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MAROON

Die Jungs im "Stop the Canadians"-Shirt exklusiv für peta2!


Mal ehrlich: an dieser Stelle ist ein klein wenig Selbstkritik angebracht. Wir wissen zwar, dass Ihr wisst, dass wir die coolsten Animal Rights-Outwatcher sind, die so gut wie jede Band aufspüren, die sich für Tierrechte einsetzt. Und wir wissen natürlich ebenso, dass wir das sind. Leider heißt ?so gut wie? aber auch, dass ein, zwei Bands manchmal hinten runter fallen, und sie uns (aus welchen Gründen auch immer) durch die Lappen gehen. Womit wir nicht sagen wollen, dass wir MAROON aus Nordhausen nicht schon längst gesichtet hätten. Schließlich ist die Band, deren Mitglieder alle seit Jahren vegan leben, neben CALIBAN und HEAVEN SHALL BURN ohne Zweifel die heftigste und beste deutsche Band in der Schnittmenge zwischen Metal und Hardcore. Im Gegenteil, wir haben MAROON natürlich schon längst gesichtet gesichtet, führten doch alle ihre Alben nach etlichen Mosh-Stunden zu ernsthaften Nackenmuskelprobleme in der peta2-Redaktion! Nur leider haben wir es immer versemmelt, mal mit den Jungs zu quatschen. Aber - wir können Euch beruhigen - wir haben das nachgeholt! Und zwar im Rahmen unserer famosen "Stop the Canadians"-Kampagne! Wie, fragt Ihr Euch?! Ganz einfach: MAROON waren natürlich so cool, sich allseamt im stylischen "Stop the Canadians"-Kampagnenshirt fotografieren zu lassen! Und während Ihr die coolen Motive und alle weiteren Kampagneninfos auf unserer Myspace-Seite findet, haben wir den Anlass genutzt, um Bassist Tom Moraweck ein paar Einzelheiten zu entlocken. Diese erfahrt Ihr im MAROON-Interview auf peta2.de!
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MAROON in voller Pracht! Alle Kampagneninfos und ein Großformat des Bildes gibt es hier!



Hi Tom, erstmal vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, um ein paar Fragen für peta2 zu beantworten. Ihr lebt ja alle vegan, wie kam es dazu? Die drei Leute, welche noch von der Urbesetzung übrig sind, also Andre (Gesang), Sebastian (Gitarre) und ich (Bass), sind alle seit zehn Jahren vegan und waren vorher schon einige Jahre Vegetarier. Ich denke, Musik hat schon immer unser Leben bestimmt und uns am meisten beeinflusst. Mein Bruder Andre (Gesang) hat schon zu DDR-Zeiten Punk gehört, und ist durch diese ganzen politischen, deutschen Punkbands irgendwann zum Vegetarismus gekommen. Ich war zu der Zeit Deathmetaller und kam auch mit sozialkritischen Themen in Berührung. Ich habe natürlich auch immer ein bisschen Deutschpunk gehört und Bands, die sehr in der Tierrechtsbewegung waren, und bin dann auch Vegetarier geworden. Damals spielte auch die Antifa-Szene eine Rolle für uns, welche zu dieser Zeit auch noch einige Tierrechtler umfasste. Dann kam eine Zeit, in der uns das alles nicht mehr gereicht hat. Ich bekam die ersten PETA-Flyer in die Hand, wo auch über die Qualen der Milch- Gewinnung geschrieben wurde. Zeitgleich hörten wir zum ersten Mal was von EARTH CRISIS. Das war eigentlich die Initialzündung! Wir merkten, dass für uns persönlich Vegetarier sein nicht genug ist und wurden vegan.

Darüber hinaus seid ihr auch alle straight edge, kam das zur selben Zeit wie die Entscheidung, vegan zu leben? Straight Edge sind wir alle relativ unterschiedlich lange. Andre ist mittlerweile schon fast 15 Jahre Straight Edge und Sebastian und ich auch so an die zwölf Jahre. Wir sind wieder durch Bands wie MINOR THREAT oder YOUTH OF TODAY darauf aufmerksam geworden. Wir waren alle sehr dem Alkohol und auch verschiedenen Drogen zugetan. Zum Glück kamen dann solche Bands und haben uns zum Nachdenken bewegt, sonst wären einige von uns heute sicherlich schwere Alkoholiker oder Junkies! Ich dachte mir irgendwann, das es nicht gut sein kann jeden Tag, ob Wochenende oder in der Woche, seinen Rausch zu brauchen. Dann habe ich aufgehört. Dies war aber mehr eine Entscheidung auf persönlicher Ebene. Für mich haben Straight Edge und Veganismus nichts miteinander zu tun. Klar, bei mir hat damals eins zum anderen geführt, aber ich höre immer wieder Sachen wie: 'Ah, du kannst ja kein Fleisch essen, du bist ja Straight Edge'. Völliger Quatsch! Ich kenne genug Veganer, die nicht Straight Edge sind. Umgedreht habe ich da schon größere Probleme. Ich verstehe einfach nicht, warum es so Sachen wie "Meat edge" gibt. Ich hätte Leute, die Straight Edge sind, intelligenter eingeschätzt.

