Leder

Leder ist – genauso wie Pelz – die Haut eines einst lebendigen Wesens, aus der Bekleidung, Modeartikel, Möbel, Interieur und Kosmetik-Accessoires gemacht wurden. Nach tausenden von Jahren als Handwerk für den Lebensunterhalt ist das einstige Gewerbe der Ledermacher im 20. Jahrhundert zu einem äußerst profitablen Geschäft geworden, einer Milliarden-Industrie, die so eng mit der Fleischindustrie verknüpft ist, dass einige der größten Fleischproduzenten bereits ihre eigenen Ledergerbereien betreiben.
Viele dieser Tiere müssen all die grausamen Seiten der Massentierhaltung miterleben – unter anderem sind die Ställe, in denen die Tiere eingesperrt sind, vollkommen überfüllt. Ihnen wird jegliches natürliche Verhalten geraubt, sie werden ohne Betäubung kastriert, sie bekommen Brandzeichen verpasst, ihre Schwänze werden gestutzt und ihre Hörner gekürzt. Darauf folgt der furchtbare Transport und die grausame Schlachtung.


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Alles, außer dem "Muh"
Die Fleischproduzenten witzeln, dass sie "aus jedem Teil einer Kuh" Geld machen, "außer aus dem Muh". Tatsächlich hängen die Profite der Fleischindustrie weitgehend vom Verkauf der "Nebenprodukte“ ab. Wird ein junger 1.000-Pfund-Ochse geschlachtet, werden 432 Pfund verkäufliches Rindfleisch daraus. Der Rest des Kadavers geht in die Produktion von Nebenprodukten. Dieses "fünfte Viertel", wie es in der Rindfleischindustrie genannt wird, beinhaltet Blut und Fette, die in Futtermitteln, Reifen, Sprengstoffen, Farben und Kosmetik verwertet werden. Organe werden zu Tierfuttermitteln verarbeitet und Herzklappen an die Pharmaindustrie weitergeleitet. Die Haut der Tiere stellt jedoch das wirtschaftlich wichtigste Nebenprodukt der Fleischindustrie dar. In Zahlen ausgedrückt bedeutet das: bis zu 50 Prozent des Gesamtwertes der Rindernebenprodukte!
Sobald die Produktivität von Milchkühen abnimmt, wird auch ihre Haut zu Leder verarbeitet. Die Felle ihrer für die Produktion von Kalbfleisch gezüchteten Kinder werden zu teurem Kalbsleder verarbeitet. Daher steht oder fällt der wirtschaftliche Erfolg der Schlachthäuser und der Milch- und Mastbetriebe in direktem Zusammenhang mit dem Verkauf aus dem "fünften Viertel" und den Lederwaren, die der Verbraucher kauft.

Gifte aus den Gerbereien
Obwohl Lederhersteller ihre Produkte oft als „biologisch abbaubar“ oder „umweltfreundlich“ bezeichnen, stärkt der Prozess des Gerbens die Kollagen- oder Proteinfasern, so dass diese daraufhin nicht mehr biologisch abbaubar sind.

Die meisten heute vermarkteten Lederprodukte werden mit Chrom gegerbt. Die Umweltschutzbehörde der Vereinigten Staaten bezeichnet jedes Chrom enthaltende Material als gefährlich. Neben den bereits erwähnten toxischen Substanzen enthalten Gerbereiabwässer auch enorme Mengen anderer Schadstoffe wie Protein, Haare, Salze, Kalkschlamm, Sulfide und Säuren. Eine Chromgerberei verschwendet über 55.000 Liter Wasser und produziert bis zu 1.100 Kilogramm Feststoffabfall (z.B. Haare, Fleisch und Randabfälle) pro bearbeiteter Tonne Tierhaut.
Zu den katastrophalen Folgen dieser giftigen Abfälle gehört die drohende Gefahr von hohen Pegeln an Blei, Zyanid und Formaldehyd im Grundwasser in der Nähe von Gerbereien. Eine amerikanische Behörde zur Kontrolle und Prävention von Krankheiten hat herausgefunden, dass die Anzahl von Leukämiefällen unter Bewohnern einer Gegend um eine Gerberei in Kentucky fünfmal höher als der nationale Durchschnitt war. Arsen, eine geläufige Chemikalie in Gerbereien, wurde schon vor langer Zeit mit Lungenkrebs unter Arbeitern, die ihm regelmäßig ausgesetzt sind, in Verbindung gebracht. Unterschiedliche Studien haben die Verbindung zwischen Lungenkrebs und dem in der Gerberei verwendeten Chrom festgestellt. Schwedische und italienische Gerbereiarbeiter, die an einer Studie teilnahmen, hatten ein „20-50% höheres Krebsrisiko als erwartet.“

