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Just – Sprayer, Fotograf, Veganer

Just macht keine halben Sachen. Für seine Graffiti klettert er über die Dächer Berlins, als Fotograf wagt er sich ins Kriegsgebiet, und um kein Tierleid zu verursachen, ist er schon vor Jahren Veganer geworden. Im Interview erzählt uns der Künstler, was ihn bewegt.


Mit Sookee auf Tour

Wie oft musstest du schon vor der Polizei wegrennen? Haha, schon ein paar Mal. Aber ich bin unglaublich schlecht im Wegrennen. Besser ist es, gar nicht erst entdeckt zu werden. Auf jeden Fall solltest du immer deine Rechte kennen.

Wie kommt man überhaupt dazu, nicht nur selbst Graffiti zu sprayen, sondern auch Fotos davon zu machen? Illegale Graffiti und Streetart leben meist nicht lange, weswegen es schon fast zur Grundausstattung eines Malers oder einer Malerin gehört, eine Fotokamera dabei zu haben. Früher knipste ich viel analog, habe dann aber aufgrund der Gelatine im Film damit aufgehört. Dann gab es irgendwann erste Digitalkameras, meine erste hatte einen 16-Megabyte-internen-Speicher. Ich glaube, ich kann mich durch Fotos besser ausdrücken als durch gemalte Bilder.

Bäckerei in Aleppo

Viele deiner Arbeiten haben einen politischen Kontext. Neben der Graffiti-Fotografie hast du beispielsweise die Queer-Rapperin Sookee auf einer Tour durch die konservativsten Ecken der USA begleitet, bist mit der Initiative Freifunk über Dächer geklettert, um kostenlose WLAN-Antennen zu installieren, und warst mitten im syrischen Bürgerkrieg. Warum setzt du dich solchen Situationen aus? Das sind eben alles Dinge, die mich interessieren und die ich politisch wichtig finde. Heute lässt sich das ja alles gut unter einen Hut bringen, damals war ich als Veganer mit antifaschistischem und queerem Background in der typendominierten Graffiti-Szene eher der Sonderling und Einzelgänger. Eine Schublade reicht eben nicht.

Kann man im Krieg an veganes Essen denken? Viel zu essen gab es im syrischen Aleppo sowieso nicht. Brot, Reis, ein wenig Obst. Aber das gab es auch nur, weil wir die gestiegenen Preise zahlen konnten. Auf den Fahrten durch die umkämpfte Stadt sind mir besonders die tumultartigen Szenen vor den noch verbliebenen Bäckereien aufgefallen. Als ich eine von ihnen besuchte, entging ich nur knapp einer Festnahme durch die wachhabenden Rebellen. Mein Fixer und Übersetzer legte sich ganz schön ins Zeug, sie davon zu überzeugen, dass ich mit meiner Kamera kein Spion war, dann Hände schütteln, ein Brot vom Fließband als Geschenk und die Zusage, ein einziges Foto machen zu dürfen. Die Bäckerei wurde wenige Wochen später, wie viele andere humanitäre Einrichtungen, gezielt vom Assad-Regime zerbombt. Das Leid und die Not der Menschen waren aber damals schon unvorstellbar.

Am Alexanderplatz

Siehst du einen Zusammenhang zwischen Menschen- und Tierrechten? Ich bin kein Anti-Speziesist und mag keine Holocaust-Vergleiche. Und ich glaube, wenn wir den Kapitalismus und seine Verwertungslogik überwunden haben, können wir auch erfolgreicher und nachhaltiger für Tierrechte und gegen andere Unterdrückungsformen kämpfen. Wie unser konsumistisches Gesellschaftssystem funktioniert, erkennt man zum Beispiel daran, dass ein egoistischer Fitness-Diät-Bullshit, der im Mainstream greift, wahrscheinlich mehr Tierleid verhindert hat, als 1.000 Jahre klandestine Tierbefreiungsaktionen und vegane Soli-Voküs. Nichtsdestotrotz sind Informationen und Aufklärung natürlich das Wichtigste.


Wie bist du selbst Veganer geworden? Eine Freundin hat mich vor gut 15 Jahren zum Vegetarismus gebracht. Dann waren Tierrechte immer Thema in meinem Umfeld. Freunde haben bei Food Not Bombs gekocht, wir versuchten damals, im Autonomen Zentrum eine Food-Coop aufzuziehen, unser Wagenplatz war vegan. Veganismus ist die logische Konsequenz, wenn du es vor dir selbst nicht vertreten kannst, Tierleid zu verursachen. Später habe ich selbst einen veganen Lieferservice gegründet, für den ich aktuell eine Nachfolge suche.

Fließt dein Veganismus auch in deine Kunst ein? Früher habe ich viel politische Sprüche und Schablonen gesprüht oder Poster verklebt. Politische Aktionen und Arbeiten laufen immer ohne Namen, damit die Aussage und nicht der Artist wahrgenommen wird.

Warum machst ausgerechnet du als Fotograf eigentlich keine Fotos von deinem Essen? Haha, ich selbst koche leider nur ganz selten. Aber in Neukölln habe ich das Privileg, jeden Tag gut und günstig auf den Straßen zu essen. Hm, ich könnte jeden Tag die zwei Kugeln Eis fotografieren, die ich esse, aber das wird sicher schnell langweilig.

 
 
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