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MAROON ohne Tom, aber trotzdem schön! Alle Kampagneninfos und ein Großformat des Bildes gibt es hier!

Ihr kommt ja aus der ehemaligen DDR, in wie fern sehr Ihr heute noch eine Differenz zwischen den Szenen in West- und in Ostdeutschland? Denkt Ihr, dass politisch-soziale und tierrechtliche Themen in einem der beiden Landesteile einen weiter reichenden Einfluss auf die Menschen in der Szene haben, als im anderen Landesteil? Puh, das ist wirklich schwer zu sagen. Ich wünschte, ich könnte sagen, ich sähe keinerlei Unterschiede zwischen den beiden Teilen, aber leider gibt es diese noch immer. Man kann das meiner Meinung nach heute ein wenig mit den Unterschieden zwischen West- und Osteuropa vergleichen. Die Leute im Osten sind einfach noch ein wenig hungriger, die hatten einfach viele Sachen, auch Musik, lange Jahre nicht, während der Markt in Westdeutschland immer gefüllt war. Ich kann mich noch erinnern, als die ersten großen Metaltouren in den Osten kamen. Das war so unglaublich und alle Leute sind dort hin. Aber heute werden diese Unterschiede immer geringer. Auch politische Themen haben im westlichen Teil viel mehr Vorlauf als hier. Es gab auch hier viele Punks, die auch immer Ärger mit dem Staat hatten, aber da ging es in erster Linie um persönliche Freiheit. Die dachten nicht an Sachen wie Tierrechte. Das war einfach gar nicht greifbar! Im Westen war das schon sehr früh in den Achtzigern ein großes Thema in der Punk- oder Hausbesetzer- Szene.

Wie schätzt Du die Entwicklungen von Vegetarismus und Veganismus in den letzten Jahren ein, denkst Du, dass es leichter geworden ist, sich vegan zu ernähren? Es ist in den letzten fünf Jahren so enorm viel passiert. Gerade bei uns hier im Osten. Als wir anfingen, gab es bei uns in der Nähe nichts. Wir hatten in Nordhausen ein Reformhaus. Dort gab es auch immer mal vegane Sachen, aber wir wohnten ja zu der Zeit noch nicht in Nordhausen und mussten dahin immer eine halbe Stunde fahren. Dann hat man eine Sojamilch und eine Packung vegane Wurst gekauft ? und war wieder Pleite. Jetzt gibt es in jedem Supermarkt auf jedem Dorf vegane Produkte in jeder Preisklasse. Mittlerweile haben wir einen fast ausschließlich veganen Bioladen hier, wo man fast alles kriegt, und unser Stammimbiss hat Tonnenweise vegane Gerichte. Es geht uns schon relativ gut, obwohl es immer noch ein Witz ist, wenn man vergleicht, was man als Fleischesser kriegt! Trotzdem essen wir mittlerweile höchst differenziert, weil es einfach so viel mehr gibt als früher.

Was esst Ihr denn gerne? Wir kochen immer noch gelegentlich zusammen und probieren so neue Rezepte aus. Das meiste sind "normale" Rezepte, Sachen, die wir als Kinder schon gerne gegessen haben, und die werden einfach nur mit veganen Produkten gekocht. Das sind dann Dinge wie Spaghetti Bolognese, Pizza, Kohlrouladen, Aufläufe. Sogar so was wie vegane Ente zu Weihachten oder so genannte ?Gehacktesditsche? sind kein Problem mehr. Kuchen, Kekse, Plätzchen? eigentlich alles. Bloß eben vegan! Unsere Familien machen da auch mit, und merken keine Unterschiede zu ihrem Essen! Das ist echt Alltag geworden. Genau wie der Einkauf. Man guckt nicht mehr auf jedes Produkt. Manchmal hat man aber so auch Pech, und merkt an der Kasse, dass ein Produkt gar nicht mehr vegan ist und muss das dann zurückbringen. Man guckt schon immer, ob es vielleicht was Neues gibt, aber wenn dem so ist, spricht sich das eh schnell rum.