Die gesamte Artenvielfalt
Ein Großteil der in den USA und Europa verkauften und hergestellten Lederprodukte stammt von Kuh- und Kalbshäuten. Leder wird jedoch auch aus den Häuten von Pferden, Schafen, Lämmern, Ziegen und Schweinen gemacht, die ihres Fleisches wegen umgebracht werden. Andere Tierarten werden alleine ihres Felles/ihrer Häute wegen gejagt und getötet. So fallen diesem grausamen Geschäft auch Zebras, Bisons, Wasserbüffel, Wildschweine, Kängurus, Elefanten, Aale, Haie, Delfine, Seehunde, Walrosse, Frösche, Schildkröten, Krokodile, Eidechsen und Schlangen zum Opfer.

Andere “exotische” Tierarten, wie zum Beispiel Alligatoren, werden ihrer Häute und ihres Fleisches wegen sogar im großen Stil gezüchtet. Junge Alligatoren werden meist in aufgestellten Becken gehalten, während größere Tiere in den Betonboden eingearbeiteten Behältnissen leben müssen. Laut der für Florida gültigen Vorschriften können bis zu 350 fast ausgewachsene Alligatoren ganz legal auf einer Fläche, die einem normalen Einfamilienhaus entspricht, gehalten werden. Im Bundesstaat Georgia hielt sich ein Farmer 10.000 Alligatoren, auf vier Gebäude verteilt, in denen „hunderte von Alligatoren jeden Zentimeter des Raumes ausfüllten“, so die Los Angeles Times. Obwohl Alligatoren in freier Wildbahn bis zu 60 Jahre alt werden können, werden gezüchtete Tiere meist noch vor ihrem zweiten Lebensjahr geschlachtet, d.h. sobald sie eine Länge von 4 bis 6 Fuß (ca. 120-180 cm) erreicht haben. Eine humane Behandlung steht für die Wilderer und Jäger auf der Suche nach Häuten und die Verarbeiter von Leder nicht an vorderster Stelle. Alligatoren, die auf diesen Farmen leben müssen, werden oft mit Hämmern und Äxten zu Tode geprügelt oder sind oft noch für bis zu 2 Stunden, nachdem sie gehäutet wurden, bei Bewusstsein.

Kängurus werden jährlich millionenfach abgeschlachtet, da ihre Haut als erstklassiges Material für Fußballschuhe bezeichnet wird. Und obwohl die australische Regierung von Jägern verlangt, die Tiere zu erschießen, sollen verwaiste junge und verletzte Tiere, laut der Regierung, enthauptet oder hart auf den Kopf geschlagen werden, um „das Gehirn zu zerstören“. Nachdem Fußballstar David Beckham von diesen grausamen Methoden erfuhr, stieg er im Jahr 2006 auf Schuhe aus synthetischen Materialien um. Auch viele andere Fußballer tragen mittlerweile Schuhe aus Synthetik, da diese langlebiger und leichter sind, was den Tragekomfort deutlich verbessert.
Was viele Konsumenten nicht wissen: Bei Schafsfell handelt es sich nicht um geschorene Wolle, sondern um einen „Jährling“, der einmal geschoren wurde. Ein Kleidungsstück aus Schafsfell wird aus der Haut eines Schafs oder Lamms gemacht, das kurz vor der Schlachtung geschoren wurde; die Haut wird gegerbt, während die Wolle noch dran ist.

