlich durchschnittlich 290 Eier pro Henne und Jahr. Doch ihre ausgemergelten Körper müssen den Preis dafür zahlen.

Die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit von Bioland erklärt:
„Für die Hähnchenmast und die Legehennenhaltung gibt es jeweils spezielle Zuchtlinien (Hennen, die genügend Eier legen, und Masthühner, die genug Fleisch ansetzen). Das bedeutet, dass männliche Tiere aus der Legehennenzüchtung aus wirtschaftlichen Gründen nicht zur Mast geeignet sind und in den Brütereien tatsächlich getötet werden. Über die Art der Tötung entscheidet der Brüterei-Betrieb selber.
Mit Unterstützung von Biobetrieben gibt es auf wissenschaftlicher Ebene verschiedene Ansätze, ein "Zweinutzungshuhn" für die Praxis zu entwickeln.
Weiterhin bemühen sich einige Pioniere darum, für ihren Biobetrieb Lösungen mit alten Rassen oder Kreuzungen verschiedener Rassen zu finden. Es ist jetzt schon absehbar: Auch das gezüchtete "Zweinutzungshuhn" wird weniger Eier legen als die Hybridhenne und der Hahn wird weniger Fleisch ansetzen.
Dies ist für den Bauern wirtschaftlich nur tragbar, wenn die Verbraucher den Mehraufwand und den Ertragsverlust mit deutlich höheren Preisen honorieren. Es erfordert ein Umdenken, auch bei den Biokunden. Auch Bioland wartet auf den Durchbruch der Forschung in dem Bereich, um das Töten der männlichen Tiere verhindern zu können.“

„Suppen“-Hühner und „Grill“-Hähnchen
Hühner, die für die Fleischindustrie aufgezogen werden, werden gewöhnlich in einer Zahl von mehr als 25.000 Tieren in großen Hallen gehalten (3). Dass die Verantwortlichen die Hühner in keiner Weise als Lebewesen betrachten, wird deutlich, wenn in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) davon gesprochen wird, dass „die Masthühnerbesatzdichte zu keinem Zeitpunkt 39 kg/m²“ überschreiten soll (4). Hühner kommen in Gruppen von etwa 90 Tieren gut zurecht, eine Zahl, die es jedem einzelnen Tier erlaubt, seinen Platz in der Hackordnung zu finden. In einer so großen Gruppe von Tausenden von Tieren ist eine soziale Rangordnung allerdings nicht möglich. In ihrer Frustration picken sich die Vögel daher gegenseitig so heftig, dass sie bluten und sich manchmal sogar töten.
Genetische Selektion, die Anwendung findet, um mit der Nachfrage Schritt und die Produktionskosten niedrig halten zu können, verursacht extrem schmerzhaftes Leiden.
Aber es ist nicht allein die große Zahl, die das Leben der Vögel unnatürlich stressvoll macht. Sie haben keinerlei Zugang zu Frischluft, denn die von dem überwältigenden Ammoniakgestank durchzogenen Hallen werden von Maschinen be- und entlüftet. Fällt das Belüftungssystem aus oder erweist es sich für die Milderung extremer Temperaturen als unzureichend, können Tausende von Hühnern binnen weniger Stunden ersticken.
Eine Impfung der Vögel kurz nach dem Schlüpfen und ein Trennen der Tiere nach Altersklassen helfen zwar dabei, die Sterblichkeitsrate zu drosseln. Tierärztliche Hilfe gibt es aber nur unzureichend oder überhaupt nicht und die Arbeiter müssen tagtäglich die Hallen von den toten Tieren säubern. Damit die Tiere weniger aktiv sind, werden sie überwiegend in Dämmerlicht gehalten.

„Lege“-Hennen
Bei den „Legehennen“ gibt es gesetzliche Vorschriften und ihre Belange wurden sogar vor dem höchsten deutschen Gericht behandelt.
Seit dem 1. Januar 2010 geltenden Verbot der konventionellen Käfighaltung dürfen alternativ Legehennen in der zur Käfighaltung zählenden Kleingruppenhaltung aufgestallt werden. Insgesamt verfügen die Betriebe über eine Kapazität von rund 41,6 Millionen Haltungsplätzen. Die Haltungsformen setzen sich aktuell folgendermaßen zusammen (1):

Haltungsverfahren „Legehennen“
Bodenhaltung 66%
Käfighaltung 17%
Freilandhaltung 17%

Trotz dieser Vorschriften ist das Leben in der industriellen Lebensmittelproduktion noch immer alles andere als tier- oder artgerecht. Denn die Eierindustrie ist nun schon fast vollständig automatisiert. Fütterung, Beleuchtung, Temperaturregelung und selbst die Mauser werden von Maschinen gesteuert. Nichts wird mehr der Natur überlassen. Die Eier rollen auf ein Fließband, welches diese aus der Halle heraustransportiert. Per Fließband werden auch Nahrung und Wasser in die Käfige geliefert, die in mehreren Reihen übereinander gestapelt sind.