Und wenn Du Dich kulinarisch einordnen müsstest, was für ein Typ wärst Du? Ich bin ein Typ, der am liebsten herzhaft ist, schon immer. Deswegen freue ich mich über Sachen wie vegane Ente. Ich esse auch viel Seitan, habe aber auch schon immer gerne Gemüse gegessen.

Hast Du denn so was wie ein Lieblingsrestaurant? Das Beste ist auf jeden Fall der ?Schillinger Hof? in der Nähe von Wien! Ich habe noch nie so gut vegan gegessen wie dort. Dort gibt es Wildragout, Cordon Bleu, Leberkäse Semmeln? alles vegan! Das finde ich fantastisch!

Magst Du kurz was zu den Tierrechts-Tattoos sagen, die Du, Andre und Sebastian haben? Sicher, wobei ich nur wenige Tattoos habe. Eines davon ist ein Crew-Tattoo, das insgesamt so um die zehn Leute haben. Alles Vegan-Straight Edge-Leute, übrigens hat Kurt von Catalyst Records auch eines. Wir hatten damals die "xHELLFIREx"-Crew und das Tattoo ist eben dieser Crew gewidmet. Drunter steht ?Vegan Straight Edge?-Crew. Alle, die dieses Tattoo haben, sind auch heute noch vegan und straight edge. Sebastian hat glaube ich irgendwo noch XXX und auf den Schultern Vegan stehen. Andre hat noch Vegan auf einem, und Straight Edge auf dem anderen Unterarm stehen. Mein Tattoo ist in erster Linie eine Erinnerung an diese Zeit und die Freunde, mit denen ich es zusammen habe.

Im Laufe der Zeit habt Ihr in Euren Songs ja auch immer wieder tierrechtliche Fragen behandelt. In wie fern kommt das Thema auf ?The Cold Heart Of The Sun? zum Ausdruck, Eurem aktuellen Album? Auch auf der neuen Platte ist dies wieder Thema. Aber nicht mehr so plakativ und vordergründig wie vorher. Man muss jetzt schon mehrmals die Texte lesen, und sich damit befassen, um etwas daraus ziehen zu können. Wir wollten einfach nicht ewig mit dem erhobenen Zeigefinger rumlaufen. Ich denke, das ist auf Dauer auch kontraproduktiver, als es ein wenig versteckt zu machen. Man sollte die Leute nicht gleich mit der ersten Zeile verschrecken, wie es uns früher sicher oft passiert ist.

Mit ?The Cold Heart Of The Sun? ist Euch ja ein richtig guter Rundumschlag durch das Universum von Heavy Metal gelungen. Habt Ihr beabsichtigt, solch eine vielseitige Platte zu schreiben? Ja, wir haben bei 'When Worlds Collide' und bei 'The Cold Heart Of The Sun' darauf geachtet viele unserer unterschiedlichen Einflüsse auch zur Geltung zu bringen. Diesmal finde ich auch, dass uns das noch besser gelungen ist. Wiederum kommt das aber auch automatisch, weil wir alle völlig unterschiedliche Geschmäcker haben, was Metal angeht und diese Einflüsse natürlich automatisch beim Songschreiben zusammen fließen. Wir setzten uns nicht hin und sagen: Hier muss noch dieser Part hin, damit die Platte abwechslungsreicher wird? das kommt einfach so. Ich finde zum Beispiel, dass Endorsed By Hate eher unabwechslungsreich und ziemlich gleich klingt, trotzdem liebe ich die Platte, weil sie hart und kompromisslos ist und genau die Gefühle widerspiegelt, die wir beim Schreiben der Songs damals hatten.

Würdest Du MAROON eigentlich als Metalcore-Band bezeichnen? Ich konnte nie sehr viel mit diesem Schubladendenken anfangen. Die Leute sollen unsere Musik nennen, wie sie wollen. Solch ein Label sollte nur zur groben Orientierung dienen, aber letztendlich ist das alles so subjektiv, dass eine Kategorisierung schwer fällt. Wir sind alle stark von der HC- Ethik beeinflusst. Aber musikalisch standen wir, auch als Hörer, dem Metal schon immer ein Stück näher. Aber gerade Fragen des Tierrechts rühren wohl eher aus unserem HC-Hintergrund. Aber ob uns jemand als Metalcore, Metal oder HC Band bezeichnet, ist mir vollkommen egal!