Auch Tiere, die in anderen Ländern ihrer Häute wegen gezüchtet werden, müssen unvorstellbare Qualen über sich ergehen lassen. Eine PETA – Ermittlung zum Schlachten von Kühen in Indien – ein Land, von dem viele Menschen glauben, Kühe würden dort gut behandelt, weil viele Inder die Kuh verehren – hat gezeigt, dass alte Kühe oft auf Auktionen verkauft werden und daraufhin lange Wege zu illegalen Transportlastern zurücklegen müssen. Dort werden bis zu 50 Kühe, die oft krank oder verletzt von dem zermürbenden Marsch sind, in Lastwagen, die für nur ein Dutzend Tiere ausgelegt sind, gequetscht. Sie werden über holprige Straßen gekarrt, während sie sich gegenseitig mit ihren Hörnern verletzen und aufeinander herum trampeln, bis hin zu steinzeitlichen Schlachthäusern, wo ihnen alle vier Füße zusammengebunden und ihre Kehlen aufgeschnitten werden.

Hunderttausende Hunde- und Katzenfelle landen jährlich auf dem europäischen Markt (außerdem geschätzte 2 Millionen Hunde- und Katzenfelle aus China, um der Nachfrage gerecht zu werden). Gutgläubige Käufer erwerben die Produkte aus Hunde- oder Katzenfell, da diese oft absichtlich falsch ausgezeichnet werden und nichts über den wahren Ursprung aussagen. Vermutlich werden die Häute der Hunde und Katzen zu Leder verarbeitet. Es gibt zwar seit dem 01.01.2009 ein EU-weites Import- und Handelsverbot, doch aufgrund der unzureichenden Deklarationspflicht muss man davon ausgehen, dass die Häute und Felle – bereits zu Modeartikeln oder Accessoires verarbeitet – nach wie vor eingeführt werden. Niemand kann mit bloßem Auge die Tierart eines Felles oder eines Leders bestimmen.
In Frankreich werden jährlich 20.000 Katzen für den Fellhandel gestohlen. Bei einem Polizeieinsatz in einer Gerberei in Deux-Sevres in Frankreich wurden 1.500 Häute gefunden, aus denen Babyschuhe angefertigt wurden.
Kauft ihr also Lederprodukte, kann es leicht passieren, dass ihr euch mit Hunde- oder Katzenhaut schmückt. Eine Kennzeichnung von Fell- und Lederwaren ist in Deutschland im Übrigen keine Pflicht.

Alternativen
Es ist nicht notwendig, Uhrenarmbänder, Fußbälle, Polster, Gürtel, Mäntel, Schuhe und all die anderen Dinge aus Leder herzustellen. Es gibt viele alternative Materialien, z.B. Baumwolle, Leinen, Gummi, Chinagras, Segeltuchstoff und synthetische Stoffe. Chlorenol (bei Avia „Hydrolite“, bei Nike „durabuck“) ist ein aufregendes neues Material, zeichnet sich durch seine Atmungsaktivität aus und wird zur Produktion von Sport- und Wanderschuhen verwendet. Es legt sich mit derselben Elastizität wie Leder um den Fuß, gibt guten Halt und lässt sich in der Maschine waschen. Alternative Materialien sind zumeist billiger und tragen nicht zur Massenabschlachtung für die Fleischgewinnung oder zur wilden Jagd auf Tiere mit wundervoller Haut bei. Fragt in den Geschäften nach einer größeren Auswahl an lederfreien Artikeln, und fordert Designer und Hersteller auf, Schuhe aus alternativen Materialien zu kreieren und zu fertigen.

Lederfreie Artikel zu tragen bedeutet kein Opfer! Alternativen finden man fast überall, wo man einkauft. Einige Anbieter, z.B. Discount-Schuhläden wie Deichmann, oder Großanbieter haben eine enorme Auswahl. Diverse Labels (z.B. Mango, Esprit, S.Oliver, Nike u.v.m.) vertreiben verschiedene lederfreie Handtaschen, Geldbörsen und Schuhe.

Eine große Auswahl an lederfreien Schuhen und anderen Artikeln sind mittlerweile auf dem Markt erhältlich. In PETAs tierfreundliche Einkaufsführer findt ihr viele Tipps und lederfreie Schuh- und Modehäuser

Mehr Infos:
www.peta.de/leder


 
 
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