Wolle
Ein Blick hinter die Kulissen der Wollindustrie
Viele Menschen denken, dass Schafe ohnehin unter zu viel Wolle leiden würden und dass das Scheren den Tieren helfen würde. Ohne die Einmischung des Menschen würden Schafe jedoch nur so viel Wolle bekommen, wie sie zum Schutz vor extremer Witterung benötigen würden. Egal, ob man es nun Wolle, Mohair, Pashima, Shahtoosh oder Kaschmir nennt, jede Art von Wolle bedeutet Leiden für die Tiere. Erfahre hier wieso.
Leiden – schon als Lämmchen
Nur wenige Wochen nach ihrer Geburt werden den Lämmern die Ohren durchlöchert, die Schwänze abgeschnitten und die männlichen Tiere kastriert – alles ohne Narkose. Die Kastration erfolgt durch das Herausschneidens der Hoden oder durch einen Gummiring, der die Blutzufuhr zu den Hoden abschneidet – eine der schmerzhaftesten Kastrationsmethoden überhaupt. Alljährlich sterben Hunderte von Lämmern an den Folgen der Witterung oder verhungern, noch bevor sie die 8. Lebenswoche erreichen. Jahr für Jahr sterben auch ausgewachsene Schafe an den Folgen fehlender Unterstände und an Krankheiten aufgrund von Vernachlässigung.
Entgegen dem, was Verbraucher glauben, ist „shearling“ übrigens nicht geschorene Wolle. Shearling-Kleidung ist von einem Schaf oder Lamm gemacht, unmittelbar bevor es geschlachtet wurde; die Haut wird noch mit der Wolle eingefärbt.
Die Qualen des Scherens und Mulesings
Merinos – die meist verbreitete Rasse - sind speziell so gezüchtet, dass sie faltige Haut haben, was noch mehr Wolle pro Tier bedeutet. Dieses unnatürliche Übermaß an Wolle führt dazu, dass Tiere während der heißen Monate an Überhitzung sterben. In den Falten sammeln sich außerdem Urin und Feuchtigkeit, wovon Fliegen angezogen werden, die ihre Eier in die Hautfalten ablegen. Die ausgeschlüpften Larven können die Schafe dann bei lebendigem Leibe auffressen. In Australien – dem größten Wolllieferant der Welt – nehmen die Farmer eine barbarische Prozedur an den Schafen vor, um diesen „Fliegenbefall zu verhindern: Mulesing. Dabei werden den Lämmern bei vollem Bewusstsein und ohne Betäubung riesige Fleischstreifen hinten von den Beinen und im Bereich des Schwanzes weggeschnitten. Man will so eine glatte, vernarbte Fläche erhalten, auf der sich keine Fliegen ansiedeln und ihre Eier ablegen können.