Die Käfigböden bestehen aus Maschendraht, so dass der Abfall zum Teil in den darunter liegenden Käfig und auf die sich darin befindenden Hennen fällt. Der Platz für eine Henne wird im sogenannten ausgestalteten Käfig auf 800 cm² festgelegt. Das ist wenig mehr als ein DIN-A4-Blatt pro Huhn, wobei jedes dieser Tiere eine Flügelweite von allein 80 cm hat. Der Käfigboden fällt in Richtung auf die Futter- und Wasserrinnen schräg ab, sodass die schwächeren Hennen oft zu Boden gedrückt werden. Durch den ständigen Kontakt mit dem Maschendraht werden ihnen die Federn abgescheuert. Schließlich werden die Hennen getötet.

Das Essen der Hennen ist eine Spezialmischung zur Steigerung der Leistung. Mais wird mit Vitamin A und D angereichert, um den natürlichen Bedarf an Sonnenlicht zu ersetzen. Das Trinkwasser ist oft mit Antibiotika versetzt, um Infektionen zu bekämpfen, die durch den Schmutz in der extrem engen Haltung verursacht werden. Die Industrie hat sogar Wege gefunden, wie sie die von den Hühnern selbst erzeugten Abfälle wieder verwenden kann: sie mengt die Abfälle teilweise einfach nach einer Verarbeitungsprozedur dem Futter bei.

Zwar gibt es keine einheitlichen Studien über die Mortalität von Legehennen in der Käfighaltung, jedoch kann man von ca. 10 Prozent ausgehen (5). PETAs verdeckte Ermittlungen über das „Leben und Sterben in der Eierindustrie“ brachten schreckliche Bilder ans Licht, in denen beispielsweise gezeigt wird, wie sich zwei lebendige Hühner mit zwei toten und verwesenden den Käfig teilen müssen (6). Denn kranke Tiere werden nicht zum Tierarzt gebracht oder eingeschläfert - dies wäre zu teuer. Im besten Fall wird ihnen das Genick gebrochen, im schlimmsten Fall müssen sie qualvoll sterben. Der Sterbeprozess kann Tage dauern.

Fällt die Eierausbeute unter ein gewisses, nicht mehr als profitabel angesehenes Limit, werden alle Hennen ins Schlachthaus abgeschoben, wo aus ihren ausgemergelten, geschundenen Körpern „Haustier“-Nahrung, Hühnersuppe, Nahrung für die Tiere in den Pelztierfarmen und verschiedene andere Produkte gemacht. Die Halle wird dann für das nächste Bataillon unglücklicher Hennen vorbereitet, gereinigt und desinfiziert.

Wasserverschwendung
In der Zwischenzeit wird in der Hühnerverarbeitungsanlage Wasser in einer solchen Menge verschwendet, als gäbe es keinen Morgen mehr. Hinzu kommt, dass die Schlachthausarbeiter an permanenten Schmerzen und sogar an bleibenden Schäden der Gliedmaßen (Karpaltunnel-Syndrom) leiden, verursacht durch die ständig wiederholten Bewegungsabläufe. Doch Angst vor Arbeitslosigkeit und Armut hält diese Menschen an ihrem grausigen Arbeitsplatz fest. Hier kann sogar von einer Verletzung gegen die Menschenrechte gesprochen werden.

Das ungesunde Resultat
Viele Menschen, die Angst vor dem hohen Fett- und Cholesterinanteil in Rind- oder anderem „roten“ Fleisch haben, essen mehr Huhn, weil sie annehmen und weil es ihnen die Geflügelindustrie so verkauft, dass Geflügel eine gesunde Alternative sei. Aber darin irren sie. Hühnerfleisch enthält nämlich fast den gleichen Cholesteringehalt wie Schweinefleisch, nämlich 60 mg pro 100 g, Hühnerleber sogar mehr als Rinderleber. Auch Eier sind gesundheitsschädigend. Der durchschnittliche Cholesteringehalt eines Hühnereies Klasse M wird derzeit mit 314 mg angegeben. Ein Eigelb an sich enthält dabei mehr Cholesterin als die empfohlene Tageshöchstmenge eines Erwachsenen (7).

Außerdem können Eier noch Lebensmittelvergiftungen verursachen, insbesondere durch Salmonellenbefall, und tragen zu Fettleibigkeit, Herzerkrankungen sowie anderen wirklich ernsten gesundheitlichen Problemen bei. Da die Symptome einer Salmonellenvergiftung denen einer Grippe ähneln, haben viele Menschen eine Vergiftung, ohne sich dessen bewusst zu sein.



Quellenangaben
(1) Destatis Landwirtschaftszählung 2010
(2) Destatis 30.03.2010
(3) Landtag Baden-Württemberg, Stellungnahme des Ministeriums für Ernährung und Ländlichen Raum, Tierschutzgerechte Haltung von Masthühnern: 2007
(4) TierSchNutztV Fassung 2007 geändert durch Art. 1 V v. 1.10.2009 I 3223
(5) Internationale Gesellschaft zur Nutztierhaltung 2006
(6) www.peta-tv.de
(7) Lebensmittellexikon 2007; BKK 2007; Deutsches Ernährungsberatungs-und Informationsnetz 2007
 
 
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