
Marc Pierschel - Buchautor & Tierrechtsaktivist
Aber weil eine theoretische tierethische Abhandlung Dich zwar in Deiner veganen Haltung stärken kann, Dir den Alltag aber nicht unbedingt erleichtert, gibt's auch noch jede Menge Wissenswertes für das liebe vegane Leben: Mit Infos über Gesundheit, häufige Fragen, Erlebnisberichten von Veganern, Rezepten, einer Ernährungstabelle und einer E-Nummernliste bist Du für alle Fälle gewappnet. Und der kleine vegane Sprachführer hält für Dich bereit was "Ich bin vegan. Ich esse keine tierlichen Produkte. Kein Fleisch, kein Geflügel, keine Milchprodukte, keine Eier, keinen Honig." in 16 Sprachen übersetzt heißt! Praktisch für den Restaurantbesuch im nächsten Urlaub.
Prädikat: empfehlenswert!
Wir haben uns mit dem Autor Marc Pierschel zu einem kleinen Pläuschchen verabredet, denn wer so viele informative Dinge aufschreibt, hat bestimmt auch spannende Dinge zu erzählen.
Hallo Marc! Du lebst seit zehn Jahren vegan – wie kam es dazu? Was war für Dich der ausschlaggebendste Grund, vegan zu werden? Bevor ich mich dafür entschied vegan zu leben, war ich bereits seit ein paar Jahren Vegetarier. Damals fing ich an, viel politischen Punk und Hardcore (Propagandhi, Good Riddance, etc) zu hören, und habe so eine Menge neuer politischer Ideen kennengelernt, darunter auch die des Veganismus. Als ich mich dann näher über die Hintergründe informierte, unter denen Eier und Milchprodukte produziert werden, war Vegetarismus für mich keine Alternative mehr. Besonders schockiert war ich über das "Sexen" also das Sortieren von Küken zur "Eierproduktion" - wobei die männlichen Küken geschreddert oder vergast werden.
Der erste Satz des Klappentextes Deines Buches lautet: "Vegan – nichts leichter als das!" – fandest Du die Umstellung tatsächlich immer so leicht? Wie gehst Du mit Stolperfallen um und wie hast Du Rückfälle vermieden? Die Umstellung war alles andere als einfach, insbesondere weil es damals noch nicht so einfach war an Infos zum Thema zu kommen wie heute. Mit meinem Buch "VEGAN!" habe ich versucht, alle wesentlichen Informationen, die mir damals gefehlt haben, sowie Antworten auf alle wichtigen Fragen zum Veganismus, zusammenzufassen, um allen Neu-Veganer_innen den Start zu erleichtern. Ein weiteres Problem waren meine kaum vorhandenen Kochkenntnisse, vor allem weil ich noch die üblichen Gerichte mit Käse, Milch und Eiern gewohnt war. Aber seitdem ich vegan lebe, habe ich einen völlig anderen Zugang zu Essen und Lebensmitteln bekommen und so viele neue Gerichte, Zutaten und Leckereien kennengelernt, die ich heute nicht mehr missen möchte. Und Stolperfallen? Manchmal gehe ich davon aus, dass ein Produkt vegan ist, ohne auf die Zutatenliste zu schauen, aber oft verstecken sich die absurdesten tierlichen Zutaten in Lebensmitteln. Rückfälle zu vermeiden finde ich nicht schwer. Sobald mir jemand ein tierliches Produkt vor die Nase setzt, muss ich automatisch daran denken woher es kommt und unter welchen Bedingungen es "produziert" wird.

"We love ALF" - ein cooles Motiv von Roots of Compassion
Du hast den veganen Online-Versand Roots of Compassion mitgegründet. Wie kamt Ihr darauf? Die Grundgedanke bei ROC war, den Tierrechts-/Tierbefreiungsgedanken und Veganismus anderen Menschen näher zu bringen. Wir haben angefangen mit eigenen T-Shirts und Buttons - beides gute Wege um Botschaften zu transportieren und Mitmenschen zu erreichen. Damit und mit einer Menge Infomaterial waren wir dann lange Zeit auf Konzerten, Festivals und Demos in ganz Europa unterwegs. Mit der Zeit wurde das Sortiment mit Literatur, veganen Schuhen und Lebensmitteln immer größer und mittlerweile ist das ganze zu dem geworden was ihr unter www.rootsofcompassion.org findet. Nächstes Jahr feiert ROC übrigens bereits 10-jähriges Jubiläum.
Wie wichtig ist Dir Tierrechtsaktivismus oder Aktivismus im Allgemeinen? Was würdest Du Kids raten, die sich engagieren wollen? Ohne Aktivismus gäbe es keine Bewegung und ohne Bewegung gäbe es keine Veränderung der bestehenden Verhältnisse. Aktivismus ist ein zentrales Element der Bewegung. Mindestens genauso wichtig ist meiner Meinung nach aber auch, sich darüber zu informieren, wie wir diese Ziele am besten erreichen können, bzw. wo die kulturellen, moralischen oder politischen Mechanismen zu finden sind, die Tierausbeutung in unserer Gesellschaft legitimieren. Aktivismus sollte Teil dieses theoretischen Diskurses sein.
Danke für das Interview, Marc!