Beim Punkt Tierrechte: die Ideale des Hardcore sind ja schon oft und detailliert diskutiert worden, wobei die Ideale des Metal bisher in der Presse eher weniger beleuchtet wurden. Denkst Du, dass es im Metal eine ähnlich klar definierbare Menge von Idealen gibt, wie im Hardcore D.I.Y usw.? Ich finde im Grunde wurzeln doch beide Subkulturen in denselben Eckpunkten: Abgrenzung und Rebellion. Deswegen sehe ich sehr viele Parallelen, auch wenn die politischen Seiten, wie ihr schon richtig sagtet, im HC viel mehr dokumentiert sind. Ein wichtiger Grund ist aber auch, dass die Metal- Szene viel größer ist und dadurch gar keine Chance hat, elitäre Züge so stark anzunehmen wie die HC-Szene. Für mich eindeutig ein Vorteil, denn was mich immer schon extrem an großen Teilen der HC-Szene angekotzt hat, war eben diese arrogante, elitäre Haltung. Irgendwelche Leute dachten, sie könnten entscheiden, wer Teil dieser Szene sein darf und wer nicht! Aber eigentlich steht doch am Anfang immer die Musik. Wem diese gefällt, soll sie hören, egal wie er/sie aussieht. Und ich finde, das war immer ein Problem der HC- Szene, gerade in vielen ihrer Unterkategorien. Meine ersten HC- Konzerte als junger Metaller waren echt komisch, weil mich die Leute richtig blöd angeguckt haben, nur weil ich nicht mit Tattoos und Basecap dort aufgekreuzt bin. Aber natürlich ist die HC- Szene über die Jahre sehr viel politischer geworden. Themen wie Veganismus wären sicherlich in der Metalszene nie so populär geworden. Dennoch will ich nicht glauben, dass sie dort nie vorhanden waren.

Welche Band ist Deinen Augen die wichtigste für die Tierrechtsbewegung? Würdest da eher an Hardcore-Bands wie EARTH CRISIS, oder eher an weltweit kommerzielle erfolgreiche Musiker wie Morrissey und THE SMITHS denken? Da habt ihr ja genau die richtigen rausgeholt. Für mich gibt es keinen bessren Künstler als Morrissey und keine bessere Band als THE SMITHS. Seit ich seine Musik kenne, kann ich nichts anderes mehr hören. Ich höre jeden Tag seine Lieder immer und immer wieder. Und ich bin mir sicher, er hatte und hat immer noch mehr Einfluss, als es Bands wie wir oder EARTH CRISIS je haben können. Für uns war es damals EARTH CRISIS, weil wir damals einfach diese Art von Musik hörten. Aber keiner kann irgendetwas besser in Texte verpacken als Morrissey. Er ist nun mal in jeder Hinsicht der Größte! Und ich denke, es ist kaum abschätzbar, was eine Platte wie "Meat Is Murders", die damals schließlich Platz eins in den britischen Charts war, für Einfluss auf Millionen von Menschen hatte. Ich würde sogar sagen, es ist die Platte, die die meisten Menschen zum Vegetarismus gebracht hat!

Gab es eigentlich schon Menschen, die auf Euch zugekommen sind und Euch gesagt haben, dass sie durch Euch und Eure Musik Vegetarier und/oder Veganer geworden sind? Was für einem Gefühl hat Euch das erfüllt? Ja, da gab es schon relativ viele. Wir haben immer Mails aus der ganzen Welt bekommen, in denen uns Leute berichteten, wie sie durch unsere Texte zum Nachdenken angeregt wurden und schließlich vegan geworden sind. Es kamen auch Hilferufe von Leuten, die durch uns vegan geworden sind, und jetzt von ihrem Freundeskreis geächtet werden. Das muss man sich mal überlegen! Aber alle waren entschlossen und überzeugt, dass sie eine gute Sache verfolgen, und das macht mich stolz! Ich meine, es ist ein unglaub-liches Kompliment für mich, wenn Leute durch meine Worte aufhören Tiere zu töten!

Tom, das war es schon! Vielen Dank für das Interview! Hast du noch letzte Worte an die User von peta2.de? Denkt immer daran, dass sich die meisten Tiere nicht wehren können und helft ihnen. VIVA HATE!
 
